Wenn der Berg nicht nach Kumberg kommt ...
… dann kommt Conny aus Kumberg eben zum Berg. Aber nach Kumberg zieht es Conny Hütter trotzdem immer wieder. Nur halt nicht mehr zum Skifahren. Trainiert hat sie dort nur früher – bevor der Weltcup-Wahnsinn losging.


Conny Hütter im Porträt
Liebe Conny, seit spätestens 2014 bist du eine Fixgröße in den Speedbewerben. Wer so auf dem Ski steht, muss das schon mit Kindesbeinen getan haben. Wo bitte kann man in der Gegend um Kumberg Skifahren lernen? Am Schöckl …?
CONNY HÜTTER: Ja, auch den Schöckl habe ich immer wieder aufgesucht, damals hat es den Lift auf der Jahnwiese ja noch gegeben. Ich hab sehr gern auf dem Schöckl trainiert, es war ein interessanter Hang, vor allem für Kinder ideal. Schade, dass es diesen Lift heute nicht mehr gibt. Aber natürlich war auch ich gezwungen, immer wieder in größere Skigebiete oder auf die Gletscher zu fahren, um richtig Skifahren zu können.
Dein damaliger Trainer, Georg Ableitner, vom SV St. Radegund hat in einem Interview deinen frühen Fleiß gelobt, aber auch gemeint, dass es damals andere gegeben hat, die sogar „mehr Talent hatten“. Würdest du dich als Spätzünderin bezeichnen?
HÜTTER: Als Spätzünderin würde ich mich vielleicht nicht bezeichnen, weil es derzeit nicht viele in den Topgruppen im Weltcup gibt, die jünger sind als ich. Aber im Nachwuchsbereich hat es sicher immer wieder welche gegeben, die mehr Rennen gewonnen haben und erfolgreicher waren als ich. Mit dem aktiven Rennfahren habe ich im Vergleich zu anderen viel später angefangen, erst im Alter von zwölf Jahren bin ich so richtig auf den Geschmack gekommen.
Wann war der Zeitpunkt, als du gemerkt hast, dass du da international ganz vorne mitmischen willst und auch kannst?
HÜTTER: Als ich in den ÖSV-Kader aufgenommen wurde, merkte ich schon, dass auch alle anderen nur mit Wasser kochen und dass der Unterschied nicht so groß ist. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar: Ich will alles unternehmen, dass ich in den Weltcup komme und auch dort vorne mitfahren und Rennen gewinnen kann.
Hattest du beim Einstieg in die nationale Liga manchmal Minderwertigkeitsgefühle gegenüber Kolleginnen aus der Obersteiermark, Salzburg oder Tirol, die mit 2000er-Gipfeln vor der Haustür aufgewachsen sind?
HÜTTER: Angst oder Minderwertigkeitsgefühle hatte ich nie. Natürlich wurde ich oft belächelt und vor allem die Anfangszeit in der Skihauptschule in Schladming war nicht immer lustig. Da haben sich viele oft gefragt, was die aus dem „Flachland“ überhaupt hier will... Aber das hat mich eher motiviert und angetrieben und nicht verunsichert. Ich bin zum Glück mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein ausgestattet, und damals kam mir sicher auch mein „Wurschtigkeitsgefühl“, das man zweifelsohne manchmal brauchen kann, zugute.
Irgendwo hab ich gelesen, dass es typisch für dich ist, dass du „den Kontakt zu deinen Wurzeln nie abreißen hast lassen“? Stimmt das und wie äußert sich deine Heimatverbundenheit?
HÜTTER: Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch und ich kann mir im Moment nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben. Kumberg und die ganze Region sind ein wunderschöner Fleck auf dieser Erde. Ich schätze die Ruhe, die Gemütlichkeit, die Natur, das Wetter – alles ist perfekt!
Fühlst du dich eher als Grazerin oder als Kumbergerin? Und wenn du dich gegenüber Nicht-Steirern als letztere ausgibst – wissen die dann überhaupt, wo Kumberg liegt?
HÜTTER: Dadurch, dass ich nie in Graz zur Schule gegangen bin und auch nie wirklich viel in der Stadt zu tun hatte, fühle ich mich auf jeden Fall als Kumbergerin. Ich bin vom Land und bleibe es auch gerne. Ich mag Graz aber sehr und finde es wunderschön. Hin und wieder genieße ich es dann schon, durch die Stadt zu spazieren. Natürlich wissen die meisten nicht, wo Kumberg liegt. Da hilft dann der Zusatz „in der Nähe von Graz“ klarerweise.
Mit deinen Erfolgen ist natürlich auch deine Bekanntheit unglaublich gestiegen. Und im Rennanzug erkennt dich mittlerweile jeder. Aber wie ist es, wenn du ganz normal gekleidet und inkognito durch Graz spazierst …?
HÜTTER: So oft komme ich dann nicht dazu, durch Graz zu spazieren, das beschränkt sich auf ein paar Tage im Jahr. Grundsätzlich ist es nicht so, dass mich alle ansprechen oder ein Selfie mit mir schießen wollen, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. Ob sich das in Zukunft ändert, werden wir ja sehen. Ich glaube generell, dass man mich in Graz nicht so kennt – was mich jetzt aber auch nicht wirklich stört.Geboren am 29. Oktober 1992 in Graz.
Heimische Abfahrts- und Super-G-Aufsteigerin der Saison.
Am 12. März 2016 gewann Hütter ihren ersten Weltcup- Super-G in Lenzerheide (Schweiz).