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Zu Ostern fliegen die Kugeln und brennen meterhohe Fackeln

Zahlreiche Bräuche gibt es zur Osterzeit in Kärnten und Osttirol. In Steuerberg und Vassach ist Treffsicherheit gefragt. Brandheiß wird es in Gösseling und Radsberg. Innehalten ist bei der Tresdorfer Passion angesagt.

Wenn es am Karfreitag und Karsamstag in Thurn in Osttirol auf den Straßen laut wird, dann liegt das an den Riesenratschen der Thurner Landjugend. Seit ungefähr 1870 tragen sie bis zu zwei Meter große und zehn Kilogramm schwere Ratschen, durch die Ortsteile von Thurn. Die Ratschen sind hauptsächlich aus Holz und werden von den Jungbauern gebaut. Beim Schwingen dreht sich eine Holzplatte über die Zähne eines Holzzahnrades. Dadurch entsteht der charakteristische Klang des Ratschens. Am Karfreitag ziehen die Jungbauern zwischen 17 und 18 Uhr durch den Ort, bis sie sich bei der Dorfkirche treffen und diese einige Minuten lang umrunden. Am Samstag wird das Ratschen um 12 Uhr fortgesetzt. Auf dem Weg durch den Ort können sich die Jungbauern über die ein oder andere Stärkung freuen. Rund um Ostern ersetzt das Ratschen die Kirchenglocken, die laut Brauch über Ostern nach Rom fliegen, um geweiht zu werden.
In Steuerberg im Bezirk Feldkirchen kommen jedes Jahr Menschen am Ostermontag zum Kugelwerfen zusammen. Zurückgehen dürfte der Brauch darauf, dass sich Bergbauern früher zu Frühlingsbeginn in Kraft und Zielgenauigkeit messen wollten. Zwei Teams treten gegeneinander an und müssen eine Holzkugel mit einem Durchmesser von ungefähr 15 Zentimeter nach bestimmten Regeln und ähnlich wie beim Bowling einen Waldweg entlang werfen. Kommt die Kugel vom Weg ab, gibt es einen Minuspunkt. Jenes Team mit der geringsten Zahl an Minuspunkten gewinnt.
Das Dorf Gösseling im Bezirk St. Veit an der Glan sorgt mit dem Brauch des Fackeltragens seit mehr als 50 Jahren für staunende Blicke. Beim Osterfeuer werden meterhohe Holzstämme von den Gösselingern am Karfreitag angezündet und danach im Dunkeln der Nacht über die umliegenden Felder getragen. Beim anschließenden Schwingen der Fackeln folgen die Träger einer Choreografie, ehe sie die brennenden Fackeln in Form von Kreuzen oder Kreisen auf den Feldern aufstellen. Früher erhofften sich die Menschen durch das Fackeltragen Segen und Schutz für ihr Dorf.
Am Ostermontag findet bei Schönwetter um 14 Uhr im Villacher Stadtteil Vassach das Kugelstechen statt. Zwei Mannschaften mit bis zu 15 Teilnehmern treten gegeneinander an und ziehen mit jeweils einer Holzkugel und einem Holzkegel von einer Station zur nächsten. Ziel ist es, dass die Mitspieler den Holzkegel aus weiter Entfernung direkt mit der Kugel umschießen, ohne dass sie hinter dem Kegel landet. Beim Stechen muss der Kegel im freien Fall von der Kugel getroffen werden. Gespielt wird beim Vassacher Kugelstechen um eine Jause.
Am Karsamstag lädt die Pfarre im Wolfsberger Ortsteil St. Stefan zur Feuersegnung ab 6 Uhr ein. Das geweihte Feuer wird zum Anheizen des Küchenofens und zum Kochen des Osterschinkens verwendet. Früher wurde das Feuer mithilfe von Holzschwämmen nach Hause getragen. Die Holzschwämme waren an Drähten befestigt und wurden im Kreis geschwungen, um die Glut zu entfachen. In einigen Dörfern im Lavanttal gehen manche Bewohner auch heute noch mit dem glühenden Holzschwamm um ihre Häuser und in die Räume, um Böses zu vertreiben.