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„Es braucht gleiche Spielregeln für alle“

Gerade im Weihnachtsgeschäft sehen sich heimische Unternehmen internationaler Konkurrenz gegenüber, die Steuern und Vorschriften ausweicht. Gefordert wird fairer Wettbewerb.

Auch das Ambiente ist ein Argument für den Einkauf im regionalen Handel
© Aron M.
Auch das Ambiente ist ein Argument für den Einkauf im regionalen Handel

Die Schneeflocken sind unsere Existenzflocken“, freut sich Harald Scherz, der im obersteirischen Ennstal mehrere Sportartikelgeschäfte betreibt. Die termingerechte Ankunft des Winters bringt Kunden in die Geschäfte des regionalen Handels. Das bringt Entspannung im Kampf gegen die übermächtige Online-Konkurrenz internationaler Handelsplattformen. Denn selbst wenn 50 Prozent der Steirer in einer aktuellen Umfrage der KMU Forschung Austria angeben, Weihnachtseinkäufe heuer verstärkt in Geschäften in der Umgebung tätigen zu wollen, bleibt es ein ungleicher Wettbewerb.

„Wir leben in einer Zeit des digitalen Wandels mit vielen Angebots- und Vertriebsmöglichkeiten, allerdings darf die Innovation nicht darin liegen, bestehende Regeln zu umgehen und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu sichern“, mahnt der steirische Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk faire Spielregel ein. Konkret kritisiert er global agierende Internetplattformen, die hierzulande zwar hunderte Millionen Euro an Umsätzen verbuchen, aber davon „so gut wie nichts in Österreich versteuern“. Experten gehen davon aus, dass durch den globalisierten Onlinehandel, aber auch durch Buchungsplattformen im Tourismus der heimischen Finanz bis zu 600 Millionen Euro pro Jahr entgehen.

Zwar gelten für Online-Plattformen ab kommendem Jahr strengere Melde- und Steuervorschriften, die Unternehmensvertreter fordern aber weiterhin unter anderem die Einführung einer „digitalen Betriebsstätte“: Durch die konkrete Verortung von Gewinnen bei einer bestimmten digitalen Adresse soll sichergestellt werden, dass in jenen Staaten, in denen diese Gewinne lukriert werden, auch die entsprechende Körperschaftssteuer entrichtet wird. Ähnliches brauche es im Gewerbe und Handwerk, wo der Preisdruck durch ausländische „Dumpingkonkurrenz“ enorm sei. Würden diese Betriebe sämtliche gesetzlichen Vorgaben einhalten, wäre ein Preisunterschied von bis zu zehn Prozent möglich. Dennoch bietet ein Einkauf bei einem örtlichen Händler, mit professioneller Beratung und flexibler Betreuung erhebliche Vorteile für Konsumenten.

Harald Scherz, Obmann-Stv. Handel, Mode und Freizeitartikel
© Foto Fischer
Harald Scherz, Obmann-Stv. Handel, Mode und Freizeitartikel

Natürlich tut der Onlinehandel weh, aber er stagniert bei rund 25 Prozent und es gibt viele ‚Rückkehrer‘, die die Beratung im stationären Handel suchen und schätzen. Denn das Um und Auf ist nicht immer der Preis, sondern das Vertrauen.“

— Harald Scherz, Obmann-Stv. Handel, Mode und Freizeitartikel
Beatrice Erker, Obfrau Buch- und Medienwirtschaft
© WKO
Beatrice Erker, Obfrau Buch- und Medienwirtschaft

Große Onlineplattformen sind für Verlage auch ein Marketing- instrument. Aber man braucht den stationären Handel, um das Kulturgut Buch sichtbar zu halten. Dazu kommt der Nachhaltigkeitsaspekt, weil Transportwege und Verpackungsmaterial gespart werden.“

— Beatrice Erker, Obfrau Buch- und Medienwirtschaft
Michael Wilhelm, Obmann Landesgremium Papier- und Spielwarenhandel
© WKO
Michael Wilhelm, Obmann Landesgremium Papier- und Spielwarenhandel

Von den großen Anbietern sieht der Staat keinen Cent Steuergeld. Dazu kommt, dass kleinen regionalen Händlern oft das Budget fehlt, um eigene Onlineshops zu bewerben. Es wäre schön, wenn es bei Konsumenten ein Umdenken geben würde.“

— Michael Wilhelm, Obmann Landesgremium Papier- und Spielwarenhandel