FIS engagierte unabhängige Ermittler, Stöckl schweigt
Unter der dunklen Wolke des Anzugbetrugs der Norweger geht es ab Donnerstag in Lahti mit dem Weltcup weiter.
Die Skisprung-Saison der Männer nähert sich langsam der Ziellinie, die Frauen überqueren diese bereits heute und Freitag in Lahti mit ihren zwei finalen Wettkämpfen. Mit dabei sind Lisa Eder, Eva Pinkelnig, Jacqueline Seifriedsberger und Julia Mühlbacher. Auf dem Spiel steht für das Quartett von Cheftrainer Bernhard Metzler noch ein starkes individuelles Abschneiden sowie die Chance, im Nationencup an den zweitplatzierten Norwegerinnen vorbeizuziehen. Der Gesamtsieg ist Slowenien nicht mehr zu nehmen, auch der Triumph von Nika Prevc im Gesamtweltcup steht bereits fest.
Bei den Männern ist der Kampf um die große Kugel noch nicht entschieden – in Lahti stehen ein Einzel (Samstag)- sowie ein Super-Team-Wettkampf (Sonntag) auf dem Programm. Anschließend wartet ab 27. März noch das Weltcupfinale in Planica mit zwei Einzel-Konkurrenzen und einem Teambewerb. Die Ausgangslage im Gesamtweltcup: Daniel Tschofenigs Vorsprung auf Verfolger Jan Hörl ist bis auf 94 Punkte geschmolzen, ein packender Schlusssprint ist vorprogrammiert. Im Nationencup könnte Österreich (7232 Punkte) den Vorsprung auf Verfolger Norwegen (3757) sogar noch verdoppeln.
„Quest One“ ermittelt
Apropos Norwegen – über dem Saison-Kehraus schwebt freilich noch immer die dunkle Wolke des Materialbetrugs der „Wikinger“ bei der WM in Trondheim. Nach den kurzfristig geänderten Anzugregeln (nur noch eine „zweite Haut“ ist pro Athleten erlaubt und darf erst 30 Minuten vor und höchstens 30 Minuten nach dem Wettkampf verwendet werden) gräbt die FIS nach wie vor nach Erkenntnissen, um den gesamten Umfang des Betrugs sowie dessen Strippenzieher zutage zu fördern. Dafür hat der internationale Skiverband laut „Spiegel“-Informationen auch unabhängige „Fahnder“ engagiert – und zwar „Quest One“. Die deutsche Firma ist darauf spezialisiert, Unregelmäßigkeiten in Organisationen aufzuspüren und unterstützt das Ethik- und Compliance-Büro des Weltverbandes schon länger.
Bei diesen Untersuchungen werden auch ehemalige Funktionäre des norwegischen Skisprung-Teams ins Visier geraten. Allen voran der ehemalige Sportdirektor Brede Brathen sowie Ex-Cheftrainer Alex Stöckl. Der Tiroler hatte seine Tätigkeit bei den Skandinaviern 2011 aufgenommen, wie bei Brathen erfolgte die Trennung im Frühjahr 2024. Beide kommen schon aufgrund der Betrugsgeständnisse des Ex-Springer-Trios Johan Remen Evensen, Anders Jacobsen und Daniel-André Tande mit dem Skandal in Berührung, passierten diese Vorfälle doch während deren Amtszeit. Sowohl Stöckl, der Mitte Februar als Sportdirektor des polnischen Skisprungverbandes zurückgetreten ist, als auch Brathen wollen sich jedoch weder zu möglichen Betrugsfällen während ihrer aktiven Zeit als Betreuer, noch zu den Vorkommnissen in Trondheim äußern. „Ich bitte um Respekt, dass ich jetzt eine Privatperson bin und weitermachen möchte“, verlautbarte Stöckl.