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Grazer Archäologiemuseum rückt bronzezeitliche Ernährung in den Fokus

Seit gestern Abend erzählt das Archäologiemuseum in Graz in einer neuen Sonderausstellung vom bronzezeitlichen Leben in der Steiermark. Die Schau Erde – Wasser – Feuer. Lebensquellen und Wissensspeicher präsentiert Ergebnisse der mehrjährigen Forschungsarbeit im Rahmen des EU-Projekts PalaeoDiversiStyria.

Daniel Modl (Kurator), Sarah Kiszter (Kuratorin), Karl Peitler (Leiter des Archäologiemuseums), Marko Mele (Kurator), Alexia Getzinger (kaufmännische Direktorin, UMJ) und Wolfgang Muchitsch (wissenschaftlicher Direktor, UMJ)
© Universalmuseum
Daniel Modl (Kurator), Sarah Kiszter (Kuratorin), Karl Peitler (Leiter des Archäologiemuseums), Marko Mele (Kurator), Alexia Getzinger (kaufmännische Direktorin, UMJ) und Wolfgang Muchitsch (wissenschaftlicher Direktor, UMJ)

Im Zentrum steht dabei der Fund zweier hölzerner Brunnenkästen, deren Verfüllung spannende Informationen über die Landwirtschaft und die Ernährungsgewohnheiten der Menschen in der Steiermark und im nördlichen Slowenien bereithält. Eintauchen in die Lebenswelt unserer Vorfahren kann man noch bis 31. Oktober 2019.

Mikroskopische Aufnahmen von Samenkörnern
© A. G. Heiss
Mikroskopische Aufnahmen von Samenkörnern

Erde – Wasser – Feuer. Lebensquellen und Wissensspeicher

„Wie ernährte sich die bronzezeitliche Bevölkerung der Steiermark? Wie versorgte sie sich mit Wasser?“. So lauten zwei zentrale Fragen, denen in der Sonderausstellung Erde – Wasser – Feuer. Lebensquellen und Wissensspeicher des Archäologiemuseums nachgegangen wird. Untersucht werden dabei zwei Funde aus dem steirischen Wohlsdorf und dem slowenischen Dolga Vas: Zwei hölzerne Brunnenkästen und deren Verfüllung geben Aufschluss über die Besiedelung der Umgebung sowie längst vergessene Pflanzen- und Tierarten. Für die Archäobotanik und Archäozoologie sind diese Überreste kleine Puzzleteile, aus denen sich ein aussagekräftiges Bild von der Landwirtschaft und den Ernährungsgewohnheiten der Menschen jener Zeit zusammensetzen lässt. „Wir wollten mit der Ausstellung Forschungsergebnisse aus unserem laufenden EU-Projekt PalaeoDiversiStyria der Öffentlichkeit zugänglich machen, an dem sich neben drei staatlichen Einrichtungen mit der Marktgemeinde Großklein in der Südsteiermark und der Gemeinde Hoče Slivnica bei Maribor auch zwei regionale Partner beteiligen“, freut sich Karl Peitler, Leiter des Archäologiemuseums.

Samenkörner zum Raten und Brunnenschacht zum Anfassen
„In einem Hands-on-Bereich in der Ausstellung wollen wir spielerisch deutlich machen, dass nicht alle bei uns heute üblichen Kulturpflanzen immer schon selbstverständlich waren. In der Bronzezeit bauten die Menschen etwa Saubohnen oder Emmer an, den Hafer aber haben wir erst den Römern zu verdanken“, erklärt Kuratorin Sarah Kiszter in der Ausstellung. Im Lichtschacht des Museums steht für Besucherinnen und Besucher eine besondere Überraschung bereit: Der Nachbau eines bronzezeitlichen Brunnenschachts lässt die Bauweise eines historischen Brunnenkastens erkennen und erklärt die archäobotanische Arbeitsweise. „Die gefundenen Reste im Brunnenschacht enthalten besonders viele Informationen über die Landwirtschaft und Kulturlandschaft im Umfeld“, betont Kurator Daniel Modl. Neben vermutlich gezielt angebauten Kulturpflanzen wie Einkorn, Dinkel oder Schlafmohn fanden sich im Brunnenschacht von Wohlsdorf zum Beispiel auch Reste von Wildpflanzen wie der Wilden Möhre, dem Rainkohl oder dem Gewöhnlichen Bitterkraut – all diese Pflanzen konnten zum Verzehr genutzt werden.
Vergangenheit schmecken können
Ebenfalls im Rahmen des Projekts PalaeoDiversiStyria entstand die Marke HERITERRA, unter der Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Gastronomie und Handwerk gemeinsam mit dem Forschungsteam Produkte möglichst nah an den historischen Vorbildern entwickeln. So wird beispielsweise Kulinarisches aus bronzezeitlichen Pflanzensorten und alten Rezepten kreiert oder keltisches Bier erzeugt, das aus eisenzeitlichen Henkeltassen getrunken werden kann. „Wir wollen gemeinsam mit möglichst vielen Partnerbetrieben das Wissen aus unserer Forschung in die Öffentlichkeit tragen. Man soll das archäologische Erbe auch schmecken und erfahren können“, so Marko Mele, Ausstellungskurator und Leiter des Projekts PalaeoDiversiStyria.
Archäologiemuseum
Schloss Eggenberg
Eggenberger Allee 90
8020 Graz
10.05.–31.10.2019
www.archaeologiemuseum.at