GrazBildungsinstitut „bfi“ verbietet Mitarbeiterinnen das Kopftuch

EuGH erlaubt Kopftuchverbot am Arbeitsplatz. Das steirische Berufsförderungsinstitut prescht in Österreich vor und verbannt ab sofort augenscheinliche Symbole aller Religionen aus seinem Betrieb.

Kein Kopftuch beim bfi
Kein Kopftuch beim bfi © APA/BARBARA GINDL
 

Die Entscheidung wurde gespannt erwartet, gestern fällte sie der Europäische Gerichtshof in Luxemburg: Unternehmen dürfen Arbeitnehmerinnen das Tragen eines islamischen Kopftuchs verbieten. Es müsse dafür eine unternehmensinterne Regel geben, die nicht diskriminierend sei und das Tragen aller politischen, weltanschaulichen oder religiösen Zeichen betreffe.

Zum Leitartikel: Das Problem trägt man im und nicht am Kopf

Der führende Erwachsenenbildner der Steiermark, das Berufsförderungsinstitut (bfi), hat nur auf diesen Spruch gewartet und dürfte nun das erste Unternehmen Österreichs sein, das in seinem Betrieb ein Kopftuchverbot durchgesetzt hat. „Wir haben das gestern per Dienstanweisung erledigt und unser Leitbild erweitert“, bestätigt der steirische bfi-Geschäftsführer Wilhelm Techt. Damit habe man genau so eine Regel erlassen, die nicht diskriminiere: Um die Neutralität zu gewährleisten, werden Symbole aller Religionen – also etwa auch das Tragen einer Nonnentracht oder einer Kippa – aus dem bfi verbannt. Das bedeutet auch, dass in Kursräumen keine Kreuze hängen dürfen. Aber die gab es dort schon bisher nicht.

„Wir haben derzeit mehr als 1000 Migranten in unseren Kursen – vom Sprachunterricht bis zum Pflichtschulabschluss oder der vorbereitenden Lehre. Und wir bekennen uns zur Willkommenskultur, wollen diesen Menschen aber auch unmissverständlich unsere westliche Kultur, unsere Werte vermitteln“, erklärt Techt. Deshalb werde man nur Trainerinnen und Mitarbeiterinnen in westlicher Kleidung als Vorbilder beschäftigen, die Mädchen auch ermutigen, selbst auf das Kopftuch zu verzichten. Bei Trainern gelte: „Wir nehmen gerne Muslime auf, aber diese müssen Frauen auch ohne Kopftuch respektieren, ihnen die Hand geben und in die Augen schauen.“ Die Vorgaben werden beim bfi nun auch konsequent durchgesetzt. Sollten etwa Mitarbeiterinnen sich nicht ans Kopftuchverbot halten, werde man sich von ihnen trennen.

 

bfi-Chef Wilhlem Techt will Migranten "unmissverständlich unsere westliche Kultur, unsere Werte vermitteln" Foto © bfi

Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) begrüßte gestern die EuGH-Entscheidung, da sie keine Diskriminierung zulasse, aber Arbeitgebern den Freiraum gebe, den sie für unternehmerisches Handeln brauchten. Auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ibrahim Olgun, kann das Urteil „nachvollziehen“. Es gehe darum, alle Religionsgemeinschaften gleich zu behandeln, allerdings spricht er sich grundsätzlich gegen Verbote religiöser Kleidung aus.

UMFRAGE

Ist es ein Erfolg, wenn es generell möglich ist, am Arbeitsplatz das sichtbare Tragen religiöser Symbole - vom Kopftuch bis zum Tragen eines Kreuzerls - zu verbieten?

Diese Umfrage ist seit Donnerstag, 16. März 2017 22:30 Uhr zu Ende!

Kommentare (11)

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xanadu
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bfi

Steiermark sagt nein und Kärnten ja? Wie das?

