Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Diese Orte kann man mit den Wiener Festwochen entdecken

Bis 23. Juni haben die Festwochen die „Freie Republik Wien“ ausgerufen. Nebst Aktivismus und klassischem Kulturprogramm in den großen Häusern lockt das Festival sein Publikum auch an ungewöhnliche Orte. Sieben Empfehlungen.

Julia Schafferhofer
Ein Kleinod von einem Theater mit seiner Guckkastenbühne, den historischen Lustern, Bodenfliesen und Garderoben: Otto Wagner entwarf den Lageplan der Gesamtanlage auf der Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, errichtet wurde es 1904–1907 von Franz Berger. Das einstige „Gesellschaftshaus“ steht unter Denkmalschutz, die Festwochen bespielen das Jugendstiltheater erneut mit fünf Produktionen; viele mit historischem Bezug. Denn auf der Wiese davor befindet sich das Mahnmal aus 772 Leuchtstelen, die an die Opfer erinnern sollen, die zwischen 1940 und 1945 in der NS-Euthanasieanstalt „Am Spiegelgrund“ ermordet wurden.
Es ist nach wie vor ein Geheimtipp: Das Theater Nestroyhof Hamakom im zweiten Wiener Hieb, das 2009 wieder aufgesperrt wurde. 1898 eröffnet, hat es eine bewegte Geschichte zwischen Bierhalle, Vergnügungsetablissement, Theater, Tanzbar, Ort der „Jüdischen Künstlerspiele“, Arisierung, späterem Restitutionsverfahren, Kinosaal und Supermarktheimat hinter sich. Mittlerweile zählt das Theater zur beliebten Wiener Mittelklassebühne, das Fragen der Gegenwart verhandelt. Und im Anschluss wartet die Theaterbar zur Nachbesprechung – oder eines der Beisln im Grätzl.
Schicker als unter diesem Luster feiert es sich selten wo in Wien: Die Rote Bar im Volkstheater beheimatet heuer den Club der Republik. Donnerstagnacht regiert hier die Rapikone des Undergrounds – KDM Königin der Macht. Sie lädt sich Spezialgäste zur performativen Auseinandersetzung auf die Bühne. Prognose: Es wird wild. Und das Musikprogramm kann sich mit u. a. Low Life Rich Kids hören lassen.
Das Wiener Volkskundemuseum im beschaulichen Bezirk Josefstadt mutiert für die Zeit der Festwochen zum „Haus der Republik“: Hier finden nicht nur die Hearings zu den Wiener Prozessen statt, sondern auch Talks, Debatten und Workshops. Praktisch, dass mit dem Café Hildebrandt im Erdgeschoss eines der hinreißendsten Cafés mit einem der feschesten Schanigärten der Stadt beheimatet ist.
Die Kunst geht heuer baden. In Kooperation mit dem Wiener Volkstheater geht Tim Etchells‘ Volksstück „Die Rechnung“ in die Bezirke und entert einen der wienerischsten Orte: das Gänsehäufel-Bad an der Alten Donau. Die gute Nachricht: Wer ein Ticket für den 1. Juni hat, kann sich ins Wasser werfen und danach für einen Bilderbuch-Sonnenuntergang im Restaurant Bootshaus oder in der La Crêperie einchecken.