„Er ist keine Heuschrecke“: Das bedeutet KTM-Insolvenz für Pierers Heimatregion Aflenz
Stefan Pierer und KTM befinden sich derzeit in der Krise. In Aflenz, wo der Milliardär viel investierte, beobachtet man die Entwicklungen nicht ganz ohne Anspannung.
KTM und Stefan Pierer stecken tief in der Krise. Wie berichtet, hat das oberösterreichische Motorradunternehmen mit zwei Tochtergesellschaften am Freitag einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt – die Verbindlichkeiten betragen 2,9 Milliarden Euro. Ein Umstand, der nicht nur am Firmenstandort in Mattighofen, sondern auch im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag für Aufsehen sorgt.
Denn dort wurde Pierer geboren und wuchs im beschaulichen Etmißl, heute Teil der Gemeinde Thörl, auf. In den vergangenen Jahren hinterließ der Industrielle insbesondere in der Nachbargemeinde Aflenz seine Spuren. So revitalisierte er binnen zwölf Jahren nicht nur in großem Maße mehrere Häuser im Ortskern, sondern erweckte mit der Aflenzer Bürgeralm auch ein Skigebiet aus einem Dornröschenschlaf.
Bürgermeister: „Die Insolvenz ist ihm sicher nicht egal“
Bürgermeister Hubert Lenger beobachtet die derzeitige Situation noch „nicht sehr sorgenvoll, aber doch mit gewisser Anspannung.“ Die Insolvenz tue ihm für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für Pierer persönlich leid: „Das ist ihm sicher nicht egal, er ist keine Heuschrecke“ Im Ort selbst sei die Situation noch entspannt, darauf angesprochen werde er aber immer wieder, auch von Bürgermeisterkollegen.
Ein kurzer Spaziergang durch den Ort bestätigt das: Eine ältere Dame, die gerade ihren Hund ausführt, verortet durchaus eine gewisse Unsicherheit, meint aber im nächsten Satz: „Es wird sicher weitergehen.“ Eine kleine Gruppe, die gerade einige Kinder vom Bus abholt, ist sich unsicher, inwieweit sich die KTM-Insolvenz in Aflenz niederschlagen könnte: „Man muss jetzt mal abwarten. Wir können eh nicht viel tun“, meinen sie.
Entwarnung von Pierers rechter Hand
Entwarnung gibt es auch von Günther Essenko, der in der Region als Pierers rechte Hand agiert: „Bei uns ist das ähnlich wie bei Pankl, alles, was im Immobilienbereich ist, macht Stefan Pierer privat.“ Konkret laufen die Geschäfte in Aflenz über die LiA GmbH, als Geschäftsführer agieren Essenko und Clemens Pierer (Anm. Stefan Pierers Sohn).
Die Bauarbeiten an aktuellen Projekten, wie der Umbau des Gasthof „Schwarzer Adler“, würden weiter laufen, im Herbst 2025 soll dort eröffnet werden. „Die Bürgeralm geht auch auf, sobald wir Schnee bekommen“, sagt Essenko. Er habe erst am Montag mit Pierer telefoniert. Anzeichen, dass sich in Aflenz etwas ändert, habe es nicht gegeben.

Auch Bürgermeister Lenger geht davon aus, dass sich durch die Insolvenz für Aflenz nichts ändert. Pierer sei für die Gemeinde ein „irsinnig wichtiger Investor“, durch dessen Wohnprojekte man auch der Abwanderung entgegenwirken kann. Zwar entstehe dadurch natürlich eine gewisse Abhängigkeit vom Milliardär, „ich halte aber auch niemand anderen davon ab, zu investieren“, meint Lenger. Ohnehin sei Pierer ein verlässlicher Partner, und die Investments „keine windige Geschichte“, so Lenger.


