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Es wird ernst: Pioniere auf dem Prüfstein

Lena Edelsbrunner und Jonas Mauhar besuchen seit Herbst 2020 die Höhere Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege der Caritas in Graz. Nun nähern sie sich dem ersten Meilenstein: Ende April werden sie die kommissionelle Prüfung in der Pflegeassistenz ablegen.

Lena Edelsbrunner und Jonas Mauhar
© Caritas
Lena Edelsbrunner und Jonas Mauhar

Wie geht es euch so kurz vor der ersten großen Prüfung?

Grundsätzlich geht es uns gut. Wir haben im Moment aber viel zu lernen und sind deshalb ein bisschen gestresst.

Fühlt ihr euch gut vorbereitet?

Eigentlich schon. Es ist für uns aber manchmal schwer einschätzbar, ob wir genug wissen und können, weil wir uns ja mit niemandem vergleichen können.

Ihr habt eure Ausbildung schon mit 15 Jahren begonnen. War das zu früh?

Nein. Wir konnten mit dem wöchentlichen Praktikum gut in das Arbeitsfeld hineinwachsen. Schwierig war für uns eigentlich das erste Jahr, weil wir wegen Corona lange keinen guten Rhythmus finden konnten.

Im heurigen Schuljahr musstet ihr euch für einen Schwerpunkt entscheiden. Fiel euch diese Wahl schwer?

Am Ende nicht, weil wir durch die Praktika die unterschiedlichen Bereiche kennengelernt haben und die Wahl somit auf unseren persönlichen Erfahrungen beruht. Außerdem haben wir im Unterricht etwas über die unterschiedlichen Aufgabenfelder und Handlungsweisen der Pflegefachassistenz bzw. Sozialbetreuung gelernt. Wir waren auf die Entscheidung vielleicht besser vorbereitet als viele andere, die sich erst mit 17 Jahren für den Beruf entscheiden.

Würdet ihr euch also wieder für diese Schule entscheiden?

Ja. Die Schule ist zwar anstrengend, aber auch sehr abwechslungsreich. Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig, nicht nur für die einzelnen Fächer, sondern immer fächerübergreifend und vernetzt zu lernen. Das kannten wir so aus der Schule nicht. Mittlerweile macht das den Unterricht aber interessant und kurzweilig.

Es gibt ja den Spruch, dass man nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen soll. Trifft das bei euch zu?

In den ersten Jahren war uns das selbst noch nicht so bewusst, mittlerweile ist uns das aber klar. Insofern hat sich auch unser Lernen verändert. Und auch im Unterricht gibt es immer den Bezug zur Arbeitswelt oder zu unserem persönlichen Leben.

Ist der Wechsel zwischen Theorie und Praxis dabei hilfreich gewesen?

Jedenfalls. Durch die Erfahrungen im Praktikum haben wir für uns selbst gelernt, vernetzt zu denken und Bezüge herzustellen. Was anfangs abstrakt war, ist konkret und greifbar geworden. Wir können im Unterricht Fallbeispiele besprechen, die wir selbst erlebt haben.

Ihr leistet eigentlich Pionierarbeit. Wie geht es euch dabei?

Wir würden uns schon manchmal wünschen, auf die Erfahrungen von älteren Jahrgängen zurückgreifen zu können, denn es kann schon anstrengend sein, alles immer zum ersten Mal zu machen. Gleichzeitig konnten wir dadurch aber vielleicht dort und da ein bisschen mitgestalten – und das kann wiederum auch nicht jeder von seiner Schulzeit sagen.

Das klingt danach, dass ihr eure Wünsche und Anregungen einbringen könnt. Ist die Schule dafür offen?

Die Schule hat immer ein offenes Ohr für uns. Natürlich kann sie nicht alle unsere Wünsche erfüllen, aber wir fühlen uns immer ernst genommen und werden nach unserer Meinung gefragt. Das zeichnet unsere Schule schon irgendwie aus.

Worüber macht ihr euch Gedanken, wenn ihr an das Ende eurer Schulzeit denkt?

Natürlich freuen wir uns darüber, dass die Schule nur mehr ein Jahr dauert und wir dann alle die Matura und einen Berufsabschluss in der Tasche haben. Gleichzeitig überlegen wir aber manchmal in der Klasse, wie es ohne Schule sein wird bzw. wie wir mit unserer Schule in Kontakt bleiben können, denn sie wird uns schon fehlen.

Birgit Poier, Schulleiterin Ausbildungszentrum für Sozialberufe der Caritas
© Sissi Furgler Fotografie
Birgit Poier, Schulleiterin Ausbildungszentrum für Sozialberufe der Caritas

Die Höhere Lehranstalt für Pflege und Sozialbetreuung hat sich gut entwickelt – und sie entwickelt sich weiter. Neben unserer Klasse in Graz soll es in Zukunft ein spezielles Angebot mit Schwerpunkt „Green Care“ für junge Menschen mit landwirtschaftlichem Hintergrund geben. In Verbindung mit der Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft des Landes Steiermark in Hafendorf soll die Ausbildung durch die Absolvierung zusätzlicher Inhalte die Ausübung der Sozialbetreuung in einem landwirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.

— Birgit Poier, Schulleiterin Ausbildungszentrum für Sozialberufe der Caritas