"Es ist eine Weltmeisterschaft für Menschen mit Geld"
Daniel Warmuth kommentierte für den ORF in Katar. Mit der Bezeichnung von FIFA-Präsident Gianni Infantino als Clown erregte der Kärntner Aufsehen. Von den in Europa ausgelebten Kontroversen ist vor Ort nichts zu bemerken.

Irgendwo in der Wüste von Katar befindet sich ein mit Kameras überwachter und von Stacheldraht geschützter Ort. Hinter den hohen Mauern lagern unter anderem Dinge, die im arabischen Staat ansonsten nicht gerne gesehen werden: Bier und Schweinefleisch. Journalisten konnten sich mit ihrem Reisepass anmelden und sich – nachdem der Staatsapparat sein Ok gab – dort bedienen. Nicht die einzige Kuriosität, die ORF-Kommentator Daniel Warmuth während seines Aufenthalts in Katar erlebt hat.
Nicht nur für Fans, auch beruflich ist diese Weltmeisterschaft zweischneidig. "Unterm Strich war ich da, weil es mein Job ist. Es bleibt eine WM und mein Fokus liegt auf den 90 Minuten während eines Spiels", erzählt der Kärntner, dessen erster Einsatz beim Sieg Saudi-Arabiens über Argentinien vor 90.000 Zuschauern im Finalstadion Lusail schon ein geschichtsträchtiger war.
Organisiert vor Ort sei alles perfekt, die Arbeitsbedingungen seien ideal. Die kurzen Wege ersparen lange Reisen zu den Spielen. Und von den in Europa diskutierten Kontroversen ist inmitten der Einheimischen nichts zu bemerken. "Das ist kein Thema. Menschen aus dem asiatischen oder afrikanischen Raum interessiert das nicht. Die Leute hier sind enorm freundlich, die Polizei ist kaum zu spüren und wir selbst sind null eingeschränkt", sagt Warmuth. Dass die WM nie in den Wüstenstaat hätte vergeben werden dürfen, sei eine andere Geschichte. Die Proteste sind zwölf Jahre zu spät gekommen. Aus seiner Haltung hat der 34-Jährige auch während der Übertragungen kein Geheimnis gemacht. Der Satz "der Zirkus ist hier im Stadion. Da darf ein Clown auf der Tribüne auch nicht fehlen", während FIFA-Präsident Gianni Infantino eingeblendet wurde, sorgte für Aufsehen.
Mit einer herkömmlichen Endrunde werden diese vier Wochen nie zu vergleichen sein. Am ehesten bemerkt man das bei der Stimmung, die rund um die Spiele nie wirklich aufkommen will. Die Fanzonen füllen sich maximal zu den Abendspielen, das (Lite)-Bier von Sponsor Budweiser darf erst ab 19 Uhr fliesen. Für 13 Euro pro Becher, den man zumindest als Souvenir behalten darf. "Es wirkt teilweise schon fast steril. Die WM ist eine für Menschen mit Geld", sagt Warmuth. Selbst in einem mit Wohnwägen vollgestellten Areal in der Wüste kostet die Nacht 150 bis 200 Euro. Wer kein Ticket für ein Spiel hat, durfte gar nicht erst einreisen.
Ein Gefühl, dass sich Katar und die Menschen dort in einem anderen Licht zeigen, während die Welt auf sie blickt, hat sich für den Klagenfurter nie eingestellt. Gespräche mit Arbeitern und Angestellten haben dazu beigetragen. "Sie haben viel und offen geredet. Erzählt, was ihnen gut gefällt und was ihnen überhaupt nicht passt. Egal ob Taxifahrer oder Kellner. Das sind aber persönliche Eindrücke. Dass die Menschenrechtssituation verheerend ist, bleibt Fakt", sagt Warmuth, dessen Zeit in Katar mit dem Achtelfinale zwischen Marokko und Spanien zu Ende gegangen ist. Ab Freitag übernehmen Oliver Polzer und Thomas König.




