Karriere im Sauseschritt
Barbara Fellners Karriere ist das beste Beispiel, warum sich junge Frauen für einen MINT-Beruf begeistern sollten. Ihre Leidenschaft fürs Arbeiten mit Stahl war dabei für sie selbst eine Überraschung.

Was hat Sie dazu bewogen, sich einem technischen Beruf zuzuwenden?
Barbara Fellner: Ursprünglich habe ich den Beruf „Bürokauffrau“ erlernt. Nach zehn Jahren in dem Job bin ich an den Punkt gekommen, an dem für mich klar war, dass ich mich verändern möchte. Daher begann ich mich zu erkundigen, welche Ausbildung in Frage käme und entschied mich schließlich für die Maschinenbau-Abendschule mit Matura. Der ursprüngliche Plan war, danach ein Studium zu beginnen. In der Werkstatt der HTL habe ich allerdings meine Leidenschaft fürs Arbeiten mit Stahl entdeckt. So entschied ich mich nach dem ersten Jahr an der HTL parallel eine Lehre im zweiten Bildungsweg bei der Firma Kristl, Seibt & Co zu absolvieren.
Ganz kurz
Waren die Werkstätten Ihr erster Kontakt zu technischen Tätigkeiten?
Ja, bis dahin habe ich nicht gewusst, dass ich ein Händchen dafür haben könnte. In meiner Jugend hatte ich immer eher das Gefühl, keine Begabung für handwerkliche Berufe zu haben. Es war schön, festzustellen, dass ich mir diese Fähigkeiten aneignen konnte. Heute hängt mein Herz noch immer am Stahlbau und am Schweißen, auch wenn ich mittlerweile die Produktionsleitung übernommen habe. Ein lebloses Material lebendig werden zu lassen und daraus etwas Funktionierendes zu fertigen ist ein großartiges Gefühl.MINT-Berufe bieten ausgezeichnete Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten. Dennoch liegt der Frauenanteil in ingenieurstechnischen Tätigkeiten laut einem Bericht des AMS von 2016 bei nur acht Prozent, wobei ein leichter konstanter Anstieg zu beobachten ist.
Du interessierst dich für Technik, weißt aber nicht, ob du ein Händchen für einen solchen Beruf hast? Der Girls Day und die BeSt3 mit Schwerpunkt Frauen in MINT bieten dir einen Einblick in die Berufswelt und die Möglichkeit, deine Talente zu entdecken.
Der Frauenanteil ist in MINT-Ausbildungen und Berufen nach wie vor gering. Wie haben Sie dies in ihrer Ausbildung erlebt?
In der HTL waren wir am Beginn mehrere Damen – am Ende waren wir nur noch zu zweit. Von den Lehrern gab es von vornherein viel Unterstützung – hier wurde aufgrund des Geschlechts kein Unterschied gemacht!
Allgemein kann ich dazu sagen: Es wird leider immer Vorurteile über Frauen in der Technik geben. Es kommt allerdings auch darauf an, wie man selbst mit diesen umgeht. Wenn ich mit Vorurteilen konfrontiert werde, sehe ich das nicht unbedingt als negativ an, sondern betrachte es eher als Herausforderung. Dazu kann ich zu diesem Thema auch viele positive Entwicklungen beobachten. Bei uns im Unternehmen ist die Damenanzahl bei den Lehrlingen z. B. steigend. Auch bei den Bewerbungen ist ein Trend hin zu mehr Bewerberinnen zu beobachten.
Was würden Sie Mädchen mit auf den Weg geben, die sich für einen MINT-Beruf interessieren?
Ich denke, dass jeder seinen Weg selbst finden muss. Schnuppertage sind dabei sehr hilfreich. Bei Kristl, Seibt & Co gibt es zum Beispiel die Möglichkeit zu schnuppern. Es ist wichtig, an sich selbst zu glauben und sich nichts einreden zu lassen. Egal ob Frau oder Mann. Wenn jemand etwas erreichen will, ist das Geschlecht unwichtig. Dazu ist ein großer Vorteil in unserem Land, dass wir unseren Beruf auch wechseln können, um am zweiten Bildungsweg eine ganz neue Karriere zu starten. Für mich war die Abendschule eine herausfordernde Zeit. Dennoch bin ich mehr als froh, diesen Weg gewählt zu haben.