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Drehscheibe für innovative Ideen

Das Unicorn soll Treffpunkt für die steirische Start-up-Szene werden. Mit an Bord sind bereits Gründerteams aus der BioTech- und FinTech-Branche, die die Nähe zur universitären Forschung schätzen.

Augmentomy entwickelt aktuell im Unicorn seine Produkte weiter
© ALEXANDER LELJAK_
Augmentomy entwickelt aktuell im Unicorn seine Produkte weiter
Auch das spanische Start-up Darwin Biomedical ist im Unicorn ansässig
© ALEXANDER LELJAK_
Auch das spanische Start-up Darwin Biomedical ist im Unicorn ansässig

"Wir wollen damit diesen Medizinbereich revolutionieren“, sagt Maximilian Weber. An einem selbstbewussten Unternehmensziel fehlt es dem Team von Augmentomy also nicht. Zusammen mit Natalie Schellnegger und Daniel Wild arbeitet Weber an einer innovativen Anwendung von Augmented Reality, die Ärzten eine schnellere und präzisere Durchführung von Operationen im Kopf- und Nackenbereich ermöglichen soll – mit dem Effekt, dass die Belastung durch den Eingriff auch für den Patienten minimiert wird. Konkret entwickelt Augmentomy Software für dreidimensionale Visualisierungen für Virtual Reality-Brillen. Die Ärzte bekommen so eine realistische Darstellung anatomischer Strukturen und Tiefeninformationen. Eine qualitative Verbesserung, bislang kommen 2D-Monitore zur Veranschaulichung von 3D-Daten zum Einsatz. Das führt zu einer Dimensionsreduktion, die einen enormen Informationsverlust zur Folge hat. Mithilfe der neuen Technologie wird den Medizinern eine Art Navigationsgerät zur Hand gegeben, das von der Diagnose bis zur Operation die Arbeit entscheidend erleichtert. Weber und sein Team nützen die Infrastruktur des Unicorn, um ihr Produkt Richtung Prototyp zu verfeinern.

Ebenfalls aus dem Medizin- und Biotech-Bereich kommen die Unicorn-Mieter Innophore und digitAAL Life. Letztere hat ein Tablet-basiertes, multimodales Trainingsmodell entwickelt, das bei der Aktivierung kognitiver Leistungen bei Demenzpatienten hilft.

Abseits der Büroarbeitsplätze bietet das Unicorn großzügige Besprechungs- und Veranstaltungsräumlichkeiten, die angemietet werden können
© ALEXANDER LELJAK_
Abseits der Büroarbeitsplätze bietet das Unicorn großzügige Besprechungs- und Veranstaltungsräumlichkeiten, die angemietet werden können

Interview: „Das Unicorn verbindet jetzt alles“

Innophore wiederum spielt bei der Bekämpfung des Coronavirus eine zentrale Rolle. Das Start-up von Christian Gruber hat eine auf Künstlicher Intelligenz basierende Suchmaschine entwickelt, die Enzyme in einem Genom findet. So kann erkannt werden, welche Mutationen von COVID-19 die besten Durchsetzungschancen haben und für den Menschen gefährlich sein könnten. Darauf aufbauend machte das Start-up bewilligte Wirkstoffe ausfindig, die das Coronavirus bekämpfen könnten.Julia Taferner arbeitet am Zentrum für Entrepreneurship und ist Expertin für Female Entrepreneurship.

Ist die Steiermark ein guter Boden für Gründer?

JULIA TAFERNER: Ja, es gibt ein gut funktionierendes Ökosystem für Gründer mit vielen guten Netzwerkknoten. Vor allem auch Gründerinnen werden von Anlaufstellen wie den Female Founders gezielt unterstützt. Abgesehen von Wien gibt es so etwas in anderen Bundesländern nicht.

Was kann eine Institution wie das Unicorn bewirken?

