Schwimm-Ass Pilhatsch: "Die Fehler waren schwerwiegend"
Zwei Fehler brachten die Steirerin Caroline Pilhatsch im Finale der Langbahn-WM um eine Medaille: Sie wurde Siebente nach 27,78 Sekunden im Rückensprint. Im Interview spricht die 20-Jährige nun über ihr nächstes Ziel: Die Qualifikation für Olympia 2020.

Das Finale über 50 Meter Rücken, prophezeite Ihr Trainer nach dem Semifinale, wird im Kopf entschieden. Ist das eingetreten?
Caroline Pilhatsch: Ja. Ich fühlte mich im Kopf zwar bereit, hatte dann aber beim Anschlag am Ende so etwas wie eine Kurzschlussreaktion. Ich habe einen Zug zu wenig gemacht und gemerkt: Oh, da ist ja noch gar keine Wand. Und auch beim Start hatte ich eine schlechte Reaktionszeit.
Kann man in etwa sagen, was diese Fehler an Zeit gekostet haben?
Wir gehen davon aus, dass der Start eine Zehntelsekunde ausmacht. Der Anschlag, der, wenn ich das so sagen darf, grottenschlecht war, zwei Zehntel. Das ist zu viel in einem Finale.
Gerade im 50-Meter-Rückensprint fallen Fehler stärker ins Gewicht ...
Ja, die Fehler waren schwerwiegend. Das kann jedem immer passieren, diesmal ist es leider mir passiert. Was das Schwimmerische betrifft, habe ich noch kein Video gesehen, aber mir wurde gesagt, dass ich recht gut mitgehalten habe. Und mit einer Hundertstel hinter meinem Rekord ist die Zeit eigentlich, wenn man die beiden Fehler berücksichtigt, gut.
Sie erreichten als erste österreichische Schwimmerin seit Mirna Jukic im Jahr 2009 ein WM-Finale in der Langbahn. Überwiegt jetzt, mit ein wenig Abstand, Enttäuschung oder Freude?
Direkt danach die Enttäuschung. Ich denke, das kann jeder verstehen. Aber im Großen und Ganzen kann man wohl zufrieden sein.
Bei dieser Weltmeisterschaft schwammen Sie über 50 und 100 Meter Rücken je einen Österreich-Rekord, verpassten das Olympia-Limit über 100 Meter und wurden Siebente im Finale über 50. Wie fällt die Gesamt-Bilanz aus?
Ich hatte in beiden Disziplinen meine Wackler drinnen, da gibt es noch viel Potenzial, das es auszuschöpfen gilt. Dass ich das Olympia-Limit verpasst habe, ist schade, aber es gibt ja noch genügend Chancen, das zu schaffen.
Der 50-Meter-Sprint ist nicht olympisch, die 100-Meter-Distanz schon. Verschiebt sich jetzt nach dieser WM der Fokus auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio?
Der 100er hat jetzt auf alle Fälle Priorität. Aber das bedeutet nicht, dass wir dem 50er keine Beachtung mehr schenken wollen. Vor allem, weil wir sehen, dass ich da vorne dabei sein kann. Wenn man an die beiden Fehler im WM-Finale denkt, sieht man, dass ich da noch sehr viel rausholen kann. Im Dezember findet die Kurzbahn-Europameisterschaft in Schottland statt. Dort fällt die starke Konkurrenz aus den USA und Asien weg – und da erhoffe ich mir auch eine gute Platzierung.
Das Qualifikationslimit für Olympia liegt bei 1:00,25 Minuten. Ihre neue Bestleistung, die Sie vor wenigen Tagen bei der WM in Südkorea erbracht haben, liegt bei 1:01,07 Minuten. Wie realistisch ist es, diese 82 Hundertstelsekunden aufzuholen?
Es ist sehr realistisch. Es klingt im ersten Moment viel, aber wenn man sich 100 Meter in Segmente aufteilt und weiß, wo man noch etwas herausholen kann, dann ist es nicht so viel. Es ist mein großes Ziel, ich arbeite hart daran und ordne dem alles unter.
Wie lange haben Sie noch Zeit, um das Qualifikationslimit zu erbringen?
Bis Juli 2020.
Wie sieht nun Ihr weiterer Fahrplan aus?
Jetzt stehen noch zwei Weltcups in Japan und China bevor. Danach habe ich für kurze Zeit eine Trainingspause, ehe es wieder mit dem Athletiktraining und im September schließlich mit der Polizeiausbildung weitergeht.



