Mountainbiken: Streit geht von vorne los
Weil die Zahl der Mountainbiker viel stärker als das Strecken-Angebot steigt, kommt es oft zu Konflikten mit Grundbesitzern oder Wanderern. Alpine Vereine starten einen neuen Anlauf zur Öffnung von Forststraßen. Von Ulrich Dunst

Tausende Mountainbiker machen sich landauf, landab wieder auf den Weg. Dieser führt übermorgen, Freitag, aber für viele nicht über umliegende Berge, sondern in die Landeshauptstädte. Organisiert von den Naturfreunden will man (z.B. ab 15 Uhr am Burgring in Graz) mit einer Sternfahrt durch die Innenstadt für die Öffnung von Forstwegen für Radler protestieren.
Damit beginnt ein seit Jahren immer intensiver geführter Streit zwischen Bikern und anderen Interessensgruppen wie Wanderern, Jägern und Grundeigentümern wieder von vorne, denn: In vielen Fällen strampeln Mountainbiker, wenn sie abseits öffentlicher Straßen fahren, derzeit auf illegalen Pfaden. Laut Forstgesetz ist zwar seit 1975 der Wald grundsätzlich für alle geöffnet, das gilt aber für Fußgänger.
800.000 Moutainbiker
Fahren darf man etwa auf Forstwegen nur, wenn der Grundeigner dies explizit gestattet. Und da klagen etwa die (roten) Naturfreunde ebenso wie der (schwarze) Alpenverein oder Bikerplattformen wie „upmove“, „dass es angesichts 800.000 heimischer Mountainbiker, „Tendenz steigend, viel zu wenige ausgewiesene Bikerstrecken gibt. Nur ein Bruchteil des Forststraßennetzes von 120.000 Kilometern in Österreich dürfen befahren werden. Das wollen wir ändern“, sagt Jürgen Dumpelnik, Vorsitzender der steirischen Naturfreunde. Eine Mehrheit dafür im Parlament scheitere aber bisher am Veto der ÖVP.

„Kleine Wege sind tabu“
Vor allem land- und forstwirtschaftliche Interessensvertreter sehen den Wald als Arbeitsplatz und befürchten durch eine generelle Öffnung knifflige Haftungsfragen ebenso wie schrittweise Enteignung oder die Einladung, querfeldein zu fahren. Die Naturfreunde verweisen indes auf „Fair-Play-Regeln“ (siehe Info), an die sich Mountainbiker zwingend zu halten hätten. „Da kann ich mir auch Strafen vorstellen, wenn sich jemand nicht daran hält“, so Dumpelnik, der wie der Alpenverein ausschließlich eine Öffnung von Forststraßen fordert. „Freie Fahrt für Biker auf kleinen Wanderwegen“ – so genannten Single-Trails – „wären Wahnsinn, das ist absolut tabu.“
Fair Play Regeln
Diesen Regeln verpflichten sich u. a. die Radler der Naturfreunde:
- Kontrolle: An die Situation angepasste Geschwindigkeit, v. a. an unübersichtlichen Stellen.
- Rücksicht auf die Natur; Jagd- und Forstsperren befolgen;
- Nicht querfeldein: Auf gekennzeichneten Radwegen bleiben;
- Vorrang für Fußgänger, sich rechtzeitig bemerkbar machen
Genau das fordert aber Dietmar Gruber von „upmove“: „Alle echten Biker kennen das: Nur auf geschotterten Forststraßen zu fahren ist langweilig. Darum plädieren wir für eine Öffnung auch von anderen, kleineren Wegen. Im Gegenzug könnte man Wege, wo viele Wanderer unterwegs sind oder wo es spezielle Wild- oder Naturschutzinteressen gibt, für Biker sperren.“
Vertragslösung
Statt für eine generelle Öffnung plädieren Forstbesitzer hingegen für vertragliche Lösungen zwischen Eigentümern und z. B. Tourismusregionen, um eigene Mountainbike-Strecken auszuweisen. Steiermark-Tourismus-Boss Erich Neuhold verweist hier auf einige Projekte, bei denen das Land über eine Freizeit-Haftpflichtversicherung auch Eigentümer absichere. Was das Finden neuer Strecken betrifft, habe die Steiermark im Vergleich zu Tirol laut Neuhold aber noch „Aufholbedarf“.