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Morgenstern-Preis: Zwischen den Welten

Der Morgenstern-Preis des Landes Steiermark geht an Moritz Weiß. Der Grenzgänger zwischen Jazz und Klassik schlägt auch Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Um all seine musikalischen Pläne unter einen Hut zu bringen, hat Weiß (Mitte) die „Styria Klezmer Connection“ gegründet
© Reithofer Media
Um all seine musikalischen Pläne unter einen Hut zu bringen, hat Weiß (Mitte) die „Styria Klezmer Connection“ gegründet

Es ist eine große Ehre und Anerkennung“, freut sich Weiß über den Morgenstern-Preis. „Es ist ein schönes Gefühl und grandios, ein steirischer Kulturpreisträger sein zu dürfen.“ Dies helfe ihm auch gegen die schwachen Momente, wenn er sich als Künstler nach der Sinnhaftigkeit seines kreativen Lebens fragt: „Das ist eine offizielle Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein.“ Das Preisgeld findet er total lässig, denn das ermöglicht ihm nun, „Ideen aus der zweiten Reihe“ zu
verwirklichen. Und Ideen hat er mehr als genug.

Seit früher Jugend setzt sich Moritz Weiß aktiv mit Klezmer Musik auseinander. Auch seine Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) behandelte dieses Thema. Die Recherchearbeit zur Philosophie und Herkunft von Klezmer – die traditionelle Instrumentalmusik osteuropäischer Juden –, offenbarte Weiß auch seinen Zugang zur Musik. Das Wort selbst bestehe aus zwei Wortteilen: Gefäß und Musik. Das Gefäß trage die Gabe in sich, auf die Ursubstanz, die Urkraft der Welt zurückzugreifen und diese an sein Umfeld weitergeben zu können. „Das ist für mich der grundlegende Zugang zur Musik.

Morgenstern-Preis

Moritz Weiß, geboren 1996, besuchte das Musikgymnasium Dreihackengasse in Graz. Seit 2016 studiert er IGP Klarinette, Musik und Psychologie/Philosophie in Wien. moritzweiss.at

Das genau ist die Idee, die hinter dem Musizieren steht“, sagt Weiß. Es seien die Ausdruckskraft und die Emotionen, die ihn dabei am
meisten faszinieren. Das Moritz Weiß Klezmer Trio spinnt die Geschichte Klezmer weiter und erzählt diese in einer wunderbar erweiterten musikalischen Sprache neu.

Moritz Weiß
© Reithofer Media
Moritz Weiß
© Reithofer Media

Jurybegründung

Seit ihrem Debüt mit dem Album ‚Spheres‘ (2017) schlägt das virtuos aufspielende Trio die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und lässt in respektvoller Verneigung vor der jüdischen Musiktradition diese auf Musikformen und -stile anderer Epochen treffen. In den von anspruchsvoll strukturiert bis energiegeladen reichenden Stücken des jungen Dreiergespanns verwebt sich der Klezmer in kunstvoller und vielschichtiger Art mit Elementen unter anderem des Jazz und der Klassik.
Der in Feldbach geborene Musiker und Komponist Moritz Weiß klinkt sich auf sehr eigenständige und künstlerisch überzeugende Weise in die Tradition der Klezmermusik ein.

In seinen diversen Projekten realisiert er Musik,
durch die die Jahrhunderte nachhallen, die aber nie gestrig wirkt. Für Moritz Weiß ist die Klezmer Tradition das Sprungbrett in die musikalische gesellschaftliche Gegenwart.

Mit seinem international längst beachteten Klezmer Trio zeigt er sich als hervorragender Instrumentalist, ein neuer Geschichtenerzähler aus der langen Reihe von Klezmorim, Klarinette die enorme Bandbreite dieser Musik hörbar machen, einer Musik, in der Lebensfreude und Melancholie unentwirrbar ineinander verflochten sind.

Weiß wählt vielfältige Formen und Zugänge zu dieser als Genre neugeborenen Folklore, er mengt Jazz, Pop und Performatives ein und geht auch über die reine Kunstproduktion hinaus. Sein Mitwirken an Vermittlungsprogrammen zeigt, dass seine Beschäftigung mit jüdischer Musik und Kultur auch das Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft miteinschließt. Deshalb hat die Jury ihn einhellig als würdigen nächsten Preisträger des „Morgenstern“ erachtet.