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Wo Bosnien am schönsten ist

Orientalisches Flair, religiöse Zentren, ein Mix der Kulturen und atemberaubende Natur abseits der Massen. In Bosnien und Herzegowina gibt es weit mehr zu erleben als gemeinhin angenommen.

Tanja Haser
Die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina mit ihren knapp 300.000 Einwohnern ist seit jeher ein bedeutender Schmelztiegel von Volksgruppen, Kulturen und Religionen. Beim Klang des Muezzins, Blick auf Minarette und duftendem Kaffee aus Kupferkännchen hört man den Takt der lebhaften Stadt schlagen. Das Basarviertel Baščaršija sollte für jeden Besucher auf der Prioritätenliste stehen. Am besten schaut man gleich zwei Mal vorbei: einmal tagsüber, um das bunte Treiben zu erleben, und einmal abends, um die Lichter zu bewundern. Im Tunnelmuseum erfahren Interessierte mehr über den Bosnienkrieg und den Schrecken der 1425 Tage andauernden Belagerung der Stadt durch die serbische Armee. Im Zentrum stoßen Besucher immer wieder auf rote Farbspritzer auf dem Boden. Dabei handelt es sich um die sogenannten Rosen von Sarajevo, die markieren, wo ein Mensch in der Zeit der Belagerung durch Schüsse zu Tode gekommen ist.
Von der Innenstadt Sarajevos führt eine Seilbahn auf den Hausberg Trebević. Die Bahn spielte eine wichtige Rolle während der Olympischen Spiele vor 40 Jahren, heute ist sie bei Ausflüglern beliebt und bietet wunderbare Ausblicke auf die Stadt. In der Nähe der Bergstation liegt einer der spektakulärsten Lost-Places Europas. Auf der stillgelegten Bobbahn, die für die Olympischen Winterspiele im Jahre 1984 gebaut wurde, haben sich Graffiti-Künstler ausgetobt. Stück für Stück erobert die Natur den Betonbau zurück. Besucher können Teile der Strecke zu Fuß ablaufen und mitunter großartige Fotomotive finden. An den Trebević schließt direkt der Jahorina-Gebirgszug an. Im Winter schneesicher, bietet das Gebiet mit 17 Liften, 52 Pistenkilometer und einem langen Flutlicht-Hang ein überraschend vielfältiges Skierlebnis. Im Sommer setzt man mit Kletterpark, Zipline, Abenteuerpark und Sommerrodelbahn auf adrenalingeladene Aktivitäten.
Mostar ist das kulturelle und politische Zentrum der Herzegowina. Die Steinbrücke, die hier über die Neretva führt, ist das wahrscheinlich am häufigsten fotografierte Wahrzeichen Bosniens. Von hier stürzen sich immer wieder waghalsige Klippenspringer – mittlerweile bevorzugt gegen Bezahlung von Touristen - in den 20 Meter darunterliegenden Fluss. Die „Alte Brücke“ (Stari Most) wurde während des Jugoslawienkriegs zerstört, seit 1996 rekonstruiert und 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie verbindet den christlichen mit dem muslimischen Teil der Stadt. Bei einem Spaziergang durch die engen Gassen des historischen Zentrums mit den vielen Steinhäusern, Handwerksläden und Cafés fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt.
Das Rauschen wilden Wassers, üppige Grün- und Blautöne, Sonnenlicht, das in der aufgewirbelten Gischt funkelnd bricht: Unweit von Mostar liegt mit den 120 Meter breiten Kravica Wasserfällen eines der schönsten Naturspektakel Bosniens. Längst kein Geheimtipp mehr, sind die Fälle hier dennoch weit weniger stark besucht als jene der Plitvicer Seen und der Krka Wasserfälle im benachbarten Kroatien. Und so ist das Schwimmen im glasklaren Wasser hier noch erlaubt.
Ebenfalls in der Nähe Mostar liegt ein besonders magischer kleiner Platz, der immer öfter die Instagram-Profile der Reise-Influencer erobert. Am Örtchen Blagaj entspringt die Buna, ein Nebenfluss der Neretva, aus einer der größten Karstquellen Europas. Ein osmanischer Wesir soll von dem Ort so fasziniert gewesen sein, dass er ein Derwisch Kloster direkt neben der Quelle errichten ließ. Der Bau wirkt wie an den Felsen geklebt, das wilde Wasser sprudelt kristallklar mit einer Schüttung von bis zu 43.000 Litern pro Sekunde hervor. Weil die Popularität des Ortes durch das Bekanntwerden in den sozialen Netzwerken deutlich zugenommen hat, ist ein Besuch am frühen Morgen zu empfehlen.