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Die Beurteilungen für die Grazer Stadtregierer

Wer hat die Polit-Prüfungen am besten gemeistert? Wer hat mehr getratscht als getan? Die Redaktion der Kleinen Zeitung hat die Stadtpolitik am letzten Zeugnistag vor der Wahl verbal benotet. Wobei klar ist: Das echte Zeugnis stellen die Wähler am 26. September aus.

Siegfried Nagl (ÖVP): Der Duracell-Hase Er regiert und regiert und regiert. Auch im Jahr 19 seiner Amtszeit als Bürgermeister läuft Siegfried Nagl immer noch den anderen davon – der Duracell-Hase des Rathauses. Er läuft so schnell, dass er sogar – nun ja – vergessen hat, die anderen Parteien vom frühen Wahltermin in Kenntnis zu setzen. Ein Foul. Inhaltlich hat Nagl die Themen der Zeit erkannt – zumindest rhetorisch: Mehr Bäume braucht die Stadt, mehr Radwege auch. Ersteres wird im Stückwerk umgesetzt, die Rad-Offensive kennen auch nach zwei Jahren nur die Planer. In der Schule würde man sagen: Tratschen einstellen und konkret arbeiten. Als Freund von Baukränen kreiden ihm viele die Bauwut der Investoren und den Verlust von Grünflächen an. Fazit: (Zu) routiniert, (zu) wenig innovativ, (zu) wenig herausgefordert.
Mario Eustacchio (FPÖ): Der PragmatikerStimme der Autofahrer, Verständnis für rechtsextreme Aktivisten, wenig Verständnis für Ausländer und Klimaschutzpolitik: Man weiß, wofür Vizebürgermeister Mario Eustacchio steht. Von der ÖVP als bequemer Koalitionspartner lange geschätzt, von der Opposition als Nagl-Beiwagerl tituliert, hat er nur zarte politische Spuren hinterlassen: Die Zugangsregeln zum Gemeindebau wurden verschärft, die Marktplätze saniert und er hat blaue Personalpolitik betrieben. Ganz alter Stil. Seine größte Prüfung: Als erster Vizebürgermeister überhaupt musste er sich einem Misstrauensantrag stellen, nachdem er die Identitären gelobt hatte. Bestand die Prüfung dank der ÖVP. Fazit: Pragmatisch, aber wenig Gestaltungswille und kaum Gesprächsbereitschaft gegenüber Institutionen,deren Weltbild er nicht teilt.
Kurt Hohensinner (ÖVP): Der doppelte PrinzDer Mann mit zwei Spitznamen: Prince Charming und Prince Charles. Charming, weil er in seinen Rollen als Sport-, Jugend-, Sozial- und Bildungsstadtrat selbst große Brocken charmant und unkompliziert schultert. Charles, weil er schon lange die Nummer 2 ist – wie der Prinz in England. In Integrationsfragen manchmal populistisch, aber immer ohne Hetze. Sein Motto: Tue Gutes und veröffentliche davon ein Foto in den sozialen Medien.
Elke Kahr (KPÖ): Die Authentische Elke Kahr lässt als Verkehrsstadträtin vor allem ihre Fachbeamten machen. Zum Glänzen reicht das nicht. Auch, weil ihr die ÖVP-FPÖ-Koalition mit Mini-Metro und Radwege-Offensive – marketingtechnisch – die Schneid’ abgekauft hat. Ihre Wähler holt sie aber ohnehin durch ihre Arbeit außerhalb des Rathauses und mit ihrem authentischen sozialem Engagement. Fazit: Dass Nagl & Eustacchio ihr das Ressort gegeben haben, hat weniger ihr geschadet, als der Stadt.
Robert Krotzer (KPÖ): Der Unaufgeregte Der stillste auf der Regierungsbank. Zu Beginn der Coronakrise überließ Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer das Krisenmanagement anderen. Die Unaufgeregtheit wurde im Laufe der Pandemie aber zu einem Plus. Fazit: Auch nach vier Jahren Stadtrat kennen ihn nur Polit-Insider.