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Kahr verschärft die Kontrolle bei Airbnb-Vermietungen

Immer mehr Wohnungen im Grazer Zentrum werden für Kurzzeitvermietung genutzt. Das verschärft laut Bürgermeisterin Kahr die Lage am Mietmarkt: „Airbnb darf kein Geschäftsmodell mehr sein.“

Rund 1000 Grazer Wohnungen sind derzeit auf Airbnb zu finden. Bürgermeisterin Elke Kahr wird die Kontrolle verschärfen
© J. Fuchs, St. Pajman, S. Weidinger
Rund 1000 Grazer Wohnungen sind derzeit auf Airbnb zu finden. Bürgermeisterin Elke Kahr wird die Kontrolle verschärfen
Gerald Winter-Pölsler
Stv. Leiter Steiermark-Ressort

Zentrale Lage, schönes historisches Haus mitten in einer schmalen Gasse in der Grazer Altstadt. Herr B. ist mittlerweile der einzige reguläre Mieter im ganzen Haus. Der Rest? Ist auf Airbnb zu finden. Zwischen 80 und 130 Euro und mehr pro Nacht werden auf dieser Onlineplattform Wohnungen für Touristen zur Kurzzeitvermietung angeboten. Jetzt hat Herr B. Angst, dass die Eigentümer ihn hinausdrängen wollen, um auch diese letzte Wohnung im Haus noch auf Airbnb anbieten zu können. Für ganz Graz listet Airbnb aktuell rund 1000 Angebote.

„Das ist ein Grundübel solcher Plattformen“, sagt Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). „Jede einzelne Wohnung, die dem Mietmarkt so entzogen wird, tut weh, gerade in der Altstadt, wo es ja die Richtwertmieten gibt. Das ist eine wohnpolitisch schlechte Entwicklung, die man eindämmen muss.“ Je weniger Wohnungen am Markt seien, desto höher seien auch die Preise. „Das geht dann so weit, dass manche für 28 Quadratmeter im Zentrum 1300 Euro Miete verlangen“, schüttelt Kahr den Kopf.

Airbnb und der Kampf der Städte gegen die hohe Dunkelziffer

Freilich, Graz ist nicht alleine mit dem Problem. Andere Städte wie Barcelona, Amsterdam oder Wien trifft das viel stärker, auch Innsbruck und Salzburg haben damit zu kämpfen. Was die Sache so schwierig macht: Es gibt keine zuverlässigen Daten, wie viele Wohnungen wirklich auf Plattformen wie Airbnb angeboten werden – und vor allem, wer die Vermieter dahinter sind. Dabei ist rechtlich eigentlich alles klar geregelt. Die Stadt bietet auch eine Infobroschüre an, wo alle Informationen zusammengefasst sind: Wer darf überhaupt an Touristen vermieten, was gilt es zu beachten, wie bezahle ich die Nächtigungsabgabe und anderes mehr.

Wir müssen das Vermieten an Touristen so unattraktiv wie möglich machen, damit es für Private kein Geschäftsmodell ist.

— Elke Kahr, Bürgermeisterin in Graz (KPÖ)

Das Problem ist die Kontrolle. „Das ist ein irrer Aufwand“, schnauft auch Stadtrat Manfred Eber (KPÖ), der für die Gemeindeabgaben zuständig ist. Man sei oft auf Meldungen von Nachbarn angewiesen, um tätig werden zu können. Und die Eigentümer auszuforschen, ist ein langwieriger Prozess.

Salzburg hat eine eigene Meldestelle eingerichtet, Innsbruck setzt auf KI

Auch da ist Graz nicht alleine, wie GrazTourismus-Chef Dieter Hardt-Stremayr weiß. Salzburg etwa hat eine Meldestelle eingerichtet, die von manchen als Denunziationshotline bezeichnet wird, Innsbruck scannt die Angebote auf der Plattform mit Künstlicher Intelligenz, um über die Fotos herauszufinden, wo die Wohnungen genau sind. Faustregel: Jene, die mit dem Ausblick aus der Wohnung werben, halten sich an die Regeln. „Das sind aber nur rund 20 Prozent aller Anbieter“, schätzt Hardt-Stremayr. Weitere „grobe Schätzung“: 150.000 bis 180.000 Nächtigungen pro Jahr erzielt Graz über Airbnb-Buchungen. „Genau wissen wir es nicht, weil die Dunkelziffer so hoch ist.“ Die offizielle Statistik spuckt für Graz für 2023 insgesamt knapp 1,3 Millionen Nächtigungen aus.