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stadtkater
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Wie viele

BFI-Mitarbeiterinnen sind davon betroffen? Wie viele islamische Mitarbeiterinnen hat das BFI und wie viele davon würden ohne diese Dienstanweisung ein islamisches Kopftuch tragen? Eine Qualitätszeitung würde so etwas mitrecherchieren!

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Poto60
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stadtkater

Da geht es wohl um die Grundhaltung und nicht, darum wieviel Muslime gerade beschäftigt sind! Und wenn's nur 1 wäre, oder auch keine!

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paulrandig
5
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Wenn es um das Bedecken des Kopfes geht,...

...weil sich die Frauen z.B. nicht wohlfühlen ihr Haar zu zeigen, was zu respektieren ist, weil damit vielleicht in der Erziehung ein gewisses Schamgefühl verknüpft wurde, dann können sie in der Öffentlichkeit immer noch ein Kapuzenshirt tragen. Generell sollten wir ihnen aber Möglichkeiten bieten, z.B. in Frauengruppen und mit entsprechendem Info-Material, sich mit der Zeit auch an unsere Art der exponierten Körpermerkmale zu gewöhnen.
Dann können sie gerne, wenn sie wollen, in ihrer Freizeit ein Kopftuch tragen, so wie wir vielleicht ein Kreuzerl , aber sie hätten auch die Möglichkeit ohne große Schwierigkeiten in der Arbeit darauf zu verzichten.

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Lamax2
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Einfach nur Menschen

Ich finde es vollkommen richtig, keine religiösen Symbole am Arbeitsplatz zur Schau zu stellen. Ich möchte mein Gegenüber einfach nur als Mensch sehen und schätze alle Menschen gleich, wenn sie friedlich sind und gewisse Werte des Zusammenlebens einhalten. Das Kopftuch ist keine Forderung des Korans , sondern eine Vorgabe fehlgeleiteter Männer.

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wintis_kleine
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Na Bumm;

wenn das jetzt nicht gleich einmal den Papst und die katholische Kirche auf den Plan ruft, wenn im "allgemeinen Abwaschen" auch noch die christlichen Symbole aus der Arbeitswelt verschwinden sollen. Da wird sich die EU und alle dem Urteilspruch folgenden Arbeitgeber aber sehr warm anziehen müssen um nicht exkommuniziert zu werden. (sarcasm off)

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Lamax2
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?

Welche katholischen Symbole trägt man denn zur Verhüllung am Körper? Nonnen haben sowieso ihre eigenen Arbeitsplätze.

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Poto60
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lamax2

Ja genau so ist es!
Viele Muslime versuchen sich in ihrer Heimat von dem Kopftuch zu befreien!!
Wie es im damaligen Persien und anderen Staaten ja schon gab, bis die extremen Muslims auftauchten!
Bei uns könnten sie sich diesem entledigen und was ist: sie wollen SICHTBAR sein! Ist einfach nicht zum verstehen!
Wo ist da eine Integration? Wir werden nicht gefragt, ob wir das wollen!!! Es gibt bestimmt viele Menschen die in Österreich eingewandert und sich gerne integrieren! Auf die können wir zählen, die anderen können Österreich ruhig den Rücken kehren! Sie haben in ihrer Heimat bestimmt eine bessere Zukunft!?

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DavidgegenGoliath
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@Poto

Die Meisten wollen sichtbar sein, um zu demonstrieren das unsere Werte und Moralvorstellungen für sie verwerflich sind.

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Poto60
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David gegen Goliat

Ja vielleicht bekommen wir in naher Zukunft, dann auch solche Zustände wie sie jetzt in der Türkei sind und wir dürfen unsere Heimat verlassen, weil wir uns nicht Integrieren wollen!! Haben Sie das schon mal überlegt!

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Poto60
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bfi

Danke BFI, iher Haltung dem Kopftuch gegenüber! Genau so denke ich auch und bestimmt viele Andere auch!
Ich würde mir auch ein generelles Kopftuchverbot in allen Schulen Wünschen! Denn Integration beginnt dort, wo alle "gleich sichtbar" sind!

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