Prognose bis 2050Wie der Klimawandel Graz verändert

Ein Forschungsprojekt zeigt, wie man die Stadt ein bis zwei Grad abkühlen könnte. Zahlen und Daten zur Hitze und Klimawandel in Graz.

Eisernes Tor Brunnen
© Jürgen Fuchs
 

Tendenz steigend. Das ist die Kurzfassung. Natürlich können Experten sehr lange über die Auswirkungen des Klimawandels reden, unterm Strich steht aber: Es wird wärmer. Deutlich wärmer.

Das belegen auch die Zahlen für Graz, die Benjamin Simperl und Christopher Wintschnig in ihrer Diplomarbeit aus dem Vorjahr zusammengetragen haben. Die jährliche Durchschnittstemperatur in Graz lag in der Periode von 1971 bis 2000 bei 9,9 Grad, in der Periode 2001 bis 2015 lag sie bei 11,3 Grad – ein Plus von 1,4 Grad.

Klingt wenig, hat aber gravierende Auswirkungen: Die Sommer- und Hitzetage, unter denen aktuell jene stöhnen, die nicht im Freibad liegen können, werden von Jahr zu Jahr mehr. Auch die Tropennächte, also Nächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt, häufen sich seit 2010 auffällig. Das ist besonders belastend für ältere Menschen und Kinder, wenn nicht einmal in der Nacht für Abkühlung gesorgt wird und sich der Körper nicht erholen kann.

Selfhtml

In Graz gibt es einige Hitzeinseln, an denen sich der Klimawandel besonders zeigt. Eine dieser Inseln ist der Bezirk Jakomini. „Der ist sehr dicht verbaut und dicht besiedelt“, sagt Ingrid Kaltenegger von Joanneum Research. Sie untersucht gemeinsam mit der Stadtklimaforscherin Maja Zuvela-Aloise von der Zentralanstalt für Meteorologie (Zamg), wie man die Hitze in der Stadt dämpfen kann – am Beispiel Jakomini.

Sommertage in Graz

Die durchschnittliche Anzahl an Sommertagen in Graz in der Periode von
1961 - 1990: 47,4
1971 - 2000: 55,4
1981 - 2010: 66,6
2021 - 2050: 70 bis 83*
2071 - 2100: 95 bis 122*

*Prognose der Zamg, je nach Szenario

„Im Schnitt kann man in den Stadträumen die Temperatur um ein bis zwei Grad senken“, ist Zuvela-Aloise überzeugt. „Das entspricht 15 bis 20 Sommertagen im Jahr, also Tagen mit mehr als 25 Grad.“ Das Ziel: „Den Klimawandel regional zu kompensieren.“ Oder zumindest zu dämpfen.

Was dazu nötig ist? Mehr Grün, weniger Asphalt. Die Schwierigkeit: Die Stadt steht ja schon „und es lässt sich nicht jedes Dach und jede Fassade begrünen“, so Kaltenegger. Im Rahmen des Projektes „Jacky_cool_check“ versucht sie, gemeinsam mit privaten Initiativen und Firmen im Bezirk Jakomini Potenziale aufzuzeigen, die in einem zweiten Schritt auch umgesetzt werden. „Es geht um eine Vielzahl an Einzelmaßnahmen, die wirken“, sagt Kaltenegger.

Tropennächte in Graz

Liste der Jahre mit vier und mehr Tropennächten in Graz*:

  • 1957: 5 Tropennächte
  • 2001: 4 Tropennächte
  • 2003: 4 Tropennächte
  • 2010: 5 Tropennächte
  • 2012: 4 Tropennächte
  • 2013: 9 Tropennächte
  • 2015: 7 Tropennächte

*nach: Benjamin Simperl, Christopher Wintschnig: Anpassungsstrategien für Graz im Zuge des Klimawandels

Potenziale, wo die Stadt selbst aktiv werden kann, gibt es: Der Messevorplatz etwa ist komplett asphaltiert, auch an der Kreuzung Schönaugasse/Grazbachgasse „könnte man die Versiegelung aufbrechen und kleine Grünräume einrichten“, so Kaltenegger.

Naturschützer und Stadtplaner fordern außerdem, das Regenwasser besser zu nutzen, anstatt es in den Kanal zu spülen. Dazu braucht es mehr Grünflächen und Systeme wie in der Eggenberger Allee, wo stattliche Bäume unterirdisch Platz für ihre Wurzeln bekommen. Die Bäume werden größer und geben mehr Schatten, das Regenwasser kann versickern, kurz: die Straße soll nach dem Umbau deutlich kühler sein als zuvor.

Die Stadt Graz hat auf Initiative des Umweltamtes hin im Vorjahr eine "Anpassungstrategie an den Klimawandel" beschlossen. Das Papier umfasst für elf Themenfelder Handlungsempfehlungen: Von urbanen Grünräumen über die Raumplanung bis zum Bauen und Wohnen. Die Schwierigkeit liegt dabei in der Umsetzung: Es ist ein Thema, das viele Abteilungen betrifft, und zwar so viele, dass sich niemand wirklich zuständig fühlt.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

jahcity
0
4
Lesenswert?

Was macht unser Lobbymeister Nagl?

Er rodet 1000de große u mächtige Bäume um ein Kraftwerk u einen Speicherkanal! Genau das Gegenteil sollte man machen - siehe obiger Artikel! Unfassbar was ein Nürgermeister zerstören kann....

Antworten
isogs
0
5
Lesenswert?

und

was macht man in Graz?
man baut einen Regenwasserkanal um 84 Millionen, anstatt diesen Betrag zum begrünen von Dächern und zur Regenwassernutzung verwendet!
Aber Graz hats.... zumindest einen Nagl!

Antworten
Acquario
1
6
Lesenswert?

Zuerst lässt die Stadt alles zu bauen - ändert Bebauungsdichten

Bebauungspläne, Hochwassergebiete dürfen plötzlich bebaut werden usw... und dann braucht man wieder Pläne, Personal, Gutachter usw um diese Betonversieglungen aufzubrechen?
Unsere Politiker machen sich selbst die meiste Arbeit - und das auf unsere Kosten! Aber solange man Nagl und Co wählt darf man sich nicht beschweren.

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.