Am Zentrum für Entrepreneurship und angewandte Betriebswirtschaftslehre und am Institut für Unternehmensführung wurde schon jahrelang in Richtung anwendungsorientierte Lehre gearbeitet – also Studierenden die unternehmerische Praxis näherzubringen und direkt mit Start-ups zu vernetzen. Am Unicorn verbindet sich jetzt alles: Lehre und Praxis in Form von Studierenden, Start-ups und Inkubatoren.

Was können Studierende dabei lernen?

Dass plötzlich nicht alles so funktioniert, wie es in den Büchern steht. Das dort gebündelte theoretische Wissen ist ohnehin die Grundlage – aber wie funktioniert ein Businessplan jetzt wirklich? Dazu holen wir Start-ups zurück an die Uni, die dann in Vorlesungen, Impulsvorträgen oder gemeinsamen Projekten ihre Erfahrungen einbringen.

Nach dem erfolgreichen Inkubationsprogramm im Science Park Graz ebenfalls im Unicorn eingemietet haben sich Hans-Jürgen Griesbacher und Benjamin Rath. „Die Infrastruktur bietet ein Höchstmaß an Flexibilität, wie sie gerade in der Aufbauphase eines Unternehmens notwendig ist“, lobt Griesbacher. Zusammen mit Rath hat er Trever gegründet. „Wir schließen die Lücke zwischen klassischen Finanzinstituten und Kryptowährungen“, erklärt Griesbacher die Geschäftsidee. Dafür wurde eine Tradingsoftware entwickelt, die den Handel mit Tokens dank Künstlicher Intelligenz vereinfacht und das Verlustrisiko des eingesetzten Kapitals minimiert, so das sechsköpfige Team des 2019 gegründeten FinTech-Start-ups. Darwin Biomedical dagegen zeigt, was das Unicorn auch sein kann: Drehscheibe und Andockstelle für die internationale Start-up-Szene. Das 2019 gegründete spanische Start-up kam über ein Projekt des Geriatrischen Gesundheitszentrums nach Graz: Es überzeugte bei einem Pitch mit seinem sensorbasierten Rollator „Scout“. Er zielt auf einen künftig rasch wachsenden Bedarf in einer demografisch zunehmend überalternden Gesellschaft ab: neue Lösungen für die intelligente Betreuung und Mobilisierung älterer Menschen. In Graz stehen User-Tests, Workshops und Kontaktpflege mit Unternehmen des steirischen Medizintechnik-Clusters am Programm, als „Headquarter auf Zeit“ dient das Unicorn.Garagen-Tipps

Spin-off Lab

In der Werkstatt

HILFE FÜR GRÜNDER

Seit 2013 bietet die Gründungsgarage an der Universität Graz Start-up-Beratung. Studierende aller Studienrichtungen und Hochschulen können sich bewerben. Die zehn besten Ideen schaffen es pro Semester in die Garage und unter die schützenden Hände externer Mentoren. In Coachings und Workshops gibt es Infos rund um Steuerfragen, Patentschutz, Marketing und ein Pitch-Training, vermittelt werden auch Co-Founder.

www.gruendungsgarage.at

Wissenschafter, die auf Basis ihrer Forschungsarbeit eine Geschäftsidee haben und sich selbstständig machen wollen, können sich an das Spin-Off Lab im Unicorn wenden. Die Universität Graz bietet in diesem Rahmen Unterstützung bei Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung in Form eines „Gründungs-Sabbaticals“ und Beratungstätigkeiten von Experten der Universität selbst oder der Industrie.

www.unicorn-graz.at

Mitarbeiter der Universität, die sich mit einer Geschäftsidee oder Innovation selbstständig machen wollen, bekommen in der Unicorn Start-up-Werkstatt professionelle Unterstützung. Gemeinsam mit Experten und erfahrenen Mentoren werden in diesem uni-internen Gründungsprogramm die Pläne konkretisiert und innerhalb weniger Monate zur Umsetzung auf Prototyp-Niveau gebracht. Gearbeitet wird im Unicorn.

www.unicorn-graz.at