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Von kurios bis königlich: Englands unbekannte Inseln

England liegt bekanntlich auf einer Insel. Aber die hat viele kleine Schwestern, die einen Streifzug wert sind. Von lieblich mediterran bis nördlich rau, von heilig bis kurios.

Karin Riess
Samstags- und Sonntagbeilage, Leiterin Samstagsbeilage und Reiseredaktion
Isle of Wight. Schon im zarten Alter von 25 Jahren dachte Paul McCartney im Song „When I’m Sixty-Four“ laut darüber nach, im Sommer später einmal ein Ferienhäuschen auf der Isle of Wight zu mieten. Und man kann auch verstehen, warum Queen Victoria und ihre Familie Osborne House auf dem durch den Solent vom englischen Festland getrennten Eiland London oder anderen Landsitzen vorzogen. Die Insel ist im Sommer fest in einheimischer Hand – kaum ein Kontinentaleuropäer vermutet im vermeintlich verregneten Großbritannien so mildes Klima, das Palmen, meterhohe Natternköpfe, feurig gefärbte Fackellilien und andere exotische Gewächse gedeihen lässt.
Burgh Island. Die Gezeiteninsel inspirierte Agatha Christie zu zwei ihrer berühmtesten Werke, darunter „Das Böse unter der Sonne“ mit Ermittler Hercule Poirot. Sie übernachtete wiederholt in dem im Art-déco-Stil erbauten Burgh Island Hotel, eine Strandhütte wurde eigens für sie errichtet. Die Insel liegt 200 Meter vor der Grafschaft Devon und ist bei Flut nur mit einer Art Strandmobil, dem Sea Tractor, erreichbar. Bei Ebbe können Besucher einfach zur Insel spazieren.
Scilly-Inseln. Karibischer wird es auf den britischen Inseln nicht: Der Archipel von mehr als 140 verwunschenen Eilanden, von denen allerdings nur fünf bewohnt sind – St. Mary’s, St. Martin’s, St. Agnes, Bryher und Tresco (im Bild) –, wird innig vom Golfstrom geküsst. Das Klima ist beinahe subtropisch. Deshalb zeichnen sich auf den Scilly-Inseln vor der Südwestspitze Englands auch die Silhouetten von Palmen vor dem türkisblauen Meer ab.
Lundy. Die MS Oldenburg bringt Besucher zur Insel Lundy am Eingang zum Bristolkanal, Ausflügler, aber auch Gäste, die in einem der mehr als 20 historischen Häuser einchecken, die zu Feriendomizilen umgewandelt wurden. Naturliebhaber können Seevogelkolonien, Robben, manchmal sogar Wale und Delfine beobachten. Aber auch das kleine Dorf mit dem Gasthaus Marisco Tavern, eine viktorianische Kirche, den stillgelegten Leuchtturm, Steine mit keltischen Inschriften oder Marisco Castle. Kurios: Lundy gibt eine eigene Briefmarke heraus, die „Puffin“ (Papageientaucher).
Lindisfarne. Vor der Nordküste Englands liegt die Gezeiteninsel Lindisfarne, berühmt für ihr Kloster, das im Jahr 793 von den Wikingern überfallen wurde. Zu sehen gibt es auch Lindisfarne Castle, eine Burg aus dem 16. Jahrhundert, die 1901 vom Architekten Edwin Lutyens zu einem Herrenhaus umgebaut wurde. Die Gartengestalterin Gertrude Jekyll legte dafür einen Garten an, der nach ihren Plänen rekonstruiert wurde.