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Die Digitalisierung der Kunst – Experten diskutieren

In der Arbeitswelt und im Privaten löste die Corona-Pandemie einen kräftigen Digitalisierungsschub aus, von der Videokonferenz bis zum Homeoffice. Das betrifft alle Lebensbereiche und natürlich auch die Kunst: Konzerte werden gestreamt, Modeschöpfer zeigen Ihre Kreationen online, statt Öl und Leinwand gibt es Augmented und Virtual Reality-Kunstwerke inklusive 3D-Bilder.

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Neue Kunst – neues Denken?

Ein deutliches Zeichen in Richtung Kulturszene setzte das Bundesministerium für Kunst und Kultur mit seinem „Call 2021“, der innovative digitale Projekte mit 2,5 Millionen Euro fördert. Neue künstlerische Formate, das Aufbrechen und Überschreiten von klassischen Kunst- und Kultursparten sollen unterstützt und neue Kunstformen erprobt werden. Natürlich spielen dabei die Zugänglichkeit, Sichtbarkeit, Vermittlung, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit eine maßgebliche Rolle. Immerhin wirken sich digitale Technologien auf den Alltag, das Zusammenleben, die Arbeitswelt, das Denken und die Vorstellung aus – auch wenn das nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Lockdown und Social Distancing haben zu einem unübersehbaren Kreativ-Schub bei Künstler:innen gesorgt und neue Ausdrucksformen wurden erprobt, es entstand eine Unzahl an Kunstwerken, zum Teil mit oder gänzlich durch digitale Technologien. Natürlich müssen diese an interessiertes Publikum und zahlungskräftige Sammler gebracht werden – dementsprechend hat sich der Kunstmarkt ebenfalls spürbar verändert und es wurden neue Verkaufskanäle gefunden. Die digitale Ausstellung im virtuellen Raum ersetzte vielerorts etablierte Kunstmessen und Galerien – ein Ansatz, der sich in Zukunft wohl zu einem hybriden Konzept verfestigen wird.

Ist digitale Kunst auch „echt“? Die Antwort liefert der Boom der NTF-Technologie (Non Fungible Token), die quasi ein Echtheitszertifikat für digitale Kunstwerke bzw. Dateien darstellt. Spektakulär waren jene 70 Millionen Dollar, die für eine digitale Collage des amerikanischen Künstlers Beeple bei einer Versteigerung auf den Tisch geblättert wurden.

Unter dem Titel „Neue Kunst – neues Denken?“ geht eine hochkarätig besetzte Expertenrunde im Drei Digitalk den Veränderungen in der Kunst nach. 

Am 12. Oktober um 16.00 Uhr live aus dem Kunsthaus in Graz

Bedeutet die Verwendung neuer technologischer Tools automatisch eine radikale Neuerung? Welchen Ausdruck findet ein solcher gesellschaftlicher Wandel in der künstlerischen Praxis und in den Institutionen? Die Diskussion geht diesen Fragen aus künstlerischer, kunstinstitutioneller und technologischer Sicht nach.

Barbara Steiner ist Leiterin des Kunsthauses Graz und Vorständin der Stiftung Bauhaus Dessau: „Die Art und Weise wie wir Kunst und Kultur erleben unterliegt einem ständigen Wandel und hat in den letzten Jahren eine immer schnellere Geschwindigkeit angenommen. Eine zusätzliche Zäsur hat die Pandemie gebracht, wo mehr oder weniger alle stationären Kultureinrichtungen geschlossen werden mussten. Das bedeutet, dass sich Kultureinrichtungen neue Wege überlegen müssen, wie sie ihre Besucher zukünftig auch erreichen können. 

Die digitale Transformation betrifft inzwischen alle Kernaktivitäten von Kultureinrichtungen: von der Organisation betrieblicher Abläufe bis hin zur Vermittlung der Inhalte. Ausstellungen, die virtuell erfahrbar werden, Gamification-Ansätze setzen sich durch, doch wie wirkt sich dies auf die Kulturinstitutionen aus, wenn Menschen den virtuellen Besuch vorziehen und Eintrittsgelder ausbleiben. Wir sind es immer noch nicht gewohnt und auch nicht bereit zu akzeptieren, dass für virtuelle Inhalte, für virtuelles Erleben bezahlt werden muss.“

Die Medienkünstlerin Reni Hofmüller ist Ko-Leiterin des „esc medien kunst labor“ Graz und spürt technologischen Zusammenhängen und den Beziehungen zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft nach. Sie stellt die Frage, was Digitalisierung im Kunstbereich bedeutet: „Wir haben in den unterschiedlichsten Bereichen akzeptiert, dass Maschinen mitentscheiden, mitsprechen, mitformen und mitgestalten, wie wir leben. Die Geschwindigkeit, in der diese Veränderungen vor sich gehen, nimmt laufend zu und so scheinen wir als Individuen überwältigt zu sein von der schieren Dimension der zur Verfügung stehenden Optionen. Dabei geht uns als Subjekten und als Gesellschaft eine tatsächliche Mitbestimmung verloren, wenn wir uns nicht mehr mit den Hintergründen und den Konsequenzen von technologischen Entwicklungen auseinandersetzen. Kunst kann ein Weg sein, diesen Komplexitäten zu begegnen, und sich in der Auseinandersetzung eine eigene Meinung zu bilden. Digitalisierung ist dabei geichermaßen Werkzeug und Mittel.“

Seit mehr als drei Jahren leitet Daniel Fabry das Institut für Design und Kommunikation der FH Joanneum und ist Mitglied des Künstlerkollektivs Monochrom. Er weiß um die Herausforderungen der Digitalisierung, bei der die Grenzen der traditionellen Gestaltungsdisziplinen – wie Interaktions-, Medien- und Editorial-Design – verschwimmen. Er sieht die Notwendigkeit, dass Designer:innen ihre zukünftigen Methoden miterfinden und ihre Kernkompetenzen verlassen und erweitern.

Für eine Menge spannenden Gesprächsstoff ist also gesorgt! Verpassen Sie den Drei Digitalk nicht und schalten Sie sich am 12. Oktober um 16.00 Uhr live ins Kunsthaus Graz! Jetzt einschalten!