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Preisgekrönte Worte

Nach dem Erfolg von „Sechzehn Wörter“ veröffentlicht die im Iran geborene Nava Ebrahimi im Frühjahr ihren zweiten Roman.

Nava Ebrahimi, geboren 1978 in Teheran/Iran, wuchs in Köln auf und kam 2012 nach Graz, lebt und arbeitet hier. Sie studierte Journalismus und Volkswirtschaftslehre in Köln und arbeitete unter anderem als Redakteurin bei der Financial Times Deutschland und der Kölner StadtRevue.
© Clara Wildberger
Nava Ebrahimi, geboren 1978 in Teheran/Iran, wuchs in Köln auf und kam 2012 nach Graz, lebt und arbeitet hier. Sie studierte Journalismus und Volkswirtschaftslehre in Köln und arbeitete unter anderem als Redakteurin bei der Financial Times Deutschland und der Kölner StadtRevue.

Schaffe ich es, aus mir etwas herauszuholen, was andere lesen?

— Nava Ebrahimi
Nava Ebrahimi, Literatur
© Clara Wildberger
Nava Ebrahimi, Literatur

Morgensternpreis: Jurybegründung

Das Schreiben von Romanen ist mitunter etwas sehr Intimes. Denn wenn das Manuskript einmal soweit fertig ist, dass es aus der Hand der Autorin in die Hand der Lektorin gegeben wird, macht sich ein Gefühl des Ausgeliefertseins und der Verletzlichkeit breit.
Das erzählt die in Teheran geborene Autorin Nava Ebrahimi über eines ihrer Gefühle, das beim Schreiben eine scheint’s unabdingbare Begleiterscheinung ist. Vor allem bei ihrem zweiten Roman „Das Paradies meines Nachbarn“, der im Frühjahr 2020 erscheinen wird, gab es unterschiedliche emotionale Phasen. Vielleicht auch deshalb, weil die in Köln aufgewachsene Schriftstellerin an ihr zweites Buch völlig anders herangegangen ist als an ihr erstes.

Ihr erster Roman „Sechzehn Wörter“, der 2017 erschienen ist und sogleich mit dem Debütpreis des Österreichischen Buchhandels ausgezeichnet wurde, war als Geschichte in Fragmenten schon lange in Nava Ebrahimis Kopf vorhanden. Sie musste ihn „nur mehr“ in eine Struktur gießen, und sie musste in ihrem Alltag den richtigen Platz finden, um das Buch auch zu schreiben. Den Platz fand sie 2012 mit ihrem Umzug nach Graz. Der Roman ist die Geschichte einer Frau, der in Köln lebenden Mona, die nach dem Tod der Großmutter im Iran beschließt, mit ihrer Mutter dorthin zu reisen.
Für ihren zweiten Roman erschuf Ebrahimi über penibelste Recherchearbeit die Figuren zweier Produktdesigner, von denen einer Kindersoldat im Iran-Irak-Krieg gewesen war. Seine Erlebnisse und Traumata finden in einem offensiven, nahezu heroischen Umgang Ausdruck: Er habe alles gesehen und daher keine Angst mehr vor irgendetwas.

Nava Ebrahimi zeigt anhand ihrer Figuren aber auch die aktuelle Debatte um die Krise der Männlichkeit: Was darf ein „starker Mann“ heute sein? Und wie lebt sich das Dilemma mit der Sehnsucht nach einem „starken Mann“? Für diesen Kindersoldaten hat sie Anleihe an einer medial bekannten Person genommen: „Diese reale Person provoziert, dass man sie dekonstruiert.“ Noch eine weitere Figur in ihrem neuen Buch ist ein ehemaliger Kindersoldat, der nun im Rollstuhl sitzt und an den Folgen eines Giftgasangriffes leidet. Die Geschichten der drei Männer verknüpft sie über ein Familienband.
Morgenstern-Preis des Landes Steiermark, unterstützt durch die Kleine Zeitung. Preisträgerin: Nava Ebrahimi
Mit Nava Ebrahimi ging der Morgenstern-Preis an eine Grazer Schriftstellerin, die sich abseits der Trampelpfade des Literaturbetriebs in die erste Reihe der jüngeren deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geschrieben hat.
Ihre sorgfältig konstruierte Erzählprosa kreist um Themen wie Identität und Herkunft, ohne sich im Subjektiven zu verstricken. Stattdessen gelingt es der Autorin, größere geopolitische Zusammenhänge zu skizzieren, die uns alle betreffen. Eingewoben in durchaus lesefreundliche Plots, legen ihre historisch-soziologischen Analysen die Finger auf die Wunden unserer Zeit.
„Schreiben ist für mich der Weg, mit den Widersprüchen, mit den Ambivalenzen und Ambiguitäten des Lebens fertig zu werden“, sagt Ebrahimi. „Einzig Kunst und in meinem Fall die Literatur kann meiner Meinung nach der Komplexität, der Vielschichtigkeit der Dinge gerecht werden.“