Wie man sich früher die Fastenzeit schmecken ließ
Eine gehörige Portion Fantasie, eine Prise Raffinesse und schon wurden aus Fastenspeisen herzhafte Mahlzeiten mit kuriosen Fleisch-Spielarten. Was früher auf den Tisch kam und was heute noch schmeckt.

Von Aschermittwoch bis Ostern dauert die Fastenzeit an. Genau genommen durfte an den 40 Fastentagen nur einmal pro Tag
gegessen werden. Im Mittelalter hielt man sich noch streng an
die Vorgaben. Der Genuss von Fleisch war untersagt, Fisch entschlüpfte dem Verbot.
Auf Milchprodukte und Eier sollte allerdings verzichtet werden. Deshalb wurde an den Fastnachtstagen schnell verbraucht, was man noch hatte, und in Krapfenform gebracht. Wer allerdings den „Butterpfennig“ entrichtete, durfte Milchprodukte verspeisen. Und kaum schwebt das Wort Verzicht im Raum, keimt die Gier wie ein Frühlingspflänzchen in der Sonne – genauso alt wie die Fastenregeln sind auch die Anstrengungen, sie zu unterwandern.
Sonderbare Fischarten
Seit beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 die Fastentage festgelegt wurden, ist viel Wasser zu Suppe verkocht und die eine oder andere Fastenregel in den Klöstern kreativ interpretiert worden. Fisch war Fleischersatz, eine Schnecke galt ohnehin nicht als Fleisch, den Biber sah man wegen des geschuppten Schwanzes als „fischähnliches Wassertier“ an und die Ente als „eine Art Fisch“.

Schneckenzucht
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Die Familie der Fische wurde in der Fastenzeit immer größer – Fischotter, Flusskrebse, Frösche, Muscheln oder andere Tiere, die sich eben mehr oder weniger im Wasser aufhielten, zählte so mancher Abt generös zur Fischfamilie. Teils kamen sogar Wasservögel wie Fischreiher oder Schwäne auf den Fastentisch. Schildkrötensuppe, Froschschenkel, Schnecken mit Kräutern – so ließ man sich die Fastenzeit schmecken.
Hergottsb'scheißerle
Hatte man Lust auf das Fleisch vierbeiniger Tiere, wickelte man es eben ein, sodass es nicht zu sehen war. So wurde Fleisch faschiert und in Teig verpackt, in der Hoffnung, der Herrgott möge es so nicht sehen – im schwäbischen Raum nannte man die Maultaschen deshalb „Herrgottsb’scheißerle“.
In italienischen Klöstern verpackte man gegartes, feinst geschnittenes Schweinefleisch mit Speckwürfeln und Gewürzen in Naturdärme und nannte es Mortadella. Nach dem Motto „Flüssiges bricht Fasten nicht“ griffen Mönche vor allem zu Bier. Mit einem Trick soll es auch Schokolade in der Zeit des Verzichts zum Fastengetränk gebracht haben. Papst Pius V. soll sie so gar nicht geschmeckt haben, deshalb durfte sie getrunken werden.
Rezept: Herrgottsb'scheißerle - Maultaschen
Diese Maultaschen sind nach schwäbischer Tradiotion mit Faschiertem gemacht. Wer sie gern vegetarisch will, füllt sie mit Spinat, Kräutern, Käse, ...
Zutaten
2 Eier, 200 g Mehl, 30 g Hartweizengrieß, Salz, Füllung, 1 altbackene Semmel, 100 ml Obers, 2 große Zwiebeln, 1 El Butter, 1 Bd. Petersilie, Salz, Pfeffer, 300 g gemischtes Faschiertes, 200 g Bratwurstbrät, Semmelbrösel, 3 Eier, Muskat, 1 Tl Majoran, 1 l Rindsuppe, 1/2 Bd. Schnittlauch
Zubereitung:
1. Für den Nudelteig Eier mit Mehl, Grieß, Salz und rund 4 EL Wasser zu einem glatten Teig kneten. Rund 2 Minuten gut durchkneten, dann zudecken und 1/2 Stunde rasten lassen.
2. Semmel in kleine Stücke zupfen, zimmerwarmes Obers darübergießen. Zwiebeln würfeln und in Butter anschwitzen, vom Herd ziehen. Petersilie hacken, dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken.
3. Faschiertes mit Semmeln, Zwiebeln, Wurstbrät, Bröseln, Eiern gut mischen. Mit Salz, Muskat, Pfeffer, Majoran abschmecken, kühlen.
4. Den Teig dreiteilen, je dünn auswalken. Entweder Portionen der Fülle in Abständen auf den Teig setzen, kleine Quadrate schneiden und zusammendrücken – oderein Drittel der Teigfläche mit Fülle bestreichen, dann wie einen Strudel rollen und in Stücke schneiden.
5. Maultaschen in Salzwasser gar kochen, in Suppe mit geschnittenem Schnittlauch servieren.