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Paul Krisai und Miriam Beller über das „Land der Unberechenbarkeit“

Am Dienstagabend waren die Russland-Korrespondenten Miriam Beller und Paul Krisai zu Gast im Forum Kloster in Gleisdorf. Sie sprachen über ihre Arbeit unter Zensur und wie die russische Bevölkerung mit Krieg umgeht.

Nicole Stranzl
Regionalredaktion Weiz
„Russland von innen“ so heißt das neue Buch der beiden Russland-Korrespondenten Miriam Beller und Paul Krisai. Sie stellten ihr Werk am Dienstagabend im Forum Kloster in Gleisdorf vor.
„Im Studium lernt man nicht, wie man unter Zensur arbeitet“, sagt Krisai, der von 2019 bis heuer in Moskau als Korrespondent tätig war und sogar das ORF-Büro leitete.  „Wir mussten genau abwägen, was dürfen wir berichten.“
So darf der Krieg in Russland offiziell nicht als solcher betitelt werden, viele Journalisten mussten nach Kriegsausbruch das Land verlassen. Ein amerikanischer Kollege wurde sogar verhaftet. „Da macht man sich schon Gedanken, das hätte ich sein können“, so Krisai, der gemeinsam mit Beller über politische Gefangene, Putin-Kritiker Nawalny und über die „passive russische Bevölkerung“ sprach.
Die Politikverdrossenheit sei groß, der Widerstand, für den Krieg einberufen zu werden, jedoch gering. „Wenn sie mir sagen, dass ich muss, muss ich eben“, zitiert Krisai einen Bekannten. „Die Propaganda ist oft sehr menschenverachtend“, erzählt Beller. „Ihr Ziel ist, dass die Menschen nicht glauben, was sie sehen, sondern alles anzweifeln und Widersprüche akzeptieren. Rund eine Million Webseiten seien derzeit in Russland gesperrt.
Ein Kriegsende sei derzeit nicht absehbar. „Russland ist ein sehr ressourcenreiches Land und vor allem ein Land der Unberechenbarkeit“, sind sich Beller und Krisai einig.