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Der Welt größte Segelregatta

Ein Meer von Segeln bei der Barcolana am 13. Oktober 2019. Über 2000 Boote werden erwartet, denn: „Dabei sein ist alles.“

© MASSIMO CETIN

Man zählte 47 Segelboote. Das war bei der ersten Segelregatta Coppa d’Au­tunno im Jahr 1969, die zehn Ra­gazzi organisiert haben. Seither findet das Fest der Segler im Golf von Triest jedes Jahr am zweiten Sonntag im Oktober statt. Aus den 51 Segelbooten ist längst ein Meer an Jachten geworden. Der Startschuss wird heuer am 13. Ok­tober um 10 Uhr abgefeuert.

Ein Fest für alle Segler

Spannend, wenn sich zeitgleich Tausende Segelboote in Bewe­gung setzen. Die großen Jachten ziehen schon bald mit geblähten Segeln davon. Dahinter kleinere Boote mit weißen und bunten Segeln. Umringt von einem Kranz Schaulustiger, die sich in Schlauch­-, Motor­- und Ruderbooten so weit wie möglich zum Ort des Geschehens vordrängeln. Ab und an werden sie von Polizei­booten mit heulenden Sirenen abgedrängt und von der Marine­polizei mit strengen Blicken be­dacht.Peter Bartl, Rechtsanwalt, Graz: „Die Barcolana ist ein großes Fest für alle Segler. Wahrscheinlich das größte der Welt, kombiniert mit italienischer Fröh­lichkeit. Die ganze Region arbeitet unbürokratisch, damit die Veranstaltung gelingt.

Die Regatta ist eine Mischung aus verbissenen Segelprofis und Ge­nießern. Ich habe schon ein Bläserquartett an Bord und fröhliche Partys erlebt. Egal auf welchen Plät­zen man landet, Hauptsache, man ist dabei.

Bei steifer Brise dauert es unge­fähr zwei Stunden, bis die Boote um die Bojen turnen und ins Ziel bei Miramare einfahren. Es gab aber auch Tage, an denen gar nichts ging. Traurig dümpelten die Boote vor sich hin, dann musste die Barcolana abgebrochen wer­den. Der langjährige Teilnehmer Paolo Garaffa erinnert sich an eine Barcolana, als die Bora über den Golf fegte und Segelmasten bra­chen wie Zündhölzer. „Damals gab es Verletzte, das war nicht mehr lustig. Aber so ist das Meer“, meint er achselzuckend.

Auf den vorderen Plätzen

Andreas Heim, Arzt, Villach: Ich habe meinen Lie­geplatz für die Elan 410 in Triest, da ist es logisch, dass man teilnimmt. Ich landete mit meiner Crew meist auf Plätzen zwischen 50 und 100. Heuer wer­de ich pausieren, denn mir ist die Barcolana mitt­lerweile zu kommerzialisiert.

Die Zeltstadt gleicht dem Villacher Kirchtag, das hat mit Segelsport Jahr aufs Neue nicht mehr viel zu tun. Wenn die Wertschöpfung im Vordergrund steht, ist es nicht mehr lustig.

Villacher Kirchtag auf Triestinisch

Der Präsident der Seglergesell­schaft Barcolana­ Grignano, Mitja Gialuz, rechnet heuer mit rund 2000 Booten. Bei der 50. Jubiläums­-Barcolana im Vorjahr zählte man 2689 Teilnehmerboote. Da­ mit war der Einzug in das Guin­ness­-Buch der Rekorde als größte Segelregatta der Welt besiegelt. Angeregt wurde auch eine öffent­liche Diskussion über das Meer und den Umweltschutz. Dank der Unterstützung der britischen Ozeanseglerin Dee Caffari wird bei der Barcolana Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle spielen: Im Mit­telpunkt steht das Umweltprojekt #UnPlasticTrieste, um den Menschen den Plastikwahnsinn be­wusst zu machen.Christof Zernatto, ehemaliger Landeshauptmann von Kärnten, Treffen: „Ich bin einmal mitgefahren, wir hatten auf unserer Jacht, einer First 47.7, großen Spaß. Was die Freude trübte, war eine Mega­ Flaute, die Regatta musste vorzeitig abgebrochen werden.

Der eigentliche Reiz der Barcolana ist der Volksfestcharakter. Ganz Triest ist auf den Beinen, es ist wie der Villacher Kirchtag, auf Trestinisch. Sportlich ist die Barcolana aber nicht die große Herausforderung.

© Privat

58. Platz bei der Jubiläums­-Regatta

Die Barcolana ist eine Volks­-Re­gatta, bei der sich Tausende Gleichgesinnte zusammenfinden. „Wer immer ein Segelboot steu­ern kann, darf dabei sein“, erklärt Paolo. Auf welchem Platz man landet, spielt nur für Ehrgeizige eine Rolle. Alle anderen freuen sich, dabei sein zu dürfen.Helmuth Mayr, Unternehmer, Villach: „Ich habe zehn Mal teilgenommen. Meine Yacht, eine X50, steht im Hafen von Muggia, da ist es Ehrensache mitzufahren. Bei der Jubiläumsregatta sind wir auf dem 58. Platz gelandet.

Aber das ist nicht das Ziel, wichtig ist, dieses Riesen­-Event in Triest zu erleben. Es passt, wenn man sagen kann: Gott sei Dank, wir sind heil über die Ziellinie gekommen. Im Vorjahr sind wir haarscharf an einer Kollission vor­ beigeschrammt.

Für Triest ist die Regatta zu ei­nem prosperierenden Event ge­worden. Rund 250.000 Zuseher zählt man mittlerweile. Sie bevölkern die Straßen nach Opicina, sitzen am Molo Audace und nisten sich bei Verwandten ein, die das Glück haben, an den Hängen ein Haus mit Aussicht zu besitzen.

GUT ZU WISSEN

Neun Tage vorher verwandeln sich die Rive in das „Villaggio Bar­colana“ und Triest wird zur Welt­hauptstadt des Segelsports. Eine Segel-­Party ohne Ende. Zelte mit Segelartikeln und Spezialitäten locken die Besucher an und auf den Plätzen der Stadt spielt die Musik.
Von wo kann man die Barcolana am besten verfolgen:

  • von der Panoramapromenade Napoleonica
  • vom Castello Miramare
  • vom Leuchtturm Faro della Vittoria (am Vormittag geöffnet)
  • vom Wachturm Santa Croce
  • vom Meeresufer von Triest, um dem Gewinner zuzujubeln, der vor der Piazza Unità die Ziellinie überfährt
  • von der Meerespromenade von Muggia, um die Ankunft an der ersten Boje mitzuerleben

MUSEMENT, . . .

der strategische Partner der Barcolana, organisiert eine Reihe von Mitfahrgelegenhei­ten, um die Barcolana hautnah erleben zu können: exklusiv an Bord eines Motorbootes oder eines privaten Schlauchboo­tes.
booking@musement.com, 0039 0245386947.