Fachidiot oder Wunderwuzzi?
Wer wird heute auf dem Arbeitsmarkt stärker gesucht? Gut ausgebildete Spezialisten oder interdisziplinäre Querdenker? Das WIFI Steiermark hat dazu seine Online-Community befragt.


Die rund 40.000 Weiterbildungsteilnehmer in mehr als 3.000 jährlichen Veranstaltungen am WIFI Steiermark sprechen eine klare Sprache: Mitarbeiter wollen sich weiterentwickeln. Die Frage ist nur: Soll es in Richtung Fachkarriere oder in die Höhen des Managements gehen? Dass eine „richtige Karriere“ nur eine als Managerin oder Manager sein kann, stimmt nämlich längst nicht mehr. Fachleute sind gesucht und begehrt, was sich nicht zuletzt in den entsprechenden Gehältern widerspiegelt. „Als führender Bildungsanbieter bilden wir unsere Kunden natürlich zu Spitzenkräften in beiden Bereichen weiter“, steht für Martin Neubauer, Leiter des WIFI Steiermark außer Frage. Allerdings kann man als einzelner nicht auf allen Hochzeiten tanzen, eine Fokussierung wird immer wichtiger – unter anderem bedingt durch den raschen technologischen Fortschritt, die steigenden Anforderungen an das Management und den internationalen Wettbewerb. „Die beste Weiterbildung bringt nichts, wenn sie am Bedarf vorbei geht.“ Deshalb werden die Bildungsangebote im Haus der Wirtschaftskammer Steiermark durch das WIFI auch mit und für die heimische Wirtschaft konzipiert und laufend an aktuelle Trends angepasst.
Das WIFI als Karriere-Lotse

Flexibilität und Ehrgeiz sind gefragt
Weiterbildung beginnt nicht erst mit dem ersten Kurstermin sondern längst davor. Das WIFI sieht sich als Karriere-Lotse. Es geht darum, Potenziale zu erkennen und Mitarbeiter gezielt weiterzuentwickeln. Der WIFI-Werkzeugkasten dazu ist gut bestückt: mit Potenzialanalysen, firmeninternen Trainings und Umsetzungsbegleitung, damit Entwicklungen auch tatsächlich in Bewegung kommen. Und nur weil man sich einmal für eine Richtung – bzw. überspitzt formuliert zwischen „Fachidiot oder Wunderwuzzi“ entschieden hat – ist dieser Weg keinesfalls in Stein gemeißelt. Institutsleiter Neubauer ist überzeugt: „Spezialisierungen sind zyklisch. Schließlich ist Bill Gates nach seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender wieder Technik-Chef geworden – weil es ihm Spaß gemacht hat. Und bei uns kann man beides lernen, egal wie alt man ist.“„Der Idealfall wären Spezialisten mit der Fähigkeit zur Flexibilität – und keine Mittelmäßigkeit. Als Unternehmen muss man natürlich laufend schauen, wo Qualifikationsbedarf besteht, das ist eine individuelle Frage. Wir arbeiten dabei mit Fokusgruppen unter den Mitarbeitern, um möglichst bedarfsgerecht schulen zu können.“ (Charlotte Leitgeber, Personalmanagerin Lieb-Unternehmensgruppe)
„Die Technik steht nicht still, deshalb muss man offen und lernbereit sein. Auch wenn in unserem Bereich ein allgemeines Grundverständnis für Elektrotechnik wesentlich ist, braucht man eine Spezialisierung. Und was noch wichtig ist: Unternehmer benötigen Mitarbeiter, die Ehrgeiz mitbringen.“ (Martin Gruber, Inhaber Gruber Elektrotechnik)

Spezialisten und Querdenker machen den Unterschied
„Wer Rasenroboter nur verkauft, kann sich mit unseren Landtechnikmechanikern, die von der Wartung bis zur Reparatur alles machen, natürlich auch in der Beratung nicht messen. Unsere Spezialisten machen für die Kunden den Unterschied aus. Und diese Spezialisten sind für den Kunden dann auch der Beweis, warum sich der Gang ins Geschäft auch in Zeiten des Onlinehandels lohnt.“ (Rudolf Schwarzl, Direktor Lagerhaus Gleinstätten)
„In der Führungsebene sind Querdenker wichtiger, in fachlichen Disziplinen brauchen wir Spezialisten. Irgendjemand muss das, was die Führungsebene vorgibt, ja umsetzen können. Überall unabdingbar sind Softskills. Um diese schon bei den Lehrlingen zu fördern, erarbeiten wir gerade mit dem WIFI eine individuelle Zusatzausbildung.“ (Paul Kiendler jun., Geschäftsführer Kiendler-Unternehmensgruppe)