Energiezukunft gestalten
In Österreich wird bereits mehr als 80 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Das ist gut – aber noch nicht gut genug. Um die Klimaziele zu erreichen und Österreichs Energieversorgung auch in Zukunft zuverlässig und wettbewerbsfähig aufzustellen, braucht es mehr.

Im Bereich der Stromerzeugung kann Österreich auf eine beeindruckende Bilanz verweisen: Im vergangenen Jahr wurden mehr als zwei Gigawatt Photovoltaik ins Netz integriert. Rund 1.400 Windkraftanlagen können bereits heute rechnerisch die Hälfte der österreichischen Haushalte mit Strom versorgen. Unsere nach wie vor wichtigste Energiequelle ist aber weiterhin die Wasserkraft. Aus dieser Quelle stammen etwa 60 Prozent unseres Stroms. Trotzdem stehen wir vor einer Herausforderung: Um das ambitionierte Ziel der österreichischen Bundesregierung – Klimaneutralität bis 2040 – zu erreichen, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien in Österreich weiter intensiviert und gleichzeitig das gesamte System bei laufendem Betrieb umgebaut werden. Die erneuerbare Stromerzeugung muss sich dafür verdoppeln, die Leistung der Kraftwerke verdreifachen.
Die Politik hat in der aktuellen Legislaturperiode dafür viele wichtige Gesetze auf den Weg gebracht – weitere Vorhaben, etwa das Elektrizitätswirtschaftsgesetz oder das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz, warten aber noch auf die Umsetzung. Auch wenn die Branche hier dringend Weichenstellungen brauchen würde – die österreichischen Energieunternehmen treiben den Ausbau der erneuerbaren Energien bereits jetzt konsequent voran. Um auch künftig eine sichere Stromversorgung zu ermöglichen, investiert die E-Wirtschaft zudem umfassend in den Ausbau der Netze und Speicher.
Ausbau-Turbo an
Strom aus erneuerbaren Quellen hat in Österreich jahrzehntelange Tradition. Durch das Zusammenspiel von Laufwasserkraftwerken und Pumpspeichern gelang es sehr früh, einen großen Teil des Strombedarfs erneuerbar zu decken. Der starke Ausbau schwankender Stromerzeugung aus Wind und Sonne bringt nun aber neue Herausforderungen mit sich: Strom wird immer seltener genau dann produziert, wenn er am meisten benötigt wird.
„Das System der Stromproduktion ist komplexer geworden: weg von großen, stabilen, zentralen Einrichtungen, hin zu vielen kleinen Erzeugern, die auch gleichzeitig Verbraucher sind. Das System zu balancieren wird die größte Herausforderung in der Transformation“, erklärt Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft. Um dieses kleinteiligere und dezentralere System im Gleichgewicht zu halten, müssen Stromnetze ausgebaut, neue Speicher errichtet und auch neue Technologien – etwa im Bereich Wasserstoff – entwickelt werden.
Zudem beginnt sich bereits jetzt abzuzeichnen, dass abseits der etablierten Energieunternehmen künftig auch viele neue Akteure an der Energieversorgung mitwirken werden – von Hausbesitzern mit kleinen PV-Anlagen bis hin zu landwirtschaftlichen Betrieben oder Industrieunternehmen.
E-Wirtschaft gestaltet
Manager und wesentlicher Gestalter dieses neuen Energiesystems wird aber weiterhin die E-Wirtschaft bleiben. Diese Branche, die bereits jetzt mit rund 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 16 Mrd. Euro zur österreichischen Wertschöpfung beiträgt, wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Dass die E-Wirtschaft bei der Errichtung des sicheren, sauberen und leistbaren Energiesystems der Zukunft eine besondere Verantwortung trägt, ist der Branche bewusst. Um für mehr öffentliche Unterstützung bei diesem Thema zu werben, hat sie kürzlich einen „Zukunftspakt für Österreich“ vorgestellt. Im Zentrum dieses Angebots an alle Österreicher steht ein gemeinsames Bekenntnis zur Energietransformation – ein Schulterschluss von Energiewirtschaft, Politik und Bevölkerung. „In den kommenden zwei Jahrzehnten müssen wir unser Energiesystem auf neue Beine stellen“, erklärt Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. „Wir sind bereit für diesen Wandel – damit er gelingen kann, müssen die Weichen aber jetzt gestellt werden. Für eine neue Energieversorgung brauchen wir Bedingungen, die uns einen raschen und tiefgreifenden Umbau des Systems ermöglichen. Geben wir Energie die Priorität, die sie verdient.“
Die Vorschläge der E-Wirtschaft Zukunftspakt für Österreich
Für eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft bietet die E-Wirtschaft den Bürgern und der Politik einen Zukunftspakt an. Damit der Umbau gelingen kann, müssen aber jetzt die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden.
- Klares Bekenntnis zur Transformation Österreich muss die Energieversorgung stärker in die eigenen Hände nehmen und Abhängigkeiten reduzieren. Nur so kann auch künftig eine hohe Versorgungssicherheit und stabile Energiepreise gewährleistet werden.
- Leistbarer Strom aus erneuerbaren Quellen Der rasche Ausbau der Erzeugung ist einer der wichtigsten Hebel bei der Stabilisierung der Strompreise. Dafür braucht es einen funktionalen Rechtsrahmen, zielgerichtete Anreize und genügend Flächen.
- Versorgungssicherheit durch starke Netze, Speicher und Flexibilitäten Das österreichische Stromsystem zählt zu den verlässlichsten der Welt – damit das so bleibt, müssen die Netze umgehend ausgebaut werden.
- Mehr Tempo auf dem Weg in die Energiezukunft Um die Energie- und Klimaziele zu erreichen, braucht es deutlich mehr Tempo bei Genehmigungen und Verfahren.
- Innovative Köpfe und „Moonshot Mindset“ Für das Energiesystem der Zukunft brauchen wir neben etablierten Ansätzen innovative Technologien und zahlreiche Fachkräfte.
- Klare Spielregeln für Kunden und Lieferanten Stromlieferanten brauchen Rechtssicherheit und Stromkunden erwarten sich eine klare und verständliche Kommunikation, attraktive Preise und innovative Angebote.