Suche

Der Karst – steinige Pracht über und unter der Erde

Der Karst ist eine landschaftliche und kulinarische Besonderheit im nordöstlichsten Zipfel Italiens. Eine Landschaft, mit der man Freundschaft schließt. Radfahren, Wandern, in imposante Grotten hinabsteigen und die authentischen Speisen und autochtonen Rebsorten wie Terrano, Glera und Vitovska genießen.

© Marco Milani

Der Weg zu einer tiefen Freundschaft mit dem Karst ist steinig. Steinig wie die aufgeschichteten Mauern, die sich als Schutz gegen die wüten­de Bora durch die Landschaft zie­hen. Steinig wie die alten Häuser in den engen Gassen der Dörfer Medeazza, Malchina, Santa Croce, Prosecco, San Pelagio, Contovel­ lo oder Bagnoli della Rosandra. So wie die rote Erde (Terra Ros­sa), in der sich die Wurzeln des blutroten Terrano tief in die Erde graben, um die Mineralien des Bo­dens an die Trauben weiterzuge­ben und felsig wie die Hundert­schaft an Höhlen und Grotten, die den Karst wie einen Emmentaler Käse durchlöchern. Doch wenn man einmal Freundschaft mit der auf den ersten Blick archaischen, oft abweisenden Landschaft ge­schlossen hat, das unsagbar blaue Meer in der Ferne, die rosa­ rote Zartheit der Perückensträucher im Frühjahr und im Herbst, das „in allen Rottönen „brennen­ de Laub“ („il Carso brucia“) erlebt hat, kann man sich nicht mehr trennen. So ist es eben mit guten Freunden.

Hübsch geschichtete Steine in der Osmiza
© Tschernitz
Hübsch geschichtete Steine in der Osmiza

Die Besitzer der Osmiza „Torri di Slivia“ in Slivia besitzen seit 1990 eine Privatgrotte. Wenn man sich vorher anmeldet, darf man in einem kleinen Zug zur Grotte schaukeln. Nach 50 steilen Stufen tut sich eine wunderbare, bunte Welt aus Stalagmiten und Stalag­titen auf – Tropfen für Tropfen er­baut in Jahrmillionen. „Torri di Slivia“ ist zwar ein gutes Stück kleiner als die „Grotta Gigante“ in deren unterirdischen Saal der Petersdom passen soll, aber durch ihre Formationen wunder­schön.

Imposante Grotten
© Anja Cop (POR FESR 2007-2013)
Imposante Grotten

Auch Benjamin Zidarich hat eine private Grotte, dort lagert er in mehreren Etagen bei beständi­gen 15 Grad Celsius seine Weine: Malvasia, Vitovska und Terrano, die er auch in seiner Osmiza aus­ schenkt. Ebenso Nachbar Edel­winzer Sandi Skerk nützt die Natur mit ihren großzügigen Lagerräumen unter der Erde. Am Ortsrand von Prepotto geht Dario Zidarich einem ganz anderen Erwerb nach: Er erzeugt Käse aus Kuhmilch. Alle vier Monate schultert er ein paar Käselaibe und seilt sich in seine 70 Meter tiefe Höhle ab. In vier Mona­ten nimmt der Käse die Mineralien der Felsen in sich auf, dann wird er, unter dem Namen Jamar, wieder an die Oberfläche transportiert. „Ein gefährliches Unterfangen“, sagt Dario, doch was tut man nicht für den besten Käse im Karst.

Wenn im Herbst die Bora oft mit 160 Stundenkilometern übers Land fegt, an Fensterläden rüttelt und die Landschaft zerzaust, freut sich Familie Pahor in Jamiano, nahe dem Karstsee Doberdo, der einmal verschwindet, um dann wieder an die Oberfläche zu kom­men. Die Bora lässt ihren Pršut perfekt trocknen und reifen.

GUT ZU WISSEN

Branzino – Wolfsbarsch
Orata – Goldbrasse
Dentice – Zahnbrasse
Sogliola – Scholle
Cozze oder Pedoci – Mies­muscheln

Vongole – Venusmuscheln
Gamberetti – Garnelen
Aragosta – Hummer
Capelunge – Messermuscheln
Capesante – Jakobmuscheln
Gambero – Languste
Calamari – Tintenfische

Im Val Rosandra wiederum sorgt die salzige Meerluft für das einzig­artige Aroma des „Olio extra­ vergine di oliva Tergeste“ aus der autochthonen Bianchera­-Olive.

Der Karst ist eine „Traumge­gend“ für Wanderer und Radfah­rer. Zahlreiche, gut beschriebene Wege führen durch die Land­schaft und überall wird man eine einladende Osmiza finden oder gastliche Bauern, die vorwiegend zur slowenischen Minderheit ge­hören. Sie laden zu einer Jause und einem kühlen Glas Wein. Die meisten gut beschriebenen Wege führen ans Meer, wie zum Beispiel der Fischer­, der Salbei­, der Ril­keweg, die Via Napoleonica oder der Alpe Adria Weitwanderweg, der zwei Etappen lang durch den Karst bis Muggia führt.

Auf gut beschriebenen Wegen durch den „brennenden Karst“ wandern
© Marco Milani
Auf gut beschriebenen Wegen durch den „brennenden Karst“ wandern

ZU DEN GROTTEN

Auch Radfahrer machen eine gute Figur. Sie können nicht nur durch die Karstdörfer, sondern abseits der Straßen über Stock und Stein radeln. Und wer es ganz gemütlich ha­ben will, schnappt sich einen Bus der Linie 44, der von einem Dorf zum anderen schaukelt – und das um weniger als fünf Euro.
Torri di Slivia
Aurisina Cave 62
0039 338 3515876

Grotta Gigante
Sgonico
0039 040 327312