CO2-Ausstoß entscheidetKommt eine EU-weite Maut? So könnte sie berechnet werden

Die EU-Kommission will Insidern zufolge die Grundlage für ein europaweites Mautsystem für Pkw und Nutzfahrzeuge schaffen, das sich am CO2-Ausstoß orientiert.

© dpa/Christian Charisius
 

Die noch nicht fertig ausgearbeiteten Vorschläge sollten den Mitgliedsländern aber keine Abgabe vorschreiben, sagten zwei mit den Plänen vertraute EU-Vertreter. Vielmehr müsse sich ein Land nur an das Prinzip der EU-Regelung halten, sofern es eine Maut erhebe.

In Deutschland wurde die Pkw-Maut Ende März auf den Weg gebracht. Die Höhe der Abgabe orientiert sich ebenfalls am CO2-Ausstoß der Fahrzeuge, wobei unter dem Strich aber nur Ausländer zur Kassa gebeten werden. In Österreich regt sich massiver Widerstand, eine Klage ist angedroht. Nach langwierigen Beratungen hatte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der EU-Kommission im Gegenzug für deren Zustimmung zu seinen abgeänderten Plänen jedenfalls zugesagt, ein europäisches Mautsystem zu unterstützen.

Messtechnologie an Bord

Dem neuen EU-System zufolge basieren die Abgaben nicht mehr auf dem Zeitraum, in dem ein Autofahrer auf den Straßen eines Landes unterwegs ist. Dies ist bisher etwa bei Vignetten in mehreren EU-Staaten der Fall. Vielmehr sollen künftig die zurückgelegte Strecke und der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) Grundlage für die Höhe der Gebühren sein. Derzeit gibt es nur ein EU-System für Lastwagen, während eine Maut für Pkw Sache der Mitgliedsländer ist.

Ziel der EU-Kommission ist es, Hersteller von Nutzfahrzeugen zum Einbau umweltfreundlicherer Technik zu bewegen. Die Autoindustrie hat sich lange Zeit gegen die Kopplung einer Maut an Abgaswerte gesperrt, weil nach ihrer Ansicht der CO2-Ausstoß von schweren Nutzfahrzeugen zu kompliziert zu berechnen und ein Vignetten-System billiger sei. Schwere Nutzfahrzeuge machen nur einen kleinen Anteil der Fahrzeuge auf Europas Straßen aus, sind aber für ein Drittel des CO2-Ausstoßes in der EU verantwortlich. Einem der EU-Vertreter zufolge sollen künftig Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß mehr und umweltfreundliche Autos weniger zahlen, so dass unter dem Strich die Einnahmen in etwa auf dem aktuellen Niveau blieben.

Neben Lkw könnten auch Busse oder Kleintransporter wie Vans in das neue System einbezogen werden. Um die Abgabe erheben zu können, erwägt die EU-Kommission den Angaben zufolge, Neuwagen mit einer Technologie zur Messung und Übermittlung der gefahrenen Kilometer ausstatten zu lassen. Diese könnte dann aktiviert werden, wenn ein Land eine Maut erhebt. Die Kommission will den Vorschlag voraussichtlich am 31. Mai vorlegen. Er müsste dann noch mit EU-Parlament und Mitgliedsländern abgestimmt werden.

Kommentare (17)

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Eyeofthebeholder
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Was soll der Unsinn?

CO2 nutzt keine Straßen ab! Das einzige faire Mautsystem wäre kilometerbasiert, und zwar für ALLE Fahrzeuge auf ALLEN Straßen! Zu- oder Abschläge gibt es nur für das Gewicht!

Die Infrastruktur dafür (GPS, Mobilfunk) ist bereits vorhanden und erfordert keinerlei zusätzliche Investitionen.

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GeorgKrat
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Sie ist eh auch kilometer-basiert:

Siehe Artikel:
"Vielmehr sollen künftig die zurückgelegte Strecke und der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) Grundlage für die Höhe der Gebühren sein."

Und ein schwereres Auto stoßt tendenziell auch mehr CO2 aus. Es ist gut dass auch der Schadstoffausstoß, der die Umwelt belastet ausschlaggebend für die Höhe der Maut ist.

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Eyeofthebeholder
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@GeorgKrat: Das "auch" ist ja das Problem!

Fahrzeuge mit höheren Schadstoffausstoß sind ohnehin schon durch den höheren Treibstoffverbrauch und den damit verbundenen höheren Steuern und Abgaben sanktioniert.

Eine Straßenmaut soll die Kosten der Straßenerhaltung bzw. deren Ausbau finanzieren, und nicht irgendwelche Öko-Hirngespinste.

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sanantonio
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In Europa gibt man wohl weiterhin dem Klimaschutz durch CO2

Vorrang gegenüber dem Gesundheitsschutz.
Motoren die einen möglichst geringen Ausstoß am ungiftigen CO2, das für den Klimawandel verantwortlich gemacht wird, bieten stossen eher mehr Feinstaubpartikel und gesundheitsschädliche Stickoxide aus. Selbst ein modernes amerikanisches muscle-car mit 400 PS hat nur einen Bruchteil an Ausstoß gesundheitsschädigender NOX (Stickoxide) verglichen mit einem durchschnittlichen oder selbst kleineren dieselbetriebenen Pkw, wie sie bei uns vornehmlich anzutreffen sind.
Kurz gefaßt eine Fortsetzung der unterschiedlichen Politik: In Europa Klimaschutz auf Kosten von Gesundheitsschutz. In den USA Gesundheitsschutz auf Kosten von Klimaschutz.

