Flugticket ins Reich der Fantasie
Was muss ein Kinder- und Jugendbuch können, damit die Geschichte den Nachwuchs begeistert? Eine Spurensuche.

Ein gutes Bilderbuch?
An der Quantität kann es nicht scheitern. Rund ein Zehntel aller deutschsprachigen Erstauflagen – im vergangenen Jahr 9081 der insgesamt 89.506 am Markt platzierten Neuerscheinungen – sind Kinder- oder Jugendbücher. Aber ist der Umkehrschluss zulässig, dass es demnach an der Qualität liegen muss, wenn sich der Nachwuchs dem Lesen verweigert? Nicht unbedingt, wie Heide Lexe von der Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur (Stube) meint. Vielmehr gehe es um eine richtige, altersadäquate Vermittlung des Angebots, aber auch die gemeinsame Behandlung der Inhalte, falls entsprechende Fragen auftauchen (siehe Interview rechts). So könne eine nachhaltige Begeisterung für das Lesen geweckt und gedüngt werden. Grundvoraussetzung bleibt aber, dass auch der direkte Kern passt, nämlich die Geschichte selbst die jungen Leser fesselt. Wie das funktioniert?Neben dem persönlichen Geschmack gibt es Qualitätskriterien, die gute und kindergerechte Bilderbücher erfüllen sollten: Inhalt, Sprache und Illustration müssen eine Einheit bilden. Kinder sollten sich mit einer oder mehreren Figuren in der Geschichte identifizieren können. Der Inhalt sollte zum Mit-und Weiterdenken anregen, die Bilder sollten Neugier auslösen und zum genauen Hinsehen auffordern. Kinder achten vor allem auf Mimik und Körpersprache der Illustrationen. Die Geschichte sollte nicht nur eine heile Welt zeigen, sondern auch Mut machen, Schwierigkeiten zu meistern.
Der Vorlesetag–vom Gletscher bis in die Therme
Für die Praxis gibt es einen recht ansehnlichen Qualitätskriterienkatalog, an dem Fachleute aus der Germanistik, Pädagogik und Entwicklungspsychologie mitwirkten.“ So sollten Wortwahl und Stil dem Thema angepasst werden und alle drei Kernelemente den Interessen der Kinder und Jugendlichen entsprechen, also ihrer Lebenswirklichkeit oder einem passenden Fantasiekosmos entspringen. Nur so funktionieren sie als Flugticket in die weite Welt der eigenen Illusionskraft, in die die Kinder und Jugendlichen beim Lesen abheben und versinken können. Eine besondere Rolle spielen – vor allem bei Kinderbüchern – dabei die Illustrationen. Denn diese Bilder sollen mehr aus dem Gelesenen machen, sie sollen die Spannung steigern, den Blick schärfen für Details. Das muss nicht zwingend über kreischende Farben gelingen. Auch Pastelltöne, oder Schwarz- Weiß-Zeichnungen regen die Fantasie der Kinder an. Aber auch Sachbücher erfreuen sich steigender Beliebtheit. Gerade diese Werke funktionieren auch als eine Art Cross-over-Produkt und sind auch für die Eltern interessant und lesbar. „Es gibt einen wachsenden Markt durch immer mehr Neuerscheinungen“, bilanziert Stephanie Liebmann. Sie kuratiert das Kinder- und Jugendliteraturfestival „Bookolino“, das im Grazer Literaturhaus organisiert wird.Am 1. Juli dreht sich in der Steiermark alles ums Vorlesen. Beim ersten steirischen „Vorlesetag“ finden in Bibliotheken, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen Aktionen zum Thema Vorlesen statt. Letztere locken mit eher ungewöhnlichen Veranstaltungsorten, beispielsweise dem Eispalast am Dachstein oder der H2O-Therme in Bad Waltersdorf. Interessierte Institutionen können noch mitmachen (Informationen: 0316/6853570).
VomGeschichtenfrühstück bis zur Lesewanderung
Die nächste Auflage zwischen 9. und 19. November steht unter dem Generalmotto „Alles ist in Bewegung – nichts bleibt stehen“. Allein im letzten Jahr haben 2400 Besucher das vielfältige Festivalprogramm besucht. Bis 30. Juni finden landesweit anlässlich der „Lies was“-Wochen in öffentlichen Bibliotheken Veranstaltungen zum Thema Lesen statt, so am kommenden Montag in St. Stefan ob Stainz ein Literaturfrühstück, einen Tag später Auto renlesungen mit Franz Maria Reifenberg in St. Veit/Vogau, Heike Salzwimmer (St. Stefan/Rosental) und am Mittwoch von Karin Ammerer (Lannach). AmSamstag startet in Großsteinbach eine Lesewanderung. Infos: www.bücherhelden.at