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Die Wirtin vom Seehäusl

Hadn-Palatschinken, Lamm-Chili, Seehäusl-Kaffee, Linzer Torte: Die Rezepte, nach denen in der Alpenrose in Mallnitz gekocht wird, sind Familienerbe.

Christine Fercher ist in dritter Generation Wirtin. Im Gasthof Alpenrose werden Rezepte nur mündlich   weitergegeben
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Christine Fercher ist in dritter Generation Wirtin. Im Gasthof Alpenrose werden Rezepte nur mündlich weitergegeben
Andrea Steiner

Das Wirtinnen-Dasein war ihr nicht vorbestimmt. Und das obwohl ihre Mutter und ihre Großmutter die Tradition der legendären Seehäusl-Wirtinnen in Mallnitz gegründet und hochgehalten haben. Christine Fercher, die jetzige Eigentümerin, Wirtin und Köchin hat den Optiker-Beruf erlernt, den sie 15 Jahre lang ausgeübt hat. Ein tragischer Schicksalsschlag ordnete ihre Lebenslinien neu: 1991 saß Bruder Anton in der „Mozart“, jenem Lauda-Air-Flug 004, der über Thailand abgestürzt ist. Keiner der 223 Insassen überlebte. „Anton war auf der ganzen Welt als Koch unterwegs, damals war er gerade in Shanghai stationiert. Sein Schicksal war ab nun auch mein Schicksal“, erinnert sich Christine Fercher. Und so führte sie die Tradition im Gasthof Alpenrose, das die Einheimischen aufgrund der Nähe zum Stappitzer See nur „Seehäusl“ nennen, in dritter Wirtinnen-Generation weiter. Tochter Martina, die zwar den Beruf Maler und Anstreicher erlernte, absolvierte heuer die Konzessionsprüfung mit Auszeichnung und wird die vierte Generation sein.

100-Jahr-Jubiläum

2009 feierte Christine Fercher den 50. Geburtstag und der Gasthof Alpenrose, den die Einheimischen – aufgrund der Nähe zum Stappitzer See – nur Seehäusl nennen, das 100-Jahr-Jubiläum.

Der Gasthof Alpenrose ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Ausflugsgasthaus. Berühmt sind der Apfelstrudel, dessen Rezept noch von Großmutter Christine Leiler stammt, der Seehäusl-Kaffee, die legendäre Linzertorte, das selbst gebackene Brot oder das Kletzenbrot. „Mit Rezepten kann ich nicht aufwarten. So habe ich nicht Kochen gelernt“, schmunzelt Christine Fercher. „Ich habe meiner Mutter Christine zugeschaut, so wie sie ihrer Mutter und meine Tochter mir zuschaut. So haben wir unsere Rezepte von Generation zu Generation weitergegeben. Sie sind unser Familiengeheimnis und mein Erbe, das ich bald weitergeben kann.“

Legendäre Wirtin

Christine Leiler hat das Seehäusl 1929 als alleinstehende Mutter gekauft. Ferchers Großmutter war eine überaus begabte Köchin, die als junge Frau schon in den 1920er Jahren als Küchenchefin nach Abbazia und nach Bozen eingeladen wurde. In Abbazia lernte sie auch ihren Mann kennen. Als sie ihn aber mit einem Serviermädchen erwischte, ließ sie sich gleich wieder scheiden.

Obwohl Tradition im Gasthof Alpenrose großgeschrieben wird, versucht sich Christine Fercher immer wieder an modernen Interpretationen, für die sie gerne Zutaten nimmt, die erst langsam wieder bekannt werden. Berühmt ist das Lamm-Chili, zu welchem sie Polenta serviert. „Mit dem Maismehl vom Biohof Tomic aus Eberndorf gelingt die Polenta am besten“, weiß Fercher. Sie hat im Vorjahr auch den Hadn aus dem Jauntal neu entdeckt und nach Mallnitz importiert. Hier finden sich nun Hadn-Palatschinken mit hausgemachtem Camembert auf der Speisekarte.

Rezept: Ferchers Lamm-Chili

Für das Chili nimmt Christine Fercher ein Kilogramm Faschiertes vom Lamm, welches vom Jamnig-Hof stammt. Ein halbes Kilogramm Zwiebel wird würfelig geschnitten und braun geröstet, dann kommt das Faschierte dazu. Mit einem Viertel Liter Most ablöschen und würzen. Dafür nimmt sie Paprikapulver, Rosmarin, Thymian, Tomatenmark, Knoblauch, Salz und Pfeffer. Rote, gelbe und grüne Paprika klein schneiden, untermischen. Chili nach Gefühl und rote Bohnen untermischen, mit flüssigem Schlagrahm und etwas Zucker abrunden. Garzeit zirka 30 Minuten.

Käsen in Koproduktion

Der Seehäusl-Christl ist er besonders eng verbunden: Alois Salentinig, Landwirt vulgo Jamnig aus Mallnitz, ist nicht nur der Lebensmittel-Hauptlieferant für den Gasthof Alpenrose. Er ist auch der Lebensgefährte von Christine Fercher und ist, wenn er nicht seine Jamnigalm im Tauerntal oder seinen Bauernhof bewirtschaftet, als Wirt im Seehäusl anzutreffen.

Alois Salentinig vulgo Jamnig versorgt das Seehäusl mit Produkten aus seiner Landwirtschaft
© Rie-Press
Alois Salentinig vulgo Jamnig versorgt das Seehäusl mit Produkten aus seiner Landwirtschaft

Die Produkte, die seine Partnerin und seine Tochter Martina in der Küche verwenden, sind vielfältig. Eines haben sie aber alle gemein: Sie sind köstlich! Alois Salentinig liefert Speck, Milch, Fleisch vom Mallnitzer Hausschwein, Buttermilch, Topfen, Eier und diverse Käsesorten. Wobei das Käsen Gemeinschaftsarbeit ist. „Im April und Mai, wenn noch nicht so viel zu tun ist, käsen wir am Abend gemeinsam. Statt Fernsehen“, erzählt Fercher. Vom Jamnig-Bauernhof kommt aber auch das Lammfleisch. Seit einigen Jahren hält Salentinig Kärntner Brillenschafe, die in der Küche von Christine Fercher verarbeitet werden. „Die Lammküche hat im Mölltal große Tradition. Wir haben uns auf Lamm spezialisiert, bei uns gibt es zum Beispiel Lammragout, Koteletts oder ein Lamm-Chili“, erzählt die Wirtin, die uns für das Chili ihr Rezept verraten hat.

Zu ihrem ausgewählten Lieferantenkreis zählen noch die Forellenzucht Jobst in Greifenburg und die Familie Podesser mit dem Nickelpaulehof in Lendorf, von wo die Hirschberger Vollwert Tolgg’n bezogen wird.