Die digitale Chance
Kommunikationsprofi Ursula Maier-Rabler über den digitalen Wandel – und welchen Einfluss dieser auf die Demokratie hat.
Welchen Einfluss hat der Digitale Transformationsprozess auf die Politik, Gesellschaft, Ökonomie und Kultur?
Ursula Maier-Rabler: Als Medium, das heißt als Kommunikationstechnologie verändert die Digitalisierung politische, kulturelle oder private Kommunikation nachhaltig. Als Produktionstechnologie stellt sie die noch vorherrschenden ökonomischen Prinzipien der Industriegesellschaft infrage, dabei bringt sie neue Produktions- und Arbeitsprozesse hervor.
Was sind die Herausforderungen im Digitalen Changeprozess, mit denen kommunale Betriebe sich beschäftigen?
Die eigentliche Chance, die die Digitalisierung für Kommunen bietet, liegt in ihren Grundcharakteristika: Vernetzung und Partizipation. Gerade in Zeiten fortschreitender Demokratiemüdigkeit und -verdrossenheit haben Gemeinden als Keimzellen der Demokratie, die Verpflichtung digitale Technologien zur Vernetzung von Menschen und zur Partizipation der Bürger:innen an gemeindepolitischen Entscheidungen zu nützen. Denn genau so, wie die Digitalisierung zur Gefährdung von Demokratie führt (Stichworte Social Media, Fake News, Filter Bubbles etc.), kann Digitalisierung zur leichteren Bürgerbeteiligung führen. Diese Prozesse tragen zu einer Förderung positiver Demokratieerfahrungen bei.
Man hat das Gefühl, dass im kommunalen Bereich die Digitalisierung hinterher hängt. Teilen Sie diese Meinung?
In vielen Kommunen wird unter digitaler Transformation fast ausschließlich die Digitalisierung der Gemeindeverwaltung und die Implementierung simpler eGovernment-Anwendungen verstanden. Das ist aber lediglich der Anfang. Gemeinden haben auch die Aufgabe, ihren Bürger:innen sowohl eine konkurrenzfähige Infrastruktur (Netzanbindung) als auch die Möglichkeit zum Erwerb digitaler Kompetenzen anzubieten. Spätestens seit der Pandemie haben wir gelernt, dass es durchaus möglich ist, einige Tage im Homeoffice zu arbeiten, (Weiter-)Bildungsangebote via Online-Seminare zu nutzen oder die Kommunikation mit entfernten Freunden oder Familie aufrecht zu erhalten. Wenn Gemeinden verstehen, dass es in ihrem ureigensten Interesse ist, die Bürger:innen dabei zu unterstützen, könnte der digitale Wandel in Gemeinden eine viel breitere Dynamik bekommen.
Wie stehen wir da im Vergleich zu anderen Ländern?
Im internationalen Vergleich sind uns hier die skandinavischen Länder bereits weit voraus. Wenn man sieht, wie aus Gemeindebibliotheken in Dänemark digitale Kathedralen mit Co-Working Spaces, Lerncafés mit exzellenter digitaler Ausstattung für die Nachmittagsbetreuung benachteiligter Kinder, Angebote für Alleinerziehende, Senior:innen und Makerspaces für junge Gemeindebürger:innen und Kinder entstehen, dann kann man ermessen, wie weit wir hier in Österreich noch entfernt sind.
Preis für Innovation: Primus VOR
Primus VOR bietet Gemeinden, Städten, Regionen, Initiativen und Verbänden die Möglichkeit, Projekte in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Bildung, Baukultur, Infrastruktur und Unternehmensfreundlichkeit vorzustellen.
Jetzt anmelden für den Primus VOR-Zukunftstag am 2. Juli im Congress Center Villach. Sichern Sie sich Ihr Gratis-Ticket!
Infos und Anmeldung:
www.kleinezeitung.at/primusvor
