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Direktor Bogdan Roščić: „Ich pfeife auf die Verlogenheit der Zeit“

Wegen der pandemischen Ausfälle ist es erst der zweite Opernball für den Hausherren Bogdan Roščić. Im Kurz-Interview räumt er mit ein paar Gerüchten auf.

Direktor Bogdan Roščić im Rahmen der Opernball-Generalprobe in der Staatsoper in Wien
© APA / Roland Schlager
Direktor Bogdan Roščić im Rahmen der Opernball-Generalprobe in der Staatsoper in Wien
Martin Gasser
Ressortleitung Kultur und Medien

Herr Direktor, Teuerung, Krieg, wir leben in krisenhaften Zeiten. Passt der Prunk des Opernballs überhaupt noch?

BOGDAN ROŠČIĆ: Da unsere Zeit bekanntlich so ist, dass die vielen Kriege immerzu so gut zu ihr passen, wird sie das bisschen Walzer-Voyeurismus auch noch aushalten. Ich pfeife auf das, was zur verlogenen Zeit passt und was nicht; wenn man den Maßstab anlegt, kann man eh nur in den Suff flüchten.

Jeder Ball ist natürlich auch ein Ball der Eitelkeiten, der Opernball ganz besonders. Hat das Ganze nicht oft auch einen (selbst)-parodistischen Zug?

Na, aber selbstverständlich hat es den. Man kann den Ball fast als Fortsetzung des Wiener Aktionismus mit anderen Mitteln sehen, nur dass niemand irgendwas ernst meint und die Manieren am Ball nicht ganz so schlecht sind. Ein großer Mann hat mal gesagt, im Leben geht es darum, von einer lächerlichen zu einer lachenden Person zu werden, da bringt einen der Opernball so oder so auf jeden Fall weiter.

Der Opernball ist ökonomisch äußerst bedeutsam, könnte die Oper überhaupt auf den Ball verzichten?

Das ist das hartnäckigste aller Opernball-Gerüchte. Ökonomisch bedeutsam ist der Ball für die Stadt Wien, die wie alle anderen Segnungen der Staatsoper auch diese zum Nulltarif erhält. Aber für die Oper ist er ein Nullsummenspiel. Die Kosten für die Umbauten sind exorbitant, wir müssen zahlreiche Schließtage in Kauf nehmen … Ich finde das nicht weiter problematisch, die Staatsoper ist nicht dazu da, um Geld zu verdienen. Aber man muss es wissen.

Was denken Sie als Hausherr, was ist neben dem Ökonomischen der wichtigste Effekt, den der Opernball für die Staatsoper als Betrieb hat?

Erstens, dass er es möglich macht, am nächsten Tag für 7000 Kinder Oper auf der riesigen Tanzfläche zu spielen. Zweitens, dass er es möglich macht, dass auch die Belegschaft ein großes Fest feiern kann. Der Ball ist für die Gäste da und macht einen Haufen Arbeit, aber viele meiner Kolleginnen und Kollegen finden auch ihre Wege, den Abend zu genießen. Und das ist wichtig, denn ohne das Talent und das Herz von diesen knapp 1000 Menschen ist die Oper nur eine kalte Kiste mit viel Marmor.

Können Sie den Ball eigentlich auch in irgendeiner Form selbst genießen, oder ist diese eine Nacht im Jahr Stress pur?

Ich werde da schon eher von erbarmungslosen Mitarbeiterinnen im fünf-Minuten-Takt zu diversen Verpflichtungen durch die Oper geschoben, als Ballbesucher fühlt man sich da nicht so wirklich. Aber irgendwann verschanzt man sich dann doch erfolgreich im Vorraum irgendeiner Loge, zieht den Vorhang und trinkt ein Glas mit netten Menschen. Und wenn es dann wirklich spät wird, versammelt sich ein erstaunlich großer harter Kern bei mir im Büro. Das ist letztes Jahr etwas ausgeufert, war aber sehr schön.

Video: Die Oper verwandelt sich in einen Ballsaal