Klimawandel macht extremen Regen doppelt so wahrscheinlich
Neue Studie beleuchtet jüngstes Hochwasser und was Klimawandel mit Extremwetter zu tun hat. Ein Forscher erklärt.
Ein extremes Hochwasser liegt hinter uns. Es war der stärkste bisher erfasste Vier-Tage-Regen in Mitteleuropa, das ergibt eine Studie der Wissenschafter-Initiative World Weather Attribution. Sie sind Co-Autor. Was haben Sie noch herausgefunden?
Klaus Haslinger: Durch den Klimawandel steigt die Intensität der Niederschläge. Sieht man sich die Wetterlage an, die wir beim jüngsten Hochwasser hatten, dann ist die Regenmenge durch den menschengemachten Klimawandel in Mitteleuropa im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um zumindest sieben Prozent und um bis zu 20 Prozent gestiegen.
Eines der Totschlagargumente ist: Solche Ereignisse gab es immer schon. Was entgegnen Sie?
Ich sage: Ja, aber. Denn es stimmt, es hat in der Historie schon katastrophale Ereignisse gegeben. Solche Wetterlagen wie zuletzt würde es auch ohne den Klimawandel geben und es würde bei kühlerem Klima genauso zu Hochwasser kommen. Aber: Die Intensität und die Ausprägung der Wetterlage sind durch den Klimawandel stärker, die Regenmassen intensiver. Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchte kann sie aufnehmen, die als Regen herunterkommen kann. Es wird also öfters einmal kritisch werden. Grundsätzlich hat die Studie ergeben: Der Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit für ein großräumiges Hochwasser verdoppelt.
Was kommt noch auf uns zu?
Wir werden nicht alle zehn Jahre mit extremen Hochwassern rechnen müssen, aber das Risiko wird einfach weiter steigen, es wird zunehmend Thema werden. Auch weil – das kommt noch dazu: Die Flüsse haben durch die Regulierungen heute viel weniger Platz als noch vor Jahrhunderten. Und es gibt generell mehr Bauten, die Schaden nehmen können.
Wie sind wir gerüstet?
Was wir an Hochwasserschutz in Österreich haben, funktioniert gut. Auch die Vorhersagen waren treffsicher. Es ist diesmal weniger passiert als bei den Überflutungen 2002 (Anm.: damals 232 Tote in Mitteleuropa, bei dem jüngsten Hochwasser 24). Am Kamp hat man etwa Maßnahmen getroffen, nachdem in der Vergangenheit viel passiert ist, das hat gewirkt. Das heißt aber nicht, dass wir uns zurücklehnen können. Wir müssen weiter evaluieren und handeln. Bei vielen kleineren Nebenflüssen muss man sich was überlegen. Und zwar nicht nur anlassbezogen. So viel zur Anpassung. Aber es geht natürlich auch um die Minimierung des menschengemachten Klimawandels, also darum, weniger Treibhausgase zu emittieren, das kann Österreich nicht alleine schaffen.
Wie steht es um Ihre Hoffnung?
Wir können das schon schaffen. Wenn wir uns anpassen und viele Maßnahmen umsetzen. Wir müssen uns aber jedenfalls auf Veränderungen einstellen, die unangenehm sind und wir müssen unsere tagtäglichen Handlungen hinterfragen.
