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Chronik

Sollen beim Trinkgeld weiterhin Abgaben kassiert werden?

Die Debatte um die Einhebung von Sozialversicherungsabgaben beim Trinkgeld spitzt sich zu. Wie steirische Wirte und Angestellte in der Gastronomie die Frage sehen.

letztes Jahr29. Mai 2025 um 08:03
Graz (Bezirk)
Florian Deutschmann (38) betreibt mit Gattin Tanja das Restaurant Taflo in Bruck an der Mur: „Wir in der Gastro haben schon gewisse Hürden, die Personalsuche ist etwa schwierig. Typisch ist auch, dass sich aktuell niemand auskennt: Die Gäste sind verwirrter als vorher. Wir bieten bei uns beides, Bar- und Kartenzahlung auch fürs Trinkgeld an. Mit unserem Gastro-Konzept sind wir auch Franchisegeber in anderen Bundesländern: Die Regeln sind teils so unterschiedlich, für einen Betrieb in Niederösterreich braucht man schon wieder einen eigenen Steuerberater. Einheitliche Regeln und Klarheit wären wirklich gut.“
Kathrin Großschedl (41) vom Gasthof Großschedl „Zum Brauhaus“ in Hartberg: „Das Trinkgeld ist ein wichtiger Bestandteil des Arbeitens in der Gastronomie. Es ist quasi die Wertschätzung des Gastes für den Mitarbeiter. Deshalb ist eine Abgabe auf Trinkgeld für mich auch ein No-Go, denn es ist eine freiwillige Zuwendung des Gastes und nicht Bestandteil des Gehaltes.“
Rastislav Hirner, Kellner im Gösserbräu Leoben: „Ich bin seit über 26 Jahren in der Gastronomie tätig und habe in vier verschiedenen Ländern gearbeitet. Wir leben vom Trinkgeld. Dieses Geld ist in anderen Branchen bereits im Lohn enthalten, wir bekommen auch keine Wochenend- oder Feiertagszuschläge. Außerdem bemühen wir uns um das Trinkgeld. Ich verstehe nicht, wieso hier eine Abgabe eingehoben wird, weil es im Grunde ein Geschenk von einem Gast ist, um zu zeigen, dass man seine Arbeit gut gemacht hat.“
Johanna Gerhold (78) führte 25 Jahre lang das Sportcafé Hannerl Gerhold in St. Peter am Ottersbach: „Man findet ja kaum noch Kellnerinnen und Kellner – wenn auch noch das Trinkgeld mit Abgaben belegt ist, wird das nicht besser. Das betrifft auch viele Mütter, die in Teilzeit arbeiten und das Haushaltsgeld der Familie aufbessern wollen. Ich bin überzeugt, dass solche Maßnahmen das Finanzloch der Republik ohnehin nicht stopfen werden.“
Mario Sašek (23) arbeitet seit Juni 2024 als Restaurantleiter im „Mensch Mayer!“, ehemals Boutique- und Stadthotel „Zur Goldenen Krone“ in Weiz: „Die Gastro ist nicht bekannt für ihren guten Kollektivvertrag. Die Abgabe aufs Trinkgeld ist bei uns ein sehr unbeliebtes Thema und es wird innerhalb des Personals viel darüber diskutiert. In guten Monaten kann man fast schon seine Miete vom Trinkgeld bezahlen.“
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