Kate hat Krebs: Experte erklärt die „vorsorgliche“ Chemotherapie
Prinzessin Kate berichtet in Video von der präventiven Chemotherapie, mit der sie behandelt wird: Was das bedeutet und welche Krebsarten bei Frauen besonders häufig sind.
1. Prinzessin Kate berichtete in einem Video von ihrer Krebserkrankung und auch davon, dass sie nun eine „präventive“ Chemotherapie erhalte: Was bedeutet das?
Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von einer adjuvanten Chemotherapie: Meist wird diese nach einer Operation, bei der der Tumor entfernt wird, verabreicht. „Bei bestimmten Krebserkrankungen und abhängig vom Stadium, der Größe des Tumors und der Beteiligung der Lymphknoten, wird eine solche vorsorgliche Chemotherapie gegeben“, erklärt Christoph Suppan, Krebsexperte an der klinischen Abteilung für Onkologie der Med Uni Graz. Das Ziel dieser Behandlung: Verbliebene Krebszellen, sogenannte Mikrometastasen, die noch im Körper zirkulieren, die aber nicht gefunden oder gemessen werden können, zu entfernen. „Durch diese vorsorgliche Chemotherapie kann das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt, stark gesenkt werden“, sagt Suppan – das hätten Studien bereits seit den 1980er- und 1990er-Jahren gezeigt.
2. Bei welchen Krebserkrankungen kommt diese Therapie zum Einsatz?
Bei Brust-, Darm-, Lungen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs kommt ein solches Therapie-Schema zum Einsatz – laut Suppan werde die adjuvante Chemotherapie bei den meisten Krebserkrankungen verabreicht. Wie lange eine solche Therapie dauert, sei von der Tumorart und dem Erkrankungsstadium abhängig – meist werde die Chemotherapie alle zwei bis drei Wochen verabreicht, die Behandlung könne sich über drei bis zwölf Monate ziehen.
3. Was sind die häufigsten Krebsformen bei Frauen?
Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Österreich ist weiterhin der Brustkrebs: Im Jahr 2022 erhielten 6.096 Frauen in Österreich die Diagnose Brustkrebs. Auf Brustkrebs entfielen damit rund 30 Prozent der Neuerkrankungsfälle bei Frauen. Die häufigste Krebsdiagnose bei Männern waren bösartige Tumore der Prostata (7.000 Fälle im Jahr 2022). Dahinter folgen Lungenkrebs (5.203 Fälle, beide Geschlechter zusammen) und Darmkrebs (4.467 Fälle, beide Geschlechter zusammen). Die tödlichste Krebserkrankung ist für beide Geschlechter in Österreich der Lungenkrebs. Weitere häufige Krebserkrankungen bei Frauen: Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs.

4. Welche Vorsorgeuntersuchungen sind für Frauen besonders wichtig?
Die Krebshilfe rät zu diesen Früherkennungsuntersuchungen für Frauen: ab 20 Jahren einmal jährlich PAP-Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Frauen ab 30 Jahren wird alle drei Jahre ein HPV-Test empfohlen. Ab 40 Jahren: alle zwei Jahre zur Mammografie. Ab 45 Jahren: alle sieben bis zehn Jahre zur Darmkrebsvorsorge. Die Haut zweimal jährlich auf Veränderungen untersuchen. Mit der HPV-Impfung können Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses sowie im Intimbereich und im Rachen und Kehlkopf verhindert werden! In Österreich ist die HPV-Impfung ab dem 9. Lebensjahr empfohlen und soll zukünftig bis zum 30. Lebensjahr gratis sein.
5. Werden Krebsfälle bei jungen Menschen häufiger?
Tatsächlich ist das so, wie eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt. Krebsdiagnosen können Betroffene in praktisch jedem Alter treffen, meist allerdings gilt Krebs immer noch als Erkrankung, die im Alter auftritt. Die Studie belegt nun, dass auch in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen die Krebsdiagnosen während der letzten 30 Jahre massiv gestiegen sind. Demnach wurden im Jahr 2019 weltweit 3,26 Millionen neue Krebsdiagnosen gestellt. Gegenüber 1990 war dies eine Steigerung von knapp 80 Prozent. Anfang der 90er-Jahre wurden noch 1,82 Millionen Neudiagnosen verzeichnet. Auch Prinzessin Kate zählt mit 42 Jahren zu den „jungen“ Betroffenen. Die Ursachen für diese Entwicklung? Einerseits die besseren Methoden zur Früherkennung: „Besonders bei jüngeren Patienten, die auch ein genetisches Risiko mitbringen, gibt es engmaschige Untersuchungen – dadurch werden frühzeitiger Krebsdiagnosen gestellt.“ Aber: Auch der Lebenswandel in entwickelten, wohlhabenden Ländern trägt zu erhöhten Krebsdiagnosen bei: schlechte Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, zu wenig Bewegung, Übergewicht. Je entwickelter ein Land ist, desto höher ist die Krebsrate bei den unter 50-Jährigen, so die Studie.
Vorsorge für Männer
Ab dem 20. Geburtstag sollten Männer monatlich ihre Hoden selbst abtasten. Ab 40 sollte regelmäßig ein Streifentest auf Blutspuren im Harn durchgeführt werden. Ab 45 Jahren: Prostatakrebs-Früherkennung mit Tastuntersuchung und PSA-Test beim Arzt. Ab 45: Darmkrebsvorsorge mittels Koloskopie alle sieben bis zehn Jahre. Die Haut zwei Mal jährlich selbst untersuchen.
