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Gebunden und trotzdem frei

Tradition und Moderne müssen durchaus keine Gegensätze bilden, das beweist die Schlossbuchbinderei, die in historischem Ambiente traditionsbewusst und innovativ-kreativ zugleich agiert.

Reine Handarbeit und profundes  Wissen zeichnen die Schlossbuchbinderei aus
© Peter Kulman
Reine Handarbeit und profundes Wissen zeichnen die Schlossbuchbinderei aus
Mirella Kuchling
Das Ehepaar Kober führt das Unternehmen in dritter Generation
© Robert Hirschmugl
Das Ehepaar Kober führt das Unternehmen in dritter Generation
Die Mariazeller gaben einen Altar für Benedikt XVI. in Auftrag
© Peter Kulman
Die Mariazeller gaben einen Altar für Benedikt XVI. in Auftrag

Kunst erleben

Mit Schlössern verbindet man so allerlei: rauschende Feste, verwunschene Prinzessinnen und Schlossgespenster, die nächtens durch die langen Gänge huschen. Wer aber hätte eine Buchbinderei hinter altehrwürdigen Mauern vermutet? Unweit von Gleisdorf auf einem Hügel thronend, bietet Schloss Freiberg genau das und noch viel mehr. Ursprünglich wurde das Schloss vom gleichnamigen Geschlecht im Stil der Renaissance erbaut, es wanderte durch verschiedene Hände, bis es im Jahre 1973 der Vater der jetzigen Mitbesitzerin gemeinsam mit seiner Schwester erwarb und begann, in mühevoller Kleinarbeit Innenräume, Teile der Außenfassade und einen der Türme zu renovieren. Er selbst war Buchbinder und gab das Handwerk an seine Tochter weiter, so wie er es seinerzeit vom Vater erlernt hatte. Vom Großvater stammen auch noch die alten Maschinen, die ebenso gut funktionieren wie neue, außer dass sie nicht so anfällig sind. Auf ihre urig-schöne Art passen sie zudem perfekt ins Ambiente.
Prinzessin mit Träumen. Aufgewachsen wie eine Prinzessin, hätte Tochter Alexandra gerne die Tanzsäle dieser Welt erobert, doch schon seit Jahren ist sie froh darüber, doch der Familientradition gefolgt zu sein. Nicht zuletzt, weil sie in der väterlichen Buchbinderei ihren Mann Johann kennengelernt hat. Wobei Buchbinderei natürlich viel mehr ist als das reine Binden von Büchern, Manuskripten und Zeitschriften. Gerade in einer Zeit, in der jeder (beinahe) alles hat, sind individuelle Geschenkideen sehr gefragt. Da punktet der Buchbinder mit kunstvollen Schachteln und Rahmen, um erlesene Flaschen oder die ersten Kinderschuhe stilgerecht zu verpacken. Wobei der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. „Der Bürgermeister von Mariazell hat für den letzten Papst einen Reisealtar bei mir in Auftrag gegeben“, erzählt Johann Kober, der auf 30 Jahre Berufserfahrung zurückblickt. Der Heilige Vater soll hocherfreut gewesen sein, er wusste steirisches Kunsthandwerk offenbar zu schätzen.
Mehr als Diplome. Auch angehende Akademiker schauen gerne in der Schlossbuchbinderei vorbei. Das liegt aber nicht nur an der fachkundigen Beratung und der schönen Arbeit, sondern auch daran, dass das Ehepaar Kober einfach nett ist. Und vielleicht auch ein wenig daran, dass es eine außergewöhnliche Sammlung von alten Buntpapieren sein Eigen nennt. Unter den Restbeständen einer Wiener Buchbinderei finden sich englische, französische, belgische und deutsche Stücke aus dem 19. und 20. Jahrhundert, auch die Wiener Werkstätte ist vertreten. Mit den edlen Originalpapieren überzieht Johann Kober natürlich auch Bücher. Im Schloss selbst findet sich ebenfalls eine interessante Bibliothek, allerdings hat der Buchbinder alle Hände voll damit zu tun, die Lieblinge seiner Kunden in liebevoller Handarbeit zu restaurieren, die eigenen Bestände müssen warten. Trotz alledem ist immer genug Energie vorhanden für Stoßzeiten, etwa wenn die Diplomprüfungen nahen oder vor Weihnachten jeder ein besonders schönes, ausgefallenes Geschenk sucht. Im ehrwürdigen Schloss Freiberg wird, so hört man übrigens munkeln, das Handwerk der Buchbinderei noch lange nicht aussterben, denn die Tochter des Hauses möchte die Werkstatt ihrer Eltern eines Tages übernehmen.Geheimtipp des Landesinnungsmeisters Rupert Hofer: Das Binderbuch, das 2011 von der Berufsgruppe der Buchbinder herausgegeben wurde, macht Lust darauf, kreative Ideen in Form zu bringen und zeigt, was die moderne Buchbinderei so alles zu bieten hat. Ein Fachbuch für die Branche!
Nähere Details: erhalten Sie bei der Landesinnung unter der Tel. 0316-601 468.
Kunsthandwerke Steiermark:wko.at/stmk/kunsthandwerke

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HOLZ UND KRICKELN | Drechselarbeiten hat Josef Schrenk aus dem Passailer Kessel schon seit 50 Jahren in seinem Repertoire. Zunächst  waren es Stockspinnräder,an die 150 Stück an der Zahl, die er als Bauer in den ruhigeren Wintermonaten baute, seit sechs Jahren verfertigt er nun auch edle Schreibgeräte wie Kugelschreiber, Bleistifte oder Füllfedern aus heimischem Holz und Rehkrickeln.
HOLZ UND KRICKELN|Drechselarbeiten hat Josef Schrenk aus dem Passailer Kessel schon seit 50 Jahren in seinem Repertoire. Zunächst  waren es Stockspinnräder,an die 150 Stück an der Zahl, die er als Bauer in den ruhigeren Wintermonaten baute, seit sechs Jahren verfertigt er nun auch edle Schreibgeräte wie Kugelschreiber, Bleistifte oder Füllfedern aus heimischem Holz und Rehkrickeln. © KK

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