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Jürgen Heil und Manfred Fischer im Gespräch: „... der Hund hat mich umgeschnitten“

Jürgen Heil und Manfred Fischer haben eine kurze, aber intensive gemeinsame Vergangenheit. Heute stehen sie sich im Cup-Halbfinale gegenüber.

Jürgen Heil (links) und Manfred Fischer
© GEPA pictures/ Edgar Eisner
Jürgen Heil (links) und Manfred Fischer
Clemens Ticar

Die Favoritenrolle ist vor dem Cup-Halbfinale geklärt. Fühlt sich jeder wohl in seiner Rolle?

Jürgen Heil: Die Austria ist Favorit, das ist klar. Aber es ist ein Cup-Spiel, es geht in einem Spiel um das Weiterkommen oder Ausscheiden. Da kann immer alles passieren. Und wie vor jedem Spiel gilt: Es muss erst gespielt werden.

Manfred Fischer: Das sehe ich gleich. Sie wissen, dass wir gut drauf sind. Wir wissen, dass sie eine gute Mannschaft haben. Es ist ein Cup-Spiel, es geht in einem Spiel darum, wer in diesen 90 Minuten die bessere Mannschaft ist. Wer an dem Tag seine Leistung besser auf den Platz bringt, wird weiterkommen.

Also keine Rede von Hartberg darf und die Austria muss?

Fischer: Sehe ich gar nicht so. Sie wollen weiterkommen und wir wollen auch ins Finale.

Heil: Sonst müssen wir nicht spielen.

Fischer: Aber ich bleibe da bodenständig, weil jeder schon gesehen hat, was im Cup passieren kann. Der Kleine kann den Großen immer schlagen. Die Austria hat ein Finale gegen Pasching verloren.

Was spricht denn für den jeweils anderen?

Heil: Die Austria ist heuer extrem stabil in ihren Leistungen, auch wenn sie ein nicht so gutes Spiel machen, wissen sie, wie sie die Spiele rüberbringen. Individuell sind sie gut aufgestellt. Und das größte Plus ist, dass sie eine Mannschaft sind, dass sie gemeinsam verteidigen und gemeinsam angreifen. Das Gefühl hatte man in den letzten Jahren nicht, da sind sie extrem gewachsen. Tabellenführer bist du nicht umsonst.

Fischer: Danke für die netten Worte. Ich gebe dir recht, dass es in den letzten Jahren nicht immer so war. Das Team ist heuer unsere größte Stärke, weil jeder weiß, was zu tun ist. Für euch war bitter, dass ihr es nicht gleich in die Top sechs geschafft habt. Eure Mannschaft ist aber gut. Das habe ich zu den Jungs auch schon gesagt, dass das ein Spiel wird, das vor allem am Anfang sehr ausgeglichen sein wird. Ihr werdet uns nix schenken, wir euch auch nicht, darum wird es auf Kleinigkeiten ankommen. Ich erwarte euch defensiver, da müssen wir bereit sein für die Umschalter.

Heil: Wir spielen mit fünf Stürmern. Alles was wir offensiv haben, wird da auf das Feld gelassen.

Fischer: Passt eh. Ist uns eh lieber. Im Ernst: Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, der Spielverlauf wird extrem wichtig sein.

Wenn du Spieler von Hartberg bist, hast du nicht so oft die Chance, einen Titel in der Bundesliga oder im Cup zu gewinnen. Das ist deshalb nicht jeden Tag in meinem Kopf drinnen.

— Jürgen Heil, Hartberg-Kapitän

Wie geht man als Kapitän damit um, dass es möglicherweise einen Titel gibt. Übt man das Stemmen einer Trophäe vor dem Spiegel?

Heil: Wir haben mit Christian Ilzer in Hartberg gemeinsam einen Trainer gehabt, der uns das schon in den Kopf gesetzt hat in der Kraftkammer. So werden wir am Ende der Saison den Meistertitel in die Höhe stemmen. Wenn du Spieler von Hartberg bist, hast du nicht so oft die Chance, einen Titel in der Bundesliga oder im Cup zu gewinnen. Das ist deshalb nicht jeden Tag in meinem Kopf drinnen.

Die Austria hat zwei Chancen heuer.

Fischer: Aber die sind schneller vorbei, als du glaubst. Es geht immer um die 90 Minuten, es ist eh immer das Gleiche. Du musst die 90 Minuten bestreiten, als wären es deine letzten. In der Liga sind es noch neun Spiele, das ist extrem viel, da kann noch viel passieren. Ich würde lügen, wenn ich nicht sage, dass es richtig cool wäre, wenn wir heuer was zusammenbringen.

Herr Heil, war Ihr Titel in der Regionalliga etwas Besonderes oder einfach etwas zum Mitnehmen am Weg in den Profifußball?

Heil: Das war schon was Besonderes. Das war für mich der Einstieg in den Profifußball, ich werde das nie vergessen. Ebenso, in der zweiten Liga spielen zu dürfen. Wir haben beide einen sehr ungewöhnlichen Werdegang gehabt. Dann zu wissen, in den Profifußball hineinzuschnuppern, war wichtig und richtig cool.

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2015 in der Regionalliga: Jürgen Heil und Hartberg-Trainer Christian Ilzer
2015 in der Regionalliga: Jürgen Heil und Hartberg-Trainer Christian Ilzer © GEPA pictures/ David Rodriguez

Ich habe mich damals nie als Stammspieler gesehen, weil ich gewusst habe, wenn ich nicht so tu, dann bist du da. Und du hast ja immer gut gespielt, wenn du reingekommen bist.

