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Flugticket ins Reich der Fantasie

Was muss ein Kinder- und Jugendbuch können, damit die Geschichte den Nachwuchs begeistert? Eine Spurensuche.

Lesen ist Abenteuer im Kopf. Kinder und Jugendliche brauchen dem Alter entsprechende Literatur
© Scheriau
Lesen ist Abenteuer im Kopf. Kinder und Jugendliche brauchen dem Alter entsprechende Literatur
Klaus Höfler

Ein gutes Bilderbuch?

An der Quantität kann es nicht scheitern. Rund ein  Zehntel aller deutschsprachigen  Erstauflagen – im  vergangenen Jahr 9081 der insgesamt  89.506 am Markt platzierten  Neuerscheinungen –  sind Kinder- oder Jugendbücher.  Aber ist der Umkehrschluss  zulässig, dass es demnach  an der Qualität liegen  muss, wenn sich der Nachwuchs  dem Lesen verweigert?  Nicht unbedingt, wie Heide  Lexe von der Studien- und Beratungsstelle  für Kinder- und Jugendliteratur  (Stube) meint.  Vielmehr gehe es um eine richtige,  altersadäquate Vermittlung  des Angebots, aber auch  die gemeinsame Behandlung  der Inhalte, falls entsprechende Fragen auftauchen (siehe Interview  rechts). So könne eine  nachhaltige Begeisterung für  das Lesen geweckt und gedüngt  werden.  Grundvoraussetzung bleibt  aber, dass auch der direkte Kern  passt, nämlich die Geschichte  selbst die jungen Leser fesselt.  Wie das funktioniert?Neben dem persönlichen Geschmack gibt es Qualitätskriterien, die gute und kindergerechte Bilderbücher erfüllen sollten: Inhalt, Sprache und Illustration müssen eine Einheit bilden. Kinder sollten sich mit einer oder mehreren Figuren in der Geschichte identifizieren können. Der Inhalt sollte zum Mit-und Weiterdenken anregen, die Bilder sollten Neugier auslösen und zum genauen Hinsehen auffordern. Kinder achten vor allem auf Mimik und Körpersprache der Illustrationen. Die Geschichte sollte nicht nur eine heile Welt zeigen, sondern auch Mut machen, Schwierigkeiten zu meistern. 

Der Vorlesetag–vom Gletscher bis in die Therme

Für die Praxis gibt es einen recht  ansehnlichen Qualitätskriterienkatalog,  an dem Fachleute  aus der Germanistik, Pädagogik  und Entwicklungspsychologie  mitwirkten.“ So sollten Wortwahl  und Stil dem Thema angepasst  werden und alle drei  Kernelemente den Interessen  der Kinder und Jugendlichen  entsprechen, also ihrer Lebenswirklichkeit  oder einem passenden  Fantasiekosmos entspringen. Nur so funktionieren  sie als Flugticket in die weite  Welt der eigenen Illusionskraft,  in die die Kinder und Jugendlichen  beim Lesen abheben und  versinken können.  Eine besondere Rolle spielen  – vor allem bei Kinderbüchern –  dabei die Illustrationen. Denn  diese Bilder sollen mehr aus  dem Gelesenen machen, sie sollen  die Spannung steigern, den  Blick schärfen für Details. Das  muss nicht zwingend über kreischende  Farben gelingen. Auch  Pastelltöne, oder Schwarz-  Weiß-Zeichnungen regen die  Fantasie der Kinder an.  Aber auch Sachbücher erfreuen  sich steigender Beliebtheit. Gerade diese Werke funktionieren  auch als eine Art  Cross-over-Produkt und sind  auch für die Eltern interessant  und lesbar. „Es gibt einen wachsenden  Markt durch immer  mehr Neuerscheinungen“, bilanziert  Stephanie Liebmann.  Sie kuratiert das Kinder- und  Jugendliteraturfestival „Bookolino“,  das im Grazer Literaturhaus  organisiert wird.Am 1. Juli dreht sich in der Steiermark alles ums Vorlesen. Beim ersten steirischen „Vorlesetag“ finden in Bibliotheken, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen Aktionen zum Thema Vorlesen statt. Letztere locken mit eher ungewöhnlichen Veranstaltungsorten, beispielsweise dem Eispalast am Dachstein oder der H2O-Therme in Bad Waltersdorf. Interessierte Institutionen können noch mitmachen (Informationen: 0316/6853570).

VomGeschichtenfrühstück bis zur Lesewanderung

Die nächste Auflage zwischen 9.  und 19. November steht unter  dem Generalmotto „Alles ist in  Bewegung – nichts bleibt stehen“.  Allein im letzten Jahr haben  2400 Besucher das vielfältige  Festivalprogramm besucht.   Bis 30. Juni finden landesweit anlässlich der „Lies was“-Wochen in öffentlichen Bibliotheken Veranstaltungen zum Thema Lesen statt, so am kommenden Montag in St. Stefan ob Stainz ein Literaturfrühstück, einen Tag später Auto renlesungen mit Franz Maria Reifenberg in St. Veit/Vogau, Heike Salzwimmer (St. Stefan/Rosental) und am Mittwoch von Karin Ammerer (Lannach). AmSamstag startet in Großsteinbach eine Lesewanderung. Infos: www.bücherhelden.at