Interview mit Tourismus-Chef Hardt-Stremayr

Herr Hardt-Stremayr, sind Airbnb und ähnliche Plattformen für Graz ein Problem?
Es ist jedenfalls ein Thema, weil die Dunkelziffer so hoch ist. 20 Prozent machen ihre Angebote blitzsauber, aber wohl 80 Prozent leider nicht.

Woran liegt das?
Die Plattformen haben zwar eine Meldepflicht ans Finanzministerium, aber die Kontrolle ist einfach schwierig. Das Thema ist auch beim Städtebund längst angekommen, alle Städte kämpfen damit.

Womit genau?
Es ist ein grobes Verzerren des Wettbewerbs. Während sich die Hoteliers an im Schnitt 236 Auflagen halten müssen, sind es bei solchen Plattformen 14. Und viele umgehen eben die Regeln, zahlen keine Steuern und keine Nächtigungsabgaben.

Umgekehrt gefragt: Wäre Graz auf Airbnb nicht präsent, was wäre damit gewonnen?
Nichts. Wenn ich als Tourismusdestination dort nicht vorkomme, dann müssten wir uns größte Sorgen um unsere Attraktivität machen. Aktuell sind es rund 1000 Angebote auf Airbnb aus Graz, das ist in etwa gleich viel wie Salzburg, die uns bei Nächtigungszahlen ja weit voraus sind. Linz hingegen hat derzeit rund 230 Angebote. Und für Wertschöpfung sorgen auch Airbnb-Touristen.

Bürgermeisterin Kahr startet nun eine Art Aktion scharf gegen Plattformen wie Airbnb. Teils sind es Forderungen ans Land, in einem Punkt hat die Stadt selbst einen Hebel. Das Land müsse „in der Raumordnung festschreiben, dass die Kurzzeitvermietung ohne ordentliche Anmeldung strafbar ist“, so Kahr. Die bestehenden Strafen (250 Euro) sind aus ihrer Sicht zu gering, Wien verlangt 5000 Euro. Dazu sollte es eine Obergrenze geben: „Wie in Wien, dass man maximal 90 Tage im Jahr an Touristen vermieten darf. Besser wären 60.“ Das werde man an die nächste Landesregierung herantragen.

Kahr: „Der Grundgedanke von Airbnb war ja ganz ein anderer“

Hardt-Stremayr warnt allerdings vor zu großen Hoffnungen. „In Wien sind aktuell 67 Prozent aller Angebote über der 90-Tages-Grenze.“ Was wieder zu dem Punkt führt: Ohne Kontrolle helfen alle Regeln wenig. Und dort will Kahr nun ansetzen: „Wir werden die Abteilung für Gemeindeabgaben personell verstärken.“ Speziell „in den Kernurlaubszeiten“ sollen Leute befristet für intensive Kontrollen angestellt werden, „das können auch Studenten sein“, so Stadtrat Eber.

Das Ziel der Stadt: „Wir müssen das Vermieten an Touristen so unattraktiv wie möglich machen, damit es für Private kein Geschäftsmodell ist. Der Grundgedanke hinter Airbnb war ja ganz ein anderer“, so Kahr. Da ging es um WG-Zimmer oder darum, die eigenen vier Wände für kurze Zeit anderen zu überlassen, etwa, wenn man selbst nicht zu Hause war. Das ist heute die absolute Ausnahme, längst haben gewerbliche Anbieter das Modell für sich entdeckt.

Wenn die sich an die Regeln halten, hält das Tourismuschef Hardt-Stremayr auch für legitim. Wäre da nicht die hohe Dunkelziffer. Leichte Hoffnung macht ihm eine EU-Verordnung, nach der Behörden deutlich leichter Zugriff auf die Plattform-Daten bekommen sollen. Aber wohl erst ab 2026.

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