— Manfred Fischer, über Jürgen Heil und das gemeinsame Jahr in Hartberg

Habt ihr euch gegenseitig die Karrieren zugetraut?

Heil: Wir haben in Hartberg auf der gleichen Position gespielt. Im Herbst haben wir uns noch abgewechselt, im Frühjahr war er den Schritt weiter. Man hat damals schon gesehen, dass er fußballerisch top ist. Er war auch schon immer Vollprofi, das hat sich bei mir erst über die Jahre entwickelt. Ich habe das noch lockerer genommen und reinwachsen müssen. Der Profifußball war bei mir nicht präsent, ich habe geglaubt, das ist weit weg. Beim Mandi hast du das gemerkt, dass er seinen Weg machen wird.

Fischer: Ich werde da gelobt, das taugt mir. Ich erinnere mich gerne an die Zeit in Hartberg zurück. Das wird mir extrem in Erinnerung bleiben. Da haben wir gesehen, wie wichtig eine gute Truppe ist. Wir sind ja reingestartet mit der Mission, dass wir nicht absteigen. Dass wir mit der Mannschaft in die Bundesliga gegangen sind, ist richtig cool. Die Konkurrenzsituation war damals wichtig. Ich habe oft drüber nachgedacht, weil wir uns ja eigentlich gut verstanden haben, es ist halt immer um den einen Platz in der Startelf gegangen. Jeder wollte spielen, keiner lässt nach.

Heil: Wir waren beide extrem ehrgeizig.

Fischer: Das Jahr war für mich extrem wichtig. Ich habe gesehen, ich muss immer Gas geben, weil da ist einer hinter mir, der will auch spielen und er macht es mir nicht leicht. Ich habe mich damals nie als Stammspieler gesehen, weil ich gewusst habe, wenn ich nicht so performe, dann bist du da. Und du hast ja immer gut gespielt, wenn du reingekommen bist.

Wer weiß, ob er den Platz wieder hergegeben hätte. . .

Fischer: Eben. Es geht so schnell. Je weiter du rauf kommst, desto härter wird es. In Hartberg war das damals ja eine gemütlichere Partie, das hat uns ja auch ausgezeichnet.

Heil: Absolut. Aber irgendwann geht das halt nicht mehr. Man verliert über die Jahre Typen und das ändert sich alles. Gewisse Dinge entwickeln sich und da habe ich mich mitentwickelt, sonst bleibst du irgendwann über. Markus Schopp hat da in Hartberg sehr viel vorangetrieben und wenn ich da nicht mitgezogen hätte, wär sich das über kurz oder lang einfach nicht mehr ausgegangen.

Christian Ilzer hat im Aufstiegsjahr das „Lockere“ zugelassen?

Heil: Zugelassen ist das falsche Wort. Der Kern der Mannschaft war einfach so stark. Es war klar, wenn am Wochenende Match ist, wird gefahren. Es waren aber viele Lebemenschen in der Mannschaft. Wenn du denen gesagt hättest, dass er am Wochenende nicht ausgehen darf, hätten sie nicht mitgezogen. Der Chris ist ein sehr schlauer Mensch und hat das gemerkt. Wenn ich ihnen das und das verbiete, dann geht er nicht durchs Feuer für mich. Wenn er länger geblieben wäre, hätte sich das auch geändert.

War diese Karriere von Christian Ilzer vorhersehbar?

Heil: Da hat es nie zwei Meinungen gegeben.

Fischer: Er hat so ein klares Bild vom Erfolg gehabt. Zum Profi bin ich erst in Hartberg geworden, weil ich einen Trainer gehabt habe, der das vorgelebt hat. Er hat immer gesagt, wenn du den nächsten Schritt machen willst, musst du mehr tun, als die anderen. Sonst wäre es ja auch nicht so weitergegangen in Hartberg. Er hat die Basis geschaffen, um in Hartberg erfolgreich zu sein.

Heil: Ich glaube einfach, dass es da angefangen hat, dass der Verein für etwas steht. Da sehe auch ich meine Aufgabe, das weiterzuverbreiten. Wir haben jedes Jahr eine Fluktuation an Spielern, die für einen Bundesligisten zu groß ist. Aber was bedeutet der Verein? Wofür soll er stehen? Das versuche ich weiterzugeben. Da hat es Charaktere gegeben, die das geprägt haben. Gewisse Dinge nehme ich aus der Zeit damals noch mit, gewisse Dinge aus der Zeit danach und die versuche ich weiterzugeben.

Wenn ich seine fußballerische Klasse, seine Technik auch noch hätte, wäre ich ein Guter.

— Jürgen Heil, über Manfred Fischer

Zum Abschluss: Wenn ihr euch vom anderen eine fußballerische Fähigkeit aussuchen dürftet – und wenn es nur für das Cup-Halbfinale wäre – was würdet ihr nehmen?

Heil: Wenn ich seine fußballerische Klasse, seine Technik auch noch hätte, wäre ich ein Guter.

Fischer: Wenn er im Zweikampf drinnen ist, ist es extrem eklig gegen ihn zu spielen. Ich werde das nie vergessen! Wir haben mit Altach in Hartberg gespielt, der Hund hat mich umgeschnitten. Ich hab mir nur gedacht: „Hey Kollege, wir haben letztes Jahr einen unglaublichen Erfolg gemeinsam gehabt und du haust mich aus die Böck raus“. Er gibt immer alles für seine Truppe und die Leute brauchst du in deiner Mannschaft. Das macht der Heili und deswegen ist er so wichtig für Mannschaft und Verein. Ein verdienter Kapitän.

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