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Unorthodox und unautoritär: dm-Gründer Götz Werner ist tot

Wie dm berichtet, verstarb der Gründer der Drogeriemarktkette im Alter von 78 Jahren. Der Unternehmer stand 35 Jahre an der dm-Spitze. Reich wurde er als Zahnpastaverkäufer, populär als Vorkämpfer eines bedingungslosen Grundeinkommens.

dm-Gründer Götz Werner
© imago
dm-Gründer Götz Werner

Geschäftssinn und soziale Ader: 35 Jahre stand Götz Werner an der Spitze des Unternehmens dm, das er 1973 gründete. "dm" stand dabei schlicht als Kürzel für "Drogeriemarkt", mit der Einführung des Diskonterprinzips verdiente Werner viel Geld. In der ersten Filiale verkaufte er auf dreifacher Fläche und mit stark reduziertem Sortiment im Vergleich zu herkömmlichen Drogerien. Später folgten die Expansion, Allianzen und frühes Vertrauen in "Bio"-Produkte. Der siebenfache Vater zog sich schließlich Mitte 2008 aus der operativen Führung zurück und wechselte in den Aufsichtsrat. Von 2003 bis 2010 lehrte er als Professor am Karlsruher Institut für Technologie.

Der Weg vom "Zahnpastaverkäufer" (Werner über Werner) zum Vorzeige-Unternehmer war nicht unbedingt vorhersehbar: "In der Schule sitzen geblieben, nach elf Schuljahren abgegangen. Deutscher Jugendmeister im Rudern, Drogist gelernt, Prokurist geworden. Verstoßener Sohn. Realträumer. Gründer wider Willen", beschrieb er den Werdegang in seiner Biografie.

Im Gespräch mit der Kleinen Zeitung

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Werner, geboren am 5. Februar 1944 in Heidelberg, vor allem für seinen unorthodoxen Führungsstil. Früh setzte er auf eine betont unautoritäre Chefrolle und gab viel Verantwortung an die einzelnen dm-Standorte ab. Dialog sollte in seinem Konzept Anweisungen ablösen, lebenslanges Lernen wurde zum Dogma im Betrieb. Aus "Lehrlingen" wurden "Lernlinge", Theater-Workshops avancierten zur Regelmäßigkeit. Seit Anfang der 1990er-Jahre und verstärkt nach seinem Abschied aus der operativen Verantwortung widmete Werner seine Zeit zudem dem Projekt bedingungsloses Grundeinkommen.

Er warb für die Idee in Vorträgen und Diskussionsbeiträgen. Werner sah darin einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, um auch in Zeiten zunehmender Globalisierung, Digitalisierung und Automatisierung den Menschen Freiraum für Eigeninitiative und Teilhabe am Leben der freien Bürgergesellschaft zu ermöglichen. "Dass er die Vollendung dieser Idee nicht mehr erleben würde, war ihm stets bewusst", heißt es in der Mitteilung über seinen Tod. Gleichwohl habe er sich dafür mit großer Energie eingesetzt, weil er sie für sich als richtig und sinnvoll erkannte.

In den zurückliegenden Monaten hätten Werners Kräfte kontinuierlich nachgelassen, lässt nun seine Familie wissen. Sein Vater sei friedlich verstorben, sagt der aktuelle dm-Geschäftsführer Christoph Werner.

dm seit 1976 in Österreich

Der Mitgründer und Gesellschafter von dm Österreich, Günter Bauer, verstarb erst im Jahr 2020. Der gebürtige Niederösterreicher war mit dm-Gründer Werner freundschaftlich und beruflich verbunden sowie in jüngeren Jahren sein Ruderpartner. Im Jahr 1976 eröffnete Bauer die erste österreichische Filiale am Linzer Taubenmarkt. Heute hält Spar rund ein Drittel der Firmenanteile an der österreichischen dm drogerie markt GmbH mit Sitz in Wals (Salzburg), die Bauer Vermögensverwaltungsgesellschaft durchgerechnet rund 17 Prozent. Den Mehrheitsanteil (51 Prozent) an dm Österreich hält die deutsche DM Holding Gesellschaft. 

dm ist heute in Summe in 14 europäischen Ländern aktiv. Mehr als 66.000 Menschen arbeiten für dm. Der Umsatz beläuft sich nach Angaben des Unternehmens auf 12,3 Milliarden Euro.