"Partymaus" Barbara Dunst hat gewisse Fragen zum Frauen-Fußball bereits satt
Die Oststeirerin Barbara Dunst war schon 2017 im EM-Kader Österreichs, zum Einsatz ist sie aber nicht gekommen. In England ist sie aber wohl gesetzt.

Schon am Parkplatz hat es sich für Barbara Dunst "crazy" angefühlt. "Auf der Wies'n", sagt sie und zeigt auf den alten Sportplatz in Anger, "da habe ich früher immer Fußball gespielt. Da hinten im Eck habe ich das erste Training gehabt." Die Oma der Viertelfeistritzerin habe ihr als Kind immer den Ball zugeworfen. "Irgendwann ist der Ball von den Händen auf den Boden zum Fuß gefallen." Und schon war es geschehen. Die kleine "Dunsti" war mit dem Fußball-Virus infiziert, ist mit Freunden gemeinsam zum ersten Training gegangen. "Sie haben gesagt, ich brauche keine Angst haben, obwohl ich das einzige Mädel war. Es hat mir dann auch gleich voll getaugt."
Legionärin in Deutschland
Mittlerweile ist Dunst 25 Jahre alt und seit 2017 Legionärin in der deutschen Bundesliga. Auf dem Spielfeld hat sie in ihren Anfangsjahren als einziges Mädchen nie Probleme gehabt, blöde Sprüche oder Kommentare von Gegnern und Fans blieben aus. "Die Leute sind zu meinem Papa gegangen und haben gemeint: 'Hey, dein Dirndl kann kicken'." Also ging es in die Sporthauptschule Weiz, ins Landesnachwuchszentrum und schließlich in die Frauenfußball-Akademie des Österreichischen Fußballbunds (ÖFB) nach St. Pölten. "Nur am Wochenenden bin ich nach Graz gefahren, wo ich für den LUV gespielt habe." Die Handelsschule hat sie in Niederösterreich ebenfalls abgeschlossen. Obwohl: "Ich habe mich durchkämpfen müssen, in der Schule habe ich mich nie leichtgetan." Die Matura hat sie später nachgeholt. "Das war mir einfach wichtig", sagt die Weizerin. Auch zur Arbeit ist sie - schon während ihrer Zeit in St. Pölten - gegangen. "Ich wollte neben dem Fußball einfach Erfahrung am Arbeitsmarkt sammeln und nicht nur daheim sein."
Wertschätzung und Anerkennung
Finanziell wurde die Offensivspielerin zu Beginn ihres Deutschland-Engagements in Leverkusen von ihren Eltern unterstützt. Anders wäre nicht gegangen. Mit dem Wechsel zu Duisburg war das dann anders. "Der Verein hat die Wohnung für mich übernommen und ich habe verdient auch." Seit 2019 ist Dunst bei Eintracht Frankfurt. Erst 2020 wurden die Frauen vom 1. FFC Frankfurt in den Verein Eintracht integriert. "Seitdem haben wir Riesensprünge gemacht." Nicht nur auf finanzieller Ebene. Auch, was die Wertschätzung betrifft. "Wir haben in Potsdam gespielt und der Vorstand der Eintracht ist extra nachgeflogen. Das war während der Europa-League-Euphorie der Männer. Das hat von Anerkennung gezeigt." Auch das Europa-League-Finale in Sevilla haben die Frankfurterinnen hautnah miterlebt. "Der Vorstand hat gesagt: 'Ihr fliegt mit.' Das war ein Wahnsinn. Die Fans dort haben uns auf den Straßen angesprochen, auf der Bühne wurden wir vorgestellt und sie haben uns gefeiert. Das habe ich noch nie erlebt." Mit Rang drei und der Champions-League-Qualifikation waren auch Dunst und Co. äußerst erfolgreich. "Bei unserem letzten Saisonspiel waren dann 4500 Fans im Stadion. Auch Spieler der Eintracht waren da. Vor allem Martin Hinteregger hat immer wieder vorbeigeschaut", findet die österreichische Nationalteamspielerin lobende Worte für den nunmehrigen Ex-Fußballprofi.
"Ich habe es satt, solche Fragen so beantworten zu müssen"
Obwohl es für Dunst mittlerweile selbst sehr gut läuft, nervt sie eine Sache gewaltig: "Wenn mich Eltern fragen, wie es als Fußballerin so ist und ich ihnen sagen muss, dass die ersten drei, vier Jahre finanziell nix da ist. Ich habe es satt, solche Fragen so beantworten zu müssen."
Man wolle nicht das Gleiche verdienen, wie die Männer. "Darum geht es überhaupt nicht. Es geht um die Verhältnismäßigkeit. Ich fordere von niemandem, dass ich 25.000 Euro verdienen muss." Ein Drittel von dem, was Kylian Mbappe bekommt, "würde für ich weiß nicht wie viele Vereine bei uns reichen", ärgert sich Dunst. Da müsse noch viel Arbeit geleistet werden. In Österreich wie international. "Vereine müssen den Frauenfußball mehr integrieren. Es braucht mehr Sichtbarkeit und Toleranz. Da müssen wir extrem Gas geben."
Große Bühne
Sichtbarkeit gibt es bei der Europameisterschaft auf jeden Fall. Die Bühne könnte größer nicht sein. "Es herrscht eine absolute Vorfreude", sagt Dunst, die bei der EM 2017 zwar schon dabei war, aber nicht zum Einsatz gekommen ist. "Da hätte ich schon gerne gezeigt, was ich kann." Diesmal ist sie unter Teamchefin Irene Fuhrmann wohl gesetzt. Und mit dem Turnier in England schließt sich auch irgendwie ein Kreis. Mit Österreichs U17-Nationalteam war Dunst als Kapitän bereits bei einer Endrunde in England dabei. Jetzt will sie dem österreichischen Spiel auch bei der Europameisterschaft der "Großen" ihren Stempel aufdrücken. "Ich würde sagen, dass ich sehr kreativ bin. Ich suche gerne das eins gegen eins und ich laufe gerne für meine Mannschaft." Vor allem dann, wenn das eigene Team im Ballbesitz ist. "Nachlaufen tu ich nicht so gerne. Aber das habe ich auch schon verbessert", sagt sie und lacht.
Druck vor Eröffnungsspiel
Der Druck, der liegt beim Eröffnungsspiel am 6. Juli vor allem auf den Gastgeberinnen aus England. 75.000 Fans werden im Old Trafford von Manchester dabei sein. "Wenn ich daran denke, muss ich mich kurz einmal festhalten", schmunzelt Dunst. "Ich hoffe, wir haben ein ganzes Land hinter uns und wir können zeigen, was wir drauf haben. Wir können es ja wirklich."
Die Euro 2022 ist das absolute Karriere-Highlight für Dunst. Dem ordnet sie auch alles unter. "Ich habe mir diese EM schon lange als Ziel gesetzt und ich trinke schon seit einem Jahr keinen Alkohol. Da waren meine Mitspielerinnen in Sevilla beim Europa-League-Finale eh ein bisserl empört", sagt sie mit einem Augenzwinkern. "Ich habe aber gesagt, dass ich vor der Euro keinen Tropfen trinken will. Man kann ja auch ohne Alkohol lustig sein." Nach der EM "bleibt dann vielleicht Platz zum Feiern. Eigentlich bin ich ja schon eine Partymaus".



