Bildende Kunst: „Ein ewiges Herantasten“
Anita Leisz erhält den Würdigungspreis für bildende Kunst des Landes Steiermark. Wir sprachen mit der Leobener Künstlerin über das Sichtbarmachen des Lapidaren, Arbeitsprozesse und was „Erfolg“ so heißen kann.

Ihre Arbeit seien ein Mix aus Minimal Art und gegenstandsloser Malerei. Und Sie spielen mit dem „Sichtbar machen“ von vermeintlich Lapidarem, auch mit dem Überraschen. Kunstwerke definieren den Raum, in dem sie platziert sind und schärfen so den Blick der Betrachter*in. Sind diese Beobachtungen richtig?
ANITA LEISZ: Ausstellungsräume erfüllen eine verlässliche Bedingung, wer sie betritt, ist bereit, sich mit Kunst zu beschäftigen. Das hilft mir. Ich kann darauf nicht nur aufbauen, ich kann es strapazieren.
Wie entstehen Ihre Werke, wann entscheiden Sie über Form und Materialität? Wann kommt der Ort – als Display? – zum tragen?
Im Wesentlichen gibt zwei Arbeitsorte. Der Ausstellungsraum und meine Werkstatt. Sie ist ein ca. 15 Meter langer und sechs Meter breiter Raum, der selbst am Tag die volle Neonbeleuchtung benötigt. Es gibt eine Schauwand, die von meinem Sitzplatz zehn Meter entfernt ist. Damit lässt sich das Aussehen eines Objektes sowohl von der Ferne als auch von Nähe ganz gut überprüfen. Ich denke, würde ich in einem anderen Raum arbeiten, würden die Arbeiten wahrscheinlich auch anders aussehen. Ich verlängere meinen Vertrag alle drei Jahre, und ich rechne immer damit, dass sich meine Arbeitsbedingungen ändern könnten. Dem sehe ich mit Furcht, aber auch mit Freude entgegen.

Manche Ihrer Werke changieren zwischen Malerei und Skulptur, andere sind fragmentiert. Können Sie Ihren Arbeitsprozess beschreiben?
Ein ewiges Herantasten. Ich habe keine vorgefassten Pläne, was
den Produktionsprozess wesentlich macht. Es wird etwas aufgebaut, und die Veränderungen werden beobachtet. Es ist kein Zufall, wenn sich manche Objekte der Definition entziehen, sich nicht dingfest machen lassen, flüchtig bleiben. Einem Bretterl solche Wesenseigenschaften zu verpassen, ist freilich sportlich. Doch es sind solche Stellen, an denen gearbeitet wird; es sind Grundfragen, die mich beschäftigen.
Jurybegründung
Anita Leisz’ Malereien, Skulpturen und Installationen sind durch ihre Ambivalenz als Werke zwischen Industrieproduktion und individueller Fertigung charakterisiert.
Baumaterialien, z. B. verschiedene Formen von Faserplatten, Metalle oder Bleche, werden präzise und aufwändig bearbeitet und in Bezug zu Räumen und Betrachterinnen gebracht.
Ästhetisch der Minimal Art, aber auch der gegenstandslosen Malerei nahestehend, zeigt die Künstlerin punktgenaue und unmittelbare Setzungen. Kratzer und Schrammen in der Oberfläche sind malerische Eingriffe, die die Wahrnehmung herausfordern.
Die Kunst von Anita Leisz ist sensibel wie kraftvoll, körperlich wie illusionistisch – stets aktuell, doch kein Mainstream. Der subtile Umgang mit Material und Form ergänzt sich durch das konsequente Denken und Wissen um Gegenwart.
Wenn man in Ihrer Biografie liest, wo Sie überall ausgestellt und gearbeitet haben (mumok, Belvedere 21, Kunsthalle Bern …), so ist das eine Erfolgsgeschichte. Was ist Erfolg für Sie persönlich?
Ich habe mittlerweile eine bestimmte Übung und ich kann mich auf ein paar Sachen verlassen. Wenn, um etwas herauszufinden, es dann doch mit der Zeit knapp wird – will ich es oft trotzdem. Wenn das dann tatsächlich gut geht, ist das ein sehr schöner Moment.
Bildende Kunst
Anita Leisz, geboren 1973 in Leoben. Nach ihrem Abschluss an der Grazer Ortweinschule studierte sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Franz Xaver Ölzant und Michelangelo Pistoletto.
Zahlreiche internationale Ausstellungen.