Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Ob nur ahnungslose Illusionisten auf Frieden in Gaza und Israel hoffen?  

Carina Kerschbaumer
© AFP / Mohammed Abed

Der Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

Not, Verzweiflung, Mütter ohne Essen für ihre Kinder, Verletzte ohne medizinische Versorgung. Nahezu unmöglich, sich die täglichen Dramen im Gazastreifen auch nur annähernd vorzustellen. Wir würden es uns, kritisieren manche Leser, zu einfach machen, wenn wir vom Schreibtisch aus die Einstellung der Zahlungen Österreichs und anderer Länder an das Hilfswerk der Vereinten Nationen für die Palästinenser in Gaza gutheißen und verteidigen würden. Und Alt-Bundespräsidenten Fischer kritisieren, der sich trotz der Verwicklung zahlreicher Mitarbeiter des UNO-Hilfswerks beim Massaker am 7. Oktober gegen die Einstellung ausgesprochen hat. Oder jenen Nahost-Experten der Universität St. Gallen, der gestern vor der Gefahr warnte, dass durch die Einstellung der Zahlungen die Katastrophe im Gazastreifen ein „genozidales Ausmaß“ annehmen könnte. 

Er könne, schreibt ein Leser, die Logik nicht verstehen, mit der die Einstellung jener Zahlungen, die das Überleben von zwei Millionen Menschen sichere, begründet werde. Dass von 13.000 Mitarbeitern des UNO-Hilfswerks in Gaza einige Hundert Mitglieder der Hamas wären und zwölf am Massaker am 7. Oktober beteiligt gewesen seien, könne kein Grund sein. Wenn dies ein Grund sein könne, Menschen verhungern zu lassen, müsste dieser Logik folgend sich auch jeder Katholik fragen, warum er weiter Kirchensteuer zahle, obwohl es zig Priester gegeben hat, die Kinder missbraucht haben. Und bekannt war, dass die Kirche über lange Zeit zu wenig bis nichts dagegen unternommen habe. „Wie konnten wir“, fragt er, „die Institution Kirche dennoch jahrzehntelang weiter unterstützen?“ Er verweist darauf, dass die Hilfsorganisation der UNO Zehntausende Mitarbeiter hat und jedem klar gewesen sei, dass angesichts der Verhältnisse in Gaza es Verbindungen zur Hamas immer schon gegeben habe. Alt-Bundespräsident Fischer habe hier eine Güterabwägung vorgenommen. Eine Abwägung mit dem Ergebnis, nicht palästinensische Kinder, Frauen, Männer für das barbarische Verbrechen einiger tausend Hamas Leute verhungern lassen zu können. In diesem Konflikt, schreibt er, gebe es keine gerechte Lösung mehr, man könne sich nur mehr bemühen, nicht die schlechteste zu wählen.

Die Angehörigen der Opfer des Massakers werden das wohl anders sehen. Aber ob gerechte Lösung oder nicht die schlechteste, es bleibt ein verzweifeltes Ringen, das Politikertypen vom Schlag eines Henry Kissinger bräuchte, um eine für beide Seiten akzeptable Lösung erreichen zu können. Ob es je Frieden geben wird? Von Frieden, würde eine Israelin aus Jerusalem einwerfen, könnten nur ahnungslose Illusionisten sprechen, die noch nie in Gaza und Israel gewesen sind. Zu hoffen? Dass die Zahlungen für die palästinensische Bevölkerung wieder aufgenommen werden und im Gegenzug das Hilfswerk der UNO neue Strukturen und Mitarbeiter bekommt.

Was der Direktor der Wiener Staatsoper in Zeiten von Kriegen zum heutigen Opernball sagt? Er pfeife, meint er im Interview mit meinem Kollegen Martin Gasser, auf das, was zu verlogenen Zeiten passe und was nicht passe. Mehr darüber in unserer heutigen Ausgabe.   

Einen hoffentlich friedlichen Donnerstag wünscht Ihnen
 
 
Carina Kerschbaumer
carina.kerschbaumer@kleinezeitung.at