Die Familie als Labor für Leseratten
Ein positiver Umgang mit Sprache und Schrift in der Familie ist Basis für eine spätere Lesebegeisterung der Kinder.

Leselust fördern
Rund zwei Fünftel der Eltern lesen ihren Kindern mehrmals in der Woche Märchen vor. Das besagt eine aktuelle Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS. Damit legen sie einen wichtigen Grundstein für den Sprach- und Leseerwerb ihres Nachwuchses, werden Sprachwissenschaftler und Pädagogen nicht müde, die Bedeutung des Vorlesens herauszustreichen. Zudem gehe es darum, den Lesestoff – sei es aus Büchern oder digitalen Quellen – zu einem fixen und positiv besetzten Bestandteil des Alltags zu machen. „Family Literacy“ nennt die Wissenschaft dieses Fördermodell. Es zielt darauf ab, den Lebensund Erfahrungsraum Familie zu nutzen, um möglichst früh die Förderung von Sprach- und Schriftkultur im vertrauten familiären Umfeld zu unterstützen.- Das „Alltagslesen“ beim Kind (Verkehrsschilder, Busfahrpläne, Gebrauchsanweisungen, Einkaufslisten) fördern.
- Das Kind darin bestärken, Bücher mit Themen zu wählen, die ihm selbst wichtig sind.
- Andere Kinder oder Geschwister nicht als Vorbild hinstellen. Lesen ist ein individueller Prozess.
- Das Vorlesen beibehalten, auch wenndie Kinder schon selbst lesen können. Die positiven Emotionen, die das Kind mit Lesen verbindet, helfen beim Leseerwerb.
- Gemeinsam Bibliotheken besuchen und das Kind selbst auswählen lassen.
Ein Tag im Zeichen des Vorlesens
Wie in anderen Erziehungsbereichen ist auch hier die Vorbildrolle der Eltern eine tragende Säule. „Wenn Bücher im Leben der Eltern eine Rolle spielen, werden auch die Kinder entsprechend sensibilisiert und neugierig“, sagt Gerhard Falschlehner vom Österreichischen Buchklub (siehe Interview rechts). Ist der Samen gesät, gelte es, ihn laufend zu düngen, raten Sprachwissenschaftler. Dazu gehöre Interesse der Eltern an der Lektüre ihrer Kinder, also das aktive Befassen mit dem, was der Nachwuchs liest, um sich mit ihm auch darüber austauschen zu können. Auch sollten regelmäßige Leseoasen im Tagesablauf geschaffen werden. Jene Zeit, in der sich das Kind entspannen soll, ist zum Lesen, Vorlesen und Erzählen besonders geeignet.Und: Lesen soll Spaß machen, keine mühsame Arbeit oder Qual sein – was aber wiederum Übung verlangt.Der 1. Juli steht in der Steiermark ganz im Zeichen des ersten steirischen „Vorlesetags“. Dieser von Landesrätin Ursula Lackner initiierte Aktionstag ist abschließender Höhepunkt der „Lieswas“- Wochen in öffentlichen Bibliotheken – nur dass am Vorlesetag auch ungewöhnliche Orte und Plätze zu Lese-Arenen werden. Zahlreiche Unternehmen beteiligen sich an der Aktion, dazu kommen Museen oder touristische Einrichtungen wie der Eispalast am Dachstein oder Thermen. An den Orten stehen sämtliche Genres der Kinder- und Jugendliteratur im Fokus und werden familiengerecht präsentiert, um den Reiz des Vorlesens zu transportieren. Informationen: 0316/6853570.
Spielerisch lesen
Im Idealfall lesen Eltern ihren Kindern regelmäßig vor. Am besten auch der Vater oder eine männliche Bezugsperson. „Das wirkt sich besonders positiv auf die Leseentwicklung von Buben aus“, betont der Kinder- und Jugendbuchautor Frank Maria Reifenberg. Was konkret vorgelesen wird, sei dabei (fast) zweitrangig, Hauptsache, es passiert – wobei sich über die Generationen aber ohnehin ausgetretene „Literatouren“ gebildet haben, wie die IMAS-Umfrage beweist. Dauerbrenner auf der Vorleseliste bleiben Märchen. Als Grund geben die befragten Eltern an, dass auch sie in ihrer eigenen Kindheit „sehr gerne“ (45 Prozent) beziehungsweise „einigermaßen gerne“ (31 Prozent) klassische Märchen gehört haben. Die entsprechende Hitparade der beliebtesten Märchen wird von „Hänsel und Gretel“ angeführt, gefolgt von „Der Wolf und die sieben Geißlein“, „Schneewittchen“ und „Aschenputtel“.Bis 30. Juni laufen landesweit noch die „Lies was“-Wochen. Den AbschlussderVeranstaltungsreihe in öffentlichen Bibliotheken bildet ein Spielevormittag am kommenden Donnerstag in Premstätten (10 Uhr). Infos: www.bücherhelden.at