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Rainhard Fendrich war „noch nie so besorgt um Demokratie“

Im Interview mit der „Zeit“ sagt der Musiker, die Zeile „Ich steh’ zu dir bei Licht und Schatten“ gelte gerade mehr denn je. Das Wort „Remigration“ sei menschenverachtend.

© IMAGO/Robert Schmiegelt

Eine Reihe von Kunstschaffenden hat bereits ihre Bedenken zu einem möglichen FPÖ-Bundeskanzler Herbert Kickl durchklingen lassen. Austropop-Legende Rainhard Fendrich sprach jetzt anlässlich seines 70. Geburtstags, der Ende Februar ansteht, mit der deutschen „Zeit“ über die politischen Umwälzungen in seinem Heimatland.

Fendrich, der Ende Jänner sein neues Studioalbum „Nur ein Wimpernschlag“ veröffentlichen wird, beschäftigt sich der „Macho, Macho“-Sänger in seinen neueren Texten mit politisch brisanten Themen wie Migration, Klimakrise oder Populismus. Vor wenigen Tagen kam seine neueste Singleauskopplung „Warteschleife“ heraus.

Gräben zuschütten statt aufreißen

Scharf geht der Musiker mit FPÖ-Chef Kickl ins Gericht: „Ich war ehrlich noch nie so besorgt um unsere Demokratie wie jetzt“, sagt Fendrich. Es brauche einen Kanzler, der Gräben schließt statt einem, der sie weiter aufreißt. Einige Künstlerkollegen hätten Angst, sich politisch zu äußern.

„Ich möchte nicht daran glauben, dass 30 Prozent der Österreicher rechtsnational sind“, so Fendrich gegenüber der „Zeit“. Das Erstarken rechter Parteien in ganz Europa führt er auf ein „Versagen der ehemaligen Großparteien und der vergangenen Regierungen“ zurück, die Menschen seien unzufrieden.

Österreich sei wieder das „Naziland“

„I am from Austria“ mit der berühmten Zeile „Die Dummheit, die zum Himmel schreit“ hat Fendrich einst als Antwort auf die Waldheim-Affäre geschrieben. „Alle Österreicher galten plötzlich als Nazis“, erinnert sich Fendrich, „jetzt sind wir noch einmal an diesem Punkt: Österreich ist wieder das Naziland“. Der Auszug „Ich steh zu dir bei Licht und Schatten“ gelte jetzt erst recht.

Das Wort „Remigration“, das bei der FPÖ mittlerweile salonfähig ist, bezeichnet Fendrich im Zeit-Interview als „menschenverachtend, herzlos und unreflektiert“. Ohne Ausländer würden in Österreich „kein Spital mehr, kein Pflegeheim, keine Gastronomie“ funktionieren, ist der Musiker überzeugt. „Ich hätte mir nie gedacht, dass es so viele Putin-Freunde gibt“, spielt Fendrich etwa auf die Billigung von günstigen Gaslieferungen aus Russland an.

Fendrich schildert außerdem das angespannte Verhältnis zu seinem Vater. Dieser habe „nicht erzogen, sondern geherrscht“. „Mein Sohn ist ein Trottel. Der Rainhard kann nichts“, soll er gesagt haben. Darum sei er mit 17 ausgezogen.

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