Radtour mit E-Motion
Flussabwärts fahren und dann per Zug retour: Das ist beim Murradweg das Herkömmliche. Es geht aber auch anders: Unterstützt mit Elektroantrieb macht eine Biketour auch flussaufwärts von Graz nach Frohnleiten Spaß. Ein Selbstversuch.


6 Highlights entlang des Murradwegs
Das Unterfangen begann mit einem Missverständnis. „Ich merk’ absolut gar nix“, schimpfte Redaktionskollegin Nicole F. beim ersten Proberundendrehen über das E-Bike, „dieses Klumpert“. Um eine Minute später festzustellen, dass man den rechten Griff nach hinten drehen muss, um in den Genuss des Elektro-Boosters zu kommen – und nicht nach vorne. Watscheneinfach also. Eigentlich.
Also wagten wir tags drauf sozusagen die Trendumkehr: Flussaufwärts sollte es gehen auf dem Murradweg, von Graz Richtung Frohnleiten, gut 50 Kilometer mit allen Umschweifen, was dank Elektro-Unterstützung für mich und meinen lieben Freund Gert ein sanftes Vergnügen werden sollte. Eigentlich.
Das mit dem E-Bike ist so ein bisschen wie damals mit dem Puch-Maxi, wer sich noch daran erinnern kann. Erst treten, bis das Ding anspringt und von selbst läuft. Nur darf man mit dem lautlosen E-Bike auf den Radweg. Und dort gehts flott dahin. Gewöhnungsbedürftig für mich, als passioniertem cruisenden Waffenrad-Nutzer. Aber die Verlockung, Gas zu geben ist groß.
Und schon hatten wir im Grazer Norden die erste Abzweigung verpasst. Verplappert, verfahren. Retour also. Nächster Versuch. Im Schatten der Ruine Gösting, vorbei an alten Tunnelröhren, Autowaschanlagen und eben entlang der Mur fuhren wir erst einmal Richtung Maria Straßengel, dem ersten Ausflugsziel der Tour. Scharf links, direkt ein beim „Café Marianne“, hinauf zur Wallfahrtskirche. Wieder surrt der E-Motor. Diesmal, wegen der Steigung, schon ganz ordentlich. Wir treten natürlich mit, schalten runter, Gang für Gang. Ein erstes Schnaufen mischt sich in die Lockerheit der ersten Kilometer. Erste, kleine Schweißperlen. Außerdem war Fahrgeschick gefragt – Krötenwanderung.
Endlich. Oben angekommen. Rad abstellen. Durchschnaufen. Sicht genießen. An der Mauer des Sakralbaus richtete ich ein Stoßgebet gen‘ Himmel: „Herr, bitte, lass’ den Akku halten!“ Denn der Ritt nach oben hatte Energie gesaugt. Ordentlich sogar. Aber egal. Hinunter den Hügel, weiter auf dem R2 nach Gratwein und von dort zur nächsten Sehenswürdigkeit: dem Stift Rein.
Um die Klosteranlage zu erreichen, muss man allerdings einen gut viertelstündigen Abstecher vom Murradweg in Kauf nehmen. Und der ist gar nicht so ohne: Es geht nämlich stetig bergauf, was mit Elektro-Unterstützung aber durchaus schaffbar ist.
Vor Ort schlug ich das Angebot der netten Kellnerin in der Stiftstaverne aus, mir doch ein großes Bier zu bestellen. Stattdessen gönnte ich mir im Park mit prächtigem Blick auf die barocke Anlage ein paar Schluck Wasser aus meiner Trinkflasche – und einen hastig eingepackten Hipp-Fruchtriegel, den ich eigentlich für meinen zweijährigen Sohn gekauft hatte. Eine Schande, aber ich hatte in der Eile vor der Abfahrt von Zuhause nichts Besseres gefunden. Wir mussten weiter, es lag noch ein ganz schönes Stück vor uns.
Stromsparend, dank des leichten Gefälles, düsten wir zurück zur Mur, passierten den Eingang zum Freilichtmuseum Stübing, das mehr oder weniger am Radweg liegt und so auch für Pedalritter einfach zu erreichen ist. Dann, kurz nach Kleinstübing, die erste Autobahnunterführung, ehe sich das Ortsschild Deutschfeistritz näherte. Auch dort war wieder ein Päuschen angesagt. Und ein Pläuschchen: Mit einem der Betreiber des Sensenwerks. Jenes kulturellen Kleinods am Ufer des Übelbachs, das man als Radfahrer nicht verpassen kann: Der R2 führt daran vorbei.
Danach wurde es beschaulich, die Mur, wegen der Staukraftwerke, zahm. Wir querten saftig-grüne Wiesen, entdeckten alte Höfe und einsame Trauerweiden im Frühlingskleid. Ein letztes Selfie vor der Burg Rabenstein, die uns mit ihren hohen Mauern und modernem Felsenlift ein „Wow“ entlockte. Ein paar Steigungen und Abfahrten noch, dann war sie da, die Ortseinfahrt Frohnleitens.
Nur eines war weg: unser Strom. Unsere Bequemlichkeit hatte nach rund 50 Kilometern Wegstrecke den letzten Saft der beiden Akkus gefressen. Wir standen vor der Entscheidung: Ab in die Bahn und entspannt nach Graz? Oder: Zähne zusammenbeißen und auf einem 20-Kilo-Bike weitertreten nach Hause, so wie es gestandene Radler eben tun? Wir wählten natürlich letzteres.
Maria Strassengel. Auf einem Hügel in Gratwein-Straßengel thront der gotische Sakralbau. Auf dem Hauptplatz gibt es eine E-Bike-Ladestation.
Stift Rein. Seit 1129 wohnen Mönche im ältesten bestehenden Zisterzienserstift der Welt. Direkt davor, beim ehemaligen Gemeindeamt, kann man sein E-Bike aufladen.
Freilichtmuseum Stübing. Originale bäuerliche Bauten aus sechs Jahrhunderten bilden die geschichtsträchtige Kulisse für einen Ausflug in die Welt des ländlichen Lebens.
Sensenwerk Deutschfeistritz. Die ehemalige Produktionsanlage mit ihren Wasserrädern ist heute Museum und Veranstaltungszentrum.
Lurgrotte Peggau. Österreichs größte wasserdurchströmte Tropfsteinhöhle kann sowohl von Semriach als auch von Peggau aus besichtigt werden.
Burg Rabenstein und Frohnleiten. Wenige Kilometer vor dem malerischen Frohnleiten radelt man an der Felsenburg aus dem 12. Jahrhundert vorbei.
www.regiongraz.at, www.murradweg.com