Osmiza – eine sympathische kulinarische Besonderheit
Rote Pfeile mit grünen Laubbuschen, die unübersehbar an vielen Wegbiegungen im Karst sprießen, weisen zu einer sympathischen kulinarischen Besonderheit dieser Gegend: die Osmize.

Es ist nur ein begrenztes Gebiet zwischen Medeazza und dem Val Rosandra, in dem rund 200 urige Buschenschenken an einigen Tagen im Jahr die Tore öffnen. Es gibt Osmize für jeden Geschmack: nobel ausgestattet, mit Meer oder Weingartenblick, urig in Garagen, mit Biertischen und karierten Wachstischtüchern, in Innenhöfen alter Karsthäuser oder mitten im Garten. Hier treffen Arbeiter in ihren Monturen, junge Leute mit Kindern und Hunden, betuchte Triestiner aufeinander. Es herrscht Trubel, Heiterkeit und ausgelassene Stimmung, die man unschwer am Lärmpegel erkennen kann.
Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling den Karstboden erwärmen und der Duft von Gelsomino über den Dörfern hängt, sind die Buschenschenken erste Anlaufstellen für hungrige und durstige Einheimische und Gäste. Hier bekommen sie von den Bauern selbstgemachte Köstlichkeiten, wie rohen und gekochten Schinken, Salami, Würste, Ossocollo, Bauchfleisch mit Kren und wildem Fenchelsamen, Käse, in Karsthöhlen gereift, hartgekochte Eier, frisches Weißbrot und ein gelegtes Gemüse.
Etwas Süßes ist selbstverständlich, sei es ein Mandelkuchen alla Nonna, Apfelstrudel, Palatschinken oder eine Piersolada (in Wein eingelegte Pfirsiche). Keine Teller, kein Besteck, kein Tischtuch. Man holt sich seine Jause am Brett selbst und spießt die Spezialitäten auf den Zahnstocher. Dazu gibt’s roten Terran und die weißen Sorten Vitovska und Malvasia in Krügen. Sie haben zwar nicht die Qualität, die die berühmten KarstWinzer mittlerweile hervorbringen, passen aber gut zur Jause. Die Brieftasche belasten sie mit höchstens fünf Euro pro Liter. Wenig Komfort, aber jede Menge Gemütlichkeit und wohlfeile Preise.
GUT ZU WISSEN
Woher der Name Osmiza stammt? Kaiser Josef II. wollte den verarmten Bauern im Karst Gutes tun und stattete sie per Dekret von 1784 mit dem Privileg aus, an acht Tagen im Jahr (im Slowenischen heißt acht osem) ihren Wein und die selbstgemachten Produkte zu verkaufen. Eine kulinarische Institution, die sich schon 235 Jahre hält.
Internet. Um den Überblick zu wahren, welche gerade geöffnet hat, sollte man im Internet (www.osmize.com, Osmize aperte oggi?) nachsehen.
Auf der gut gemachten Website findet man die offenen Osmize in der Nähe, samt Adressen, Telefonnummern, Fotos, Wegbeschreibungen, Wetterbericht.
Öffnungszeiten. Osmize sind meist von 10 bis 23 Uhr geöffnet. Die Osmize-Betreiber wechseln sich so geschickt ab, dass das ganze Jahr über welche geöffnet haben.
Busse. Zwischen den Karst Dörfern verkehren öffentliche Busse (Nummer 44).