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Wirtschaft & Geld

Ex-Audichef vor Gericht

In München muss mit Rupert Stadler erstmals ein Top-Manager des VW-Konzern sich wegen des Dieselskandals vor Gericht verantworten.

vor 6 Jahren1. Oktober 2020 um 05:56
Der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler muss sich als erster Volkswagen-Manager für den Dieselskandal vor einem deutschen Gericht verantworten. Am Landgericht München begann am Mittwoch der Prozess gegen Stadler und drei weitere Audi-Manager, die an der Entwicklung der manipulierten Dieselmotoren beteiligt waren. Die Staatsanwaltschaft München II wirft ihnen Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung in bis zu 434.000 Fällen vor.  
Bei Stadler geht es darum, dass er als Audi-Chef den Verkauf von Neuwagen in Europa nicht sofort gestoppt hatte, als die US-Umweltbehörde im September 2015 die manipulierte Steuerungssoftware entdeckt hatte.
Stadler und der ehemalige Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz, der vorher für die Motoren-Entwicklung bei Audi verantwortlich war, haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Beide saßen monatelang in Untersuchungshaft: Stadler gut vier, Hatz sogar neun Monate. Während dieser Zeit verlor Stadler 2018 seinen Posten
Optisch ging er zum Prozessauftakt auf Distanz zu der Marke mit den vier Ringen: Er fuhr in einer anthrazitfarbenen S-Klasse von Mercedes vor dem Münchner Gefängnis Stadelheim vor, wo die Verhandlungen stattfinden. Im dunkelblauen Sakko und weißem Hemd, aber ohne Krawatte, den Rucksack über der Schulter, ging der gebräunte Stadler kommentarlos an den Journalisten vorbei. Richter Stefan Weickert hat 181 Sitzungstage angesetzt, so dass sich das Verfahren bis Ende 2022 ziehen könnte. Die umfangreiche Beweiserhebung zu technischen Fragen und zur Verantwortung der Angeklagten sowie zur Schadenhöhe machten den Prozess komplex, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Andrea Mayer.
Stadlers Verteidiger Thilo Pfordte verlangte zu Beginn des Prozesses Auskunft von den fünf Richtern der großen Strafkammer, ob sie oder Familienangehörige in der Zeit der Manipulationen von 2009 bis 2018 Autos mit Dieselmotoren gefahren seien, die bei VW entwickelt wurden. Einen Befangenheitsantrag stellte er zunächst nicht.
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