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Europa wird neu vermessen

Der 9. Pfingstdialog „Geist & Gegenwart“ diskutierte die Chancen und Herausforderungen Europas nach der Corona-Pandemie.

EU-Kommissar Johannes Hahn, Europaministerin Karoline Edtstadler, LH Hermann Schützenhöfer, LR Barbara Eibinger-Miedl und Club Alpbach Steiermark-Vorsitzender Herwig Hösele
© Foto Fischer
EU-Kommissar Johannes Hahn, Europaministerin Karoline Edtstadler, LH Hermann Schützenhöfer, LR Barbara Eibinger-Miedl und Club Alpbach Steiermark-Vorsitzender Herwig Hösele

ZUM NACHSCHAUEN

Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2005 haben sich die Geist & Gegenwart-Pfingstdialoge zu einem österreichweiten Aushängeschild entwickelt, und ich freue mich, dass wir wieder hier auf Schloss Seggau zusammenkommen können, um über die Zukunft Europas zu diskutieren“, betonte Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer die Notwendigkeit für den heurigen Austausch unter dem Generalthema „Reset Europe“. Zur Bedeutung Europas bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen rief der Landeshauptmann dazu auf, den Stellenwert der EU nicht zu unterschätzen. „Oft sind uns die Nationalstaaten näher als das Dach der Europäischen Union. Doch ohne Europa gebe es weder den Europäischen Aufbauplan zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise noch einen ,Green Deal‘ für mehr Klimaschutz. Letztendlich besteht dieses Europa aus uns allen, wir alle sind ein Teil davon.“Der ORF sendet am Sonntag, 6. Juni 2021, ab 9.15 Uhr eine Zusammenfassung der Höhepunkte des heurigen Pfingstdialoges mit den Höhepunkten auf ORF III.
Alle Live-Mitschnitte des Pfingstdialogs 2021: www.pfingstdialog-steiermark.at

Erstmals wurde der Pfingstdialog via Livestream übertragen
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Erstmals wurde der Pfingstdialog via Livestream übertragen

ZUM REINLESEN

Green Deal und Digitalisierung: Chancen für ein starkes Europa. Wissenschaftslandesrätin Eibinger-Miedl unterstrich bei der Eröffnung die nachhaltige Wirkung, die die Corona-Krise auf alle Lebensbereiche haben werde. „Wir haben uns bereits vor einem Jahr für das Generalthema ,Reset Europe‘ entschieden, da eine Neuvermessung Europas aufgrund der Folgen der Pandemie ein Gebot der Stunde ist. Wir können und dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern brauchen langfristige Strategien für den Aufschwung Europas.“ Für diesen Aufschwung gebe es gerade in Österreich und der Steiermark gute Voraussetzungen. Gerade bei den Themen „Digitalisierung“ und „Green Deal“ sieht Eibinger-Miedl Herausforderungen, aber auch Chancen. „Österreich und die Steiermark als eine der forschungsstärksten und innovativsten Regionen Europas können viel dazu beitragen, als ein stärkeres Europa aus der Krise hervorzugehen.“Reset Europe. Impuls für die Zukunft Europas.
Hg. von H. Hösele und L. Wieser, eine Begleitpublikation mit über 40 Beiträgen u. a. von Ivan Krastev, Barbara Frischmuth, Andreas Treichl, Katja Gentinetta, Daniel S. Hamilton und Hermann Glettler. Impulse kommen auch aus steirischen Forschungsprojekten. Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag:
www.wieser-verlag.com

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Große Dinge gemeinsam lösen. Die Europaministerin Karoline Edtstadler unterstrich ebenfalls die Bedeutung eines stärkeren Europas für die Zukunft. Dabei sei es keineswegs antieuropäisch, auch Kritik an der EU zu üben. Allerdings habe Corona uns noch einmal deutlich gemacht, „dass wir große Dinge nur gemeinsam lösen können. Hier müssen wir zusammenarbeiten, und die Europäische Union hat in der Krise gezeigt, dass sie funktioniert.“ Ziel für die Zukunft müsse es sein, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen, um resilienter und stärker werden. „Dies soll im Zuge der Zukunftskonferenz der Europäischen Union gelingen, die am 9. Mai gestartet wurde und den Bürgerinnen und Bürgern eine große Chance der Mitgestaltung bietet“, lud Edtstadler auch die Österreicherinnen und Österreicher zur gemeinsamen Diskussion ein.

Rainer Nowak moderierte das Forum Generale mit Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, Europaministerin Karoline Edtstadler, der Ökonomin Monika Köppl-Turyna und WKO-Präsident Harald Mahrer
© Foto Fischer
Rainer Nowak moderierte das Forum Generale mit Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, Europaministerin Karoline Edtstadler, der Ökonomin Monika Köppl-Turyna und WKO-Präsident Harald Mahrer

Europa ist das, wofür es sich stark macht. In guter Tradition war ein Vortrag des Pfingstdialogs stets einem geistig-spirituellen Input gewidmet. Mit dem Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler sprach ein gebürtiger Steirer über das spirituelle Fundament Europas: „Ihr, das Salz. Christliche Spiritualität, um an Europa wieder Geschmack zu finden?“ Europa stehe am Ausklang der Pandemie erneut an einem Wendepunkt, weshalb eine Wiederbelebung des Dialogs über die Seele Europas notwendig sei. „Europa ist das, wofür es sich stark macht und wofür es seine gemeinsamen Anstrengungen bündelt und sein politisches Gewicht in die internationale Waagschale wirft.“ Dabei dürfe die Diskussion aber nicht theoretisch, sondern müsse von einer geistvollen Umsetzung geprägt sein. Hier könne die Kirche eine wichtige Rolle spielen, da christliche Werte bis heute den gesellschaftlichen Grundkonsens in Europa bilden. Die Vielfalt christlicher Spiritualität könnte Modell für eine „Spiritualitäts-Fitness Europas“ sein, führte Glettler aus.

Sozialen Frieden und Wettbewerbsfähigkeit sichern. EU-Kommissar Johannes Hahn plädierte in seinem Vortrag für mehr Selbstbewusstsein der Europäer. „Wir leiden unter einem mangelnden Selbstbewusstsein dessen, was Europa ausmacht, darstellt und was wir in der Welt an Relevanz haben. Es gibt nur China und die USA, die mit Europa international auf Augenhöhe sind. Dessen müssen wir uns bewusst sein und das ist eine große Herausforderung für die Zukunft.“

Europa müsse bereit sein, diese politische und wirtschaftliche Relevanz auch international einzusetzen und seine Möglichkeiten als der „internationalste Kontinent“ zu nutzen. Dies werde durch den Ausbau- und Resilienzfonds verstärkt passieren, wenn die Europäische Union gemeinsame Anleihen aufnimmt. „Europa steht in Wahrheit besser da, als wir uns selbst darstellen. Am Ende reduziert sich alles auf die Frage, wie wir den sozialen Frieden nach Innen und Wettbewerbsfähigkeit nach Außen sichern können, um unseren Wohlstand und unsere Lebensqualität zu erhalten. Dazu haben wir alle Voraussetzungen und für diesen „European Way of Life“ lohnt es sich zu leben.“