Das „Schweigen der Lämmer“ schadet nur den Springern selbst
Norwegens unter Verdacht stehende Skispringer werden jetzt von einer Anwaltskanzlei vertreten und lassen den Kampf um ihre Reputation vermissen.
Die letzten Würfel sind gefallen, die Skisprung-Saison überquerte vergangenes Wochenende in Planica die Ziellinie. Die aus heimischer Sicht erfreulichen Fakten sind bekannt: Daniel Tschofenig führte im Gesamtweltcup einen rot-weiß-roten Dreifachsieg an, im Nationencup triumphierte Österreich mit über 3000 Punkten Vorsprung. Trotzdem, der Saison 2024/25 hängt durch den Anzugbetrug der Norweger bei der Heim-WM in Trondheim ein schaler Beigeschmack nach. Und das letzte Kapitel in diesem Drama ist noch lange nicht geschrieben.
Nachdem die FIS am Dienstag bekanntgegeben hat, dass die Suspendierung der fünf norwegischen Weitenjäger Marius Lindvik, Johann Andre Forfang, Robin Pedersen, Kristoffer Sundal und Robert Johansson wieder aufgehoben wurde, wird nun auf das Ergebnis der Untersuchung des WM-Skandals gewartet. Dies kann sich laut internationalem Skiverband allerdings noch Wochen, wenn nicht Monate ziehen.
Unterdessen haben die beschuldigten Athleten einen Rechtsbeistand erhalten, dessen Kosten vom norwegischen Skiverband getragen werden. Und ein Vertreter der Kanzlei „LO Lawyers“ betonte kürzlich gegenüber der norwegischen Zeitung „VG“, dass man sich entschieden habe, die Angelegenheit zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu kommentieren. „Wir und die Athleten wünschen uns Ruhe und Frieden im Ablauf. Der Fall wird von der FIS auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse bearbeitet und entschieden.“ Ein Vorgehen, das freilich Spekulationen nährt – und das nicht zugunsten der Athleten.
Keine Glaubwürdigkeit
Denn eines scheint klar: Hätten Lindvik und Forfang von den manipulierten Anzügen nichts gewusst, würden sie jetzt nicht die Aussage zu den Vorwürfen verweigern, sondern um ihre Reputation und entgangenen Gelder kämpfen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Nachdem das Duo nach Bekanntwerden des Betrugs kurz auf den sozialen Kanälen Stellung bezogen und seine Unschuld beteuert hatte (dass sie es nicht gemerkt hätten, einen manipulierten Anzug zu tragen, wird von sämtlichen Experten kategorisch ausgeschlossen), hüllen sich der Weltmeister auf der Normalschanze (Lindvik) und sein Teamkollege in Schweigen. Eine Tatsache, die ihre Glaubwürdigkeit weiter schwächt.
Doch die engagierten Anwälte beharren auf dem Schweigen ihrer „Lämmer“ und betonen: „Wir wollen kein Spiel mit den Medien. Sobald die FIS ihre Untersuchung abgeschlossen hat, werden wir Stellung nehmen und alle Fragen beantworten“, heißt es in einem E-Mail an die „VG“. Vielleicht meldet sich dann auch Alex Stöckl zu Wort. Der Tiroler trainierte die Norweger bis zum Frühjahr 2024, zieht es allerdings ebenfalls vor, sich nicht zu äußern.