Matthieu Delaporte: „Monte Christo hat etwas Zeitloses“
Matthieu Delaporte verfilmte „Der Graf von Monte Christo“ neu. Österreich-Start des zeitlosen Werkes am 23. Jänner.
Fast 180 Jahre ist es her, dass Alexandre Dumas seinen Roman „Der Graf von Monte Christo“ veröffentlicht hat. Zahlreiche Verfilmungen später berührt die Geschichte rund um den rachesuchenden Edmond Dantès immer noch. Das französische Drehbuchautoren-Duo Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière hat sich nun den historischen Stoff vorgenommen. Die beiden haben bereits Erfahrung mit Dumas‘ Werk, sie haben auch das Buch für die zweiteilige Neuverfilmung von „Die drei Musketiere“ geschrieben, die 2023 vor allem in Frankreich Wellen schlug. Bei „Monte Christo“ führten sie nun auch erstmals Regie. Der Film feierte vergangenen Sommer bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere und hat seitdem in Frankreich Besucherrekorde gebrochen. In Österreich startet er am 23. Jänner. Mit der Kleinen Zeitung hat Matthieu Delaporte über die Faszination von Monte Christo gesprochen.
Warum braucht es heute „Monte Christo“? Was erzählt uns diese Geschichte über die heutige Gesellschaft?
Matthieu Delaporte: Monte Christo hat etwas Zeitloses. Er kann überall spielen, er kann in jedem Land spielen. Es ist ein großartiges Buch, das großartige Figuren geschaffen hat. Aber das Problem von Rache, von Gerechtigkeit, von Selbstjustiz ist etwas, mit dem sich jeder identifizieren kann. Wenn man dir dein Leben, deine Liebste und deinen Vater genommen hat, dann ist dieser Wunsch nach Rache sehr verständlich. Die Sache ist nur, wenn du Selbstjustiz ausübst, fängst du an, deinen Feinden zu ähneln. Das heißt, viele Themen, viele Problematiken, die in dem Buch behandelt werden, sind noch heute aktuell.
Zur Person
Matthieu Delaporte (53) ist Theater-, TV- und Filmregisseur sowie Drehbuchautor. Delaporte schrieb bereits für den französischen Film „Die drei Musketiere“ aus dem Jahr 2023 das Drehbuch.
Sie haben auch „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas verfilmt. Was interessiert Sie an diesen klassischen Stoffen?
Es sind Bücher, in denen es viele dramatische Elemente gibt, Themen wie Krieg, Tod, Leben, Rache. Das ist natürlich toller Stoff für einen Drehbuchautor. Die Zeiten, in denen wir heute leben, sind zwar noch konfuser und vielschichtiger, aber genau deshalb ist es auch wieder Zeit für große Gefühle. So etwas wie Ungerechtigkeit oder die Frage nach Leben und Tod beschäftigt uns. Die Bücher haben so starke Themen, dass sie sich etwas Mythologisches erarbeitet haben im Laufe der Jahre und sich immer wieder adaptieren lassen.

Können die Franzosen das besser umsetzen als große Hollywood-Produktionen?
Wenn Hollywood Monte Christo verfilmt hat, dann war sehr oft ein Happy End dabei. Am Ende ist alles nochmal gut ausgegangen. Aber Monte Christo ist eine sehr düstere Figur, die gleichzeitig eben auch romantisch ist. Das Ende ist sehr tragisch und ernst, weil Monte Christo klar wird, dass er die Liebe, die er verloren hat, nie wieder erlangen kann. Auch wenn er diese Frau immer noch liebt und er alle seine Gegner töten kann, die Liebe kann er nicht noch einmal mit ihr ausleben. Das hat etwas sehr Tragisches und trotzdem auch etwas sehr Schönes. Deswegen bietet sich ein Happy End für diesen Stoff einfach nicht an, das ist ein totaler Widerspruch zum Roman.
Was bei diesem Film auffällt, sind die beeindruckenden Sets und Drehorte. Wo haben Sie vor allem gedreht?
80 Prozent des Films sind in Frankreich an echten Drehorten entstanden, nicht im Studio. Eine Woche haben wir auf Malta gedreht, wo wir den Hafen von Marseille nachgebaut haben. Dort sieht der Hafen aus wie der von Marseille vor 200 Jahren. Aber die meisten Drehorte waren in der Pariser Umgebung und im Süden Frankreichs. Die Sonne des Südens abzubilden, war uns sehr wichtig. Wir hatten sicher über 80 Drehorte. Wir mussten auch den Reichtum der Welt von Monte Christo nachbilden, das gelang uns vor allem mit seinem Schloss, für das wir verschiedenste Schlösser zusammengesetzt haben.