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Mein Graz
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da siehst du was falsch

klimaschutz IST gesundheitsschutz!

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Eyeofthebeholder
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@Mein Graz: Quatsch, der sog. "Klimaschutz" ist Investorenschutz,

sonst gar nichts.

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tannenbaum
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Und nicht vergessen, die Elektroautos von allen Gebühren und Steuern auszunehmen, weil die sind ja soooooo Umweltfreundlich!

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paulrandig
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Wie kompliziert geht es denn bitte noch?!?

Woher kommt das CO2? Der Kohlenstoff aus dem Treibstoff verbindet sich mit dem Sauerstoff aus der Luft. Je mehr Treibstoff verheizt wird, desto mehr CO2 entsteht.
Will ich also europaweit den CO2-Ausstoß von Autos vergebühren, so muss ich lediglich alle Mitglieder verpflichten diese Gebühren über eine zusätzliche Abgabe auf den Treibstoff einzuheben. Damit würde ich mir einen gigantischen technischen und administrativen Aufwand sparen, denn die Infrastruktur zur Bezahlung von Treibstoff besteht bereits und ist bestens eingeführt.

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BigBang12
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@paulrandig

Für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren wäre das durchaus sinnvoll. Aber es kommen vermehrt alternative Antriebe zum Einsatz. Auch diese Fahrzeuge müssen aber in das Mautsystem eingebunden werden. Vielleicht könnte man die Betriebsstunden des Fahrzeugs erfassen und besteuern? Bei Flugzeugen wird z.B. das Serviceintervall u.a auch nach diesem Kriterium bemessen.

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WernStein
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Zustimmung!

Die Technik ist aber bereits so weit, dass folgendes Szenarium möglich erscheint: Jedes Auto sendet (unbemerkt) sämtliche Fahrdaten an den Hersteller, der sie seinerseits der ASFINAG weiterverkauft. Eine Kamera oder ein SAT System im Auto erfasst ganz genau die Autobahnkilometer oder das System nimmt von sich aus an, dass bei v >100 km/h die Autobahn benutzt worden ist. Und ist das Auto bei Facebook angemeldet, braucht der Lenker künftig nur an die Autobahn zu denken, dann wird die Maut automatisch vom Konto abgebucht.....
Ein wenig Unwohlsein befällt mich bei diesen Gedanken!
Das Alter hat gewisse Vorteile.

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Mein Graz
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na, dann wissen

hersteller, asfinag, fb und somit die ganze welt schon mal ganz genau, wo du unterwegs warst.
außerdem musst du genau mitrechnen, wo du unterwegs warst, denn du willst ja auch die abrechnung kontrollieren, sonst ist das konto schnell leergeräumt.
und noch einen fehler hast in deiner rechnung: alles unter 100 km/h wird nicht verrechnet? was ist mit staus, baustellen, geschwindigkeitsbeschränkungen usw.?

das hast nicht gut durchdacht. außer, dass einem sehr unwohl wird bei so einem gedanken!

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WernStein
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Ich erhebe keinen Anspruch..

darauf, dass alles gut durchdacht ist, sondern ich zeige lediglich Szenarien auf, die möglich erscheinen oder in Zukunft möglich sein werden. Staus, Baustellen und Beschränkungen in ein digitales System einfließen zu lassen, dass ist aber heute wirklich kein Problem mehr.
Dass Autos sämtliche Fahrdaten an den Hersteller übermitteln ist keine Phantasie, sondern Realität! Daraus ergibt sich eine ganze Reihe an Möglichkeiten.
Was ich keinesfalls wollte: Dass ihnen beim Lesen meines Beitrages unwohl wird - ehrlich! Schönes Wochenende!

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Mein Graz
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na klar, ist ja kein problem.

und das bisschen verwaltungsaufwand, diese daten einfließen zu lassen, das erledigt sich ja von selbst.
möglich ist in zukunft vieles, das ist klar. ob man machbares auch wirklich haben will, ist eine andere frage.

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Eyeofthebeholder
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@Mein Graz: Ja, das erledigt sich von selbst.

Meine Navi-App kennt sämtliche Baustellen, Staus und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Erreicht wird das durch die freiwillige Mitarbeit der Nutzer - vollkommen kostenlos!

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Mein Graz
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du hast recht!

aber leider wird es dann so sein, dass die leute nur den höheren benzinpreis sehen und nicht, dass das statt der maut ist. und dann wird sofort wieder "abzocke" geschrieen, und dass die autofahrer die melkkühe der nation sind. manche suchen ja nur danach, wieder einen grund zum raunzen zu haben.

aber wie mans macht, macht mans sowieso falsch.

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Spitzer Walter
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Maut!

Die zehn Gebote sind deshalb so klar und verständlich,
weil sie ohne Mitwirkung einer Sachverständigenkommission
zustande gekommen sind.

Hätte man bei der Erschaffung der Welt eine Kommission eingesetzt, dann wäre sie heute noch nicht fertig.

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levis555
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...und deshalb werden sie auch so super eingehalten. Die allgemeine Freisprechungsformel wird dabei auch schon mitgeliefert "wer selbs ohne Fehler, der werfe den ersten Stein"

Wieviele Menschen ohne Sünde im Sinne der Bibel gibt es? 1% oder 2% ? Wenn also ein Mautsystem eingeführt wIrd, bei dem sich 98% wegducken können, dann würden Sie es gut finden, nur weil Sie es dann auch verstehen?
Wieder ein "Spitzer Gedankenblitzer?